Vereine in Corona-Zeiten: Lichtenau e.V.

Neue Tablets helfen dem Ambulanten Hospizdienst Kontakt aufzunehmen

Neue Ausstattung: Jaqueline Benz (links) und Petra Lautenbach werfen erste Blicke auf die Tablets für den Ambulanten Hospizdienst.
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Neue Ausstattung: Jaqueline Benz (links) und Petra Lautenbach werfen erste Blicke auf die Tablets für den Ambulanten Hospizdienst.

Durch Corona ist das Vereinsleben vielerorts zum Erliegen gekommen. Wie gehen die Vereine damit um? Wir haben bei einigen nachgefragt. Heute: der Ambulante Hospizdienst von Lichtenau e.V.

Hessisch Lichtenau – Im ganzen Land gibt es derzeit Bestrebungen, den Ausbau der digitalen Technik voranzutreiben, so auch beim Ambulanten Hospizdienst von Lichtenau e. V.: Neun neue Tablets stehen den ehrenamtlichen Mitarbeitern neuerdings zur Verfügung, um auch in Zeiten von Corona Kontakt zu den Menschen aufnehmen zu können, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden.

„Unser Ziel ist es, dass Menschen, die ihre Angehörigen nicht mehr persönlich treffen dürfen, dennoch in den letzten Stunden Abschied nehmen können“, erklärt Petra Lautenbach, die Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes, und ergänzt: „Denn auch, wenn die Kontaktregeln auf den Covid-Stationen derzeit sehr streng sind, die ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter des Hospizdienstes dürfen mit entsprechender Schutzausrüstung zu den Sterbenden. Dabei können die Tablets künftig wichtige Dienste leisten, seien es Videotelefonate mit Verwandten oder Bekannten, das Vorspielen von Musik und Gedichten oder das Zeigen von Fotos. Besonders Demenzerkrankte können so Vertrautes oder Bekanntes ein letztes Mal erleben.“

„Das ist die Zukunft“ ist sich ihre Stellvertreterin Jaqueline Benz sicher, nachdem erste Versuche in den Landesverbänden bereits gezeigt haben, dass der Einsatz von Tablets eine gute Möglichkeit biete, die Arbeit zu unterstützen. Die beiden Frauen arbeiten im Büro im Untergeschoss von Hausnummer 14 auf dem Gelände der Orthopädischen Klinik „Am Mühlenberg“ in Hessisch Lichtenau und organisieren von dort aus den Einsatz der 29 Ehrenamtlichen, wenn momentan auch sehr eingeschränkt.

Dass das Lichtenauer Hospiz-Team im Januar 2021 über insgesamt neun Tablets verfügt, ist dem hessischen Förderprogramm „Stärkung und Weiterentwicklung der ehrenamtlich tätigen ambulanten Hospizinitiativen und Hospizdienste“ mit fünf Exemplaren und weiteren vier vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration zu verdanken. Mit 672 Euro aus der Aktion „HelferHerzen 2020“ unterstützte die dm-Drogerie-Kette über die Lichtenauer Filiale den Ausbau der Digitalisierung. Lautenbach und Benz hatten sich zum Ziel gesetzt, in den folgenden Wochen die Team-Mitglieder mit den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten - insbesondere zur Kommunikation über Skype und WhatsApp oder als eBook zum Lesen von Büchern – vertraut zu machen. Dass die neue Technik gut ankommt, ist sich Petra Lautenbach sicher: „Es gibt eine neue Generation der Älteren, für die ist der Umgang mit dem Smartphone nicht neu.“

Wieder unter normalen Bedingungen ihren ehrenamtlichen Dienst sowohl für Senioren in den fünf Pflegeeinrichtungen der Region als auch im privaten Bereich anbieten zu können, nichts wünscht sich das Hospizteam zu Anfang des Jahres mehr. „2019 haben wir ganzjährig 45 Senioren begleitet, in 2020 nur noch 31, nachdem im März von heute auf morgen die Türen zu waren“, berichtet Petra Lautenbach.

Im Sommer sei dann vereinzelt eine Begleitung wieder möglich geworden, ein Viertel der Betroffenen komme aus dem privaten Bereich. Ein Schulungskurs mit acht Teilnehmern hatte noch im Oktober begonnen, zog sich dann durch den Lockdown aber hin, auch wenn so manche der zwölf Einheiten mit Homeoffice gerettet werden konnte. Das abschließende Praktikum kann vorerst aber nicht stattfinden. Ein Vertiefungskurs mit weiteren zwölf Einheiten von jeweils vier Stunden soll ab dem Sommer folgen.

Zur Pflege der Kontakte auch in den eigenen Reihen wünscht sich Petra Lautenbach, dass bald sowohl das Begegnungscafé im Edith-Stein-Haus als auch Schulungen, Ehrenamts-Treffen, Gruppenabende und weitere an den Jahreszeiten orientierte Aktionen wie Fahrten und Wanderungen wieder stattfinden können. (Lothar Röss)

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