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Niedriger Erlös lässt immer mehr Landwirte aufgeben

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Von: Stefan Forbert

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Immer weniger Landwirte im Werra-Meißner-Kreis mästen immer weniger Schweine.
Immer weniger Landwirte im Werra-Meißner-Kreis mästen immer weniger Schweine. © Eberth, Carolin

Immer weniger Landwirte im Werra-Meißner-Kreis mästen immer weniger Schweine. Standen 2012 noch fast 24 000 Schweine in den Ställen von 465 Bauern, waren es 2019 nur noch etwas mehr als 18 000 Tiere (fast ein Viertel weniger) bei 309 Haltern (ein Drittel weniger).

Werra-Meißner – In den vergangenen zwei Jahren sank der Bestand drastischer, schätzt Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner. Auch wenn keine konkreten Zahlen vorliegen, geht er von nicht einmal mehr 10 000 Schweinen im Jahr aus, die noch etwas mehr als 200 Landwirte halten. Erst 2021 sei ein Mastbetrieb mit 2500 Plätzen aufgegeben worden.

Ähnlich sehe die Entwicklung bei den Zuchtbetrieben mit Sauen und Ferkeln aus, sagt Roth. Als Grund dafür sieht er den Schweinepreis, der sich nicht mehr wie früher immer mal wieder erhole, sondern auf tiefem Niveau verharre. Derzeit liegt er bei etwas über 1,80 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht. Ein 120 Kilogramm schweres Schwein (gleich 92 kg Schlachtgewicht) von mittlerer Qualität bringe rund 170 Euro ein. Dem stünden aber Kosten von 240 Euro entgegen.

Um seine Familie zu ernähren, bräuchte der Bauer 15 Euro Gewinn je Schwein. Derzeit legt er stattdessen rund 70 Euro drauf. Deshalb hören die Landwirte auf, weil sie sonst immer mehr eigenes Vermögen verspielen, sagt Roth, der vom Verkauf von Ländereien und Lebensversicherungen weiß.

Uwe Roth Kreisbauernverband
Uwe Roth Kreisbauernverband © Privat

Drei Hauptgründe nennt der Geschäftsführer, weshalb die Lage auf dem Schweinemarkt so schlecht wurde: Durch Corona-Pandemie und Lockdowns sank die Nachfrage der Gastronomie nach Fleisch. Die inzwischen mit einem Fall auch in Niedersachsen angekommene Afrikanische Schweinepest (ASP) sorgt für vorschnellen Verkauf der Schlachttiere und damit sinkende Preise aufgrund von Überangebot. Zudem fiel der asiatische Markt wegen ASP komplett weg.

Dritter Grund laut Roth: Der gesellschaftliche Wandel, dass die Menschen heutzutage immer weniger Fleisch auf dem Teller haben wollen.
(Stefan Forbert)

Das gibt der Landwirt für ein Schwein aus

Die Kosten für ein Schlachtschwein liegen nach Berechnung von Uwe Roth, selbst auch Schweinehalter, bei rund 240 Euro. 60 Euro kostet das Ferkel. Mehr als die Hälfte, 125 Euro, muss für Futter ausgegeben werden. Der Preis für Soja, Weizen und Gerste habe sich mittlerweile verdoppelt. Die Wasser- und Energiekosten – gerade im Sommer laufen die Ventilatoren in den Ställen ohne Pause – schlagen mit 20 Euro zu Buche, wobei der Strom fast doppelt so teuer geworden sei.

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