Karneval in Oberrieden: Politik der Badestadt im Visier

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Losgelöst: Die Männer erzählten tanzend die Geschichte der Menschheit.

Oberrieden. Ausgerechnet im Piraten-Kostüm stürzte sich Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix in den Karneval in Oberrieden und assoziierte in diesem Look auch unbewaffnet räuberische Absichten.

Die werden ihm, mehr oder weniger, ohnehin schon seit Wochen und Monaten unterstellt, weil die Stadt die Pferdesteuer eingeführt hat, Hausbesitzer über höhere Grundsteuern bluten lässt, die Eltern von Kindergartenkindern kräftig zur Kasse bittet und auch die Hundebesitzer wegen gestiegener Abgaben aufjaulen lässt.

Egal. Hix hätte sogar im Engelskostüm erscheinen können. Dass er nicht ungeschoren davonkommen würde, muss ihm bewusst gewesen sein. Umso mutiger, dass sich der Pirat überhaupt in die Höhle des Löwen begab, um von den Narren – wenn auch augenzwinkernd – verbale Prügel zu beziehen, die der so Gescholtene jedoch keineswegs mit griesgrämiger Miene, sondern gut gelaunt sogar mit Applaus quittierte.

Futter geliefert

Ja, ja. Die Kommunalpolitik, die hatte den „Riedern“ zur rechten Zeit jede Menge Futter geliefert. Und das streuten sie zum 14. Mal in 25 Jahren am Samstagabend im prall gefüllten Saal des „stadteigenen Dorfgemeinschaftshauses“ unter den mehr als 200 Faschingsverrückten aus. Und die ließen während der vierstündigen Gaudi unter Gejohle, Trampeln und Helau-Rufen eine Rakete nach der anderen unter dem „Rettungsschirm“ aufsteigen, der unter der Hallendecke baumelte. Oh je, das Kuscheltier dürfe man so offen ja gar nicht zeigen, erschrickt sich eine Mutti, die in Oberrieden den Kinderwagen zum Einkaufen schiebt. „Sonst fällt denen noch eine Plüschpferdesteuer ein.“ Dabei könnte die Stadt ja noch viel mehr Kasse machen. Eine Umleitungssteuer, das wär’s doch! Bei dem Verkehr, der sich jedes Mal durch den Ort quält, wenn schon wieder der Schürzebergtunnel gesperrt ist, eine sichere und lukrative Einnahmequelle.

Und dann gab’s da noch den städtischen Betriebsausflug zur Hamburger Reeperbahn. Neben dem Stadtoberhaupt auch dabei: der Schwimmmeister, der jetzt „Titanic“ heißt, und der einfältige „Wertstoff-Maxe“, der nur deshalb bei der Müllabfuhr angeheuert hat, weil er glaubte, nur jeden Mittwoch arbeiten zu müssen, wenn in Oberrieden die Tonnen geleert werden.

Sündige Meile

Im Rotlichtviertel war das Geld natürlich im Nu alle. Für unseren einfallsreichen Bürgermeister kein Problem. „Nehmen wir halt die städtische Scheckkarte.“ Die sei ja wieder gedeckt nach der Einführung der Pferdesteuer. Und weil auch in Oberrieden nachts die Lichter ausgehen, stapfen die pfiffigen Dörfler jetzt mit Solar-Rucksäcken auf dem Buckel durch die Pampa. Zur eigenen Stromerzeugung. Ganz schön helle.

Das Feuerwerk der Pointen hatten die rund fünfzig Aktiven des Faschings-Clubs O eingebettet in ein rasantes musikalisches und tänzerisches Programm. Als Moderatoren einen souveränen Auftritt hatten Sabine Imke und Bernd Hildebrandt. Obendrein für Stimmung sorgten Frank Rode und Marc Seifert mit Live-Musik an einem Abend, der einfach Riesenspaß gemacht hat.

Karneval in Oberrieden

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