Josefine Kramer erhielt erste positive Reaktionen auf ihr geplantes Projekt

Verein für Opfer von sexuellem Missbrauch stößt auf positive Reaktionen

Mutiger Schritt: Josefine Kramer will einen Verein für Opfer von sexuellem Missbrauch gründen, die 44-Jährige war selbst betroffen. Foto: Ulbrich

Werra-Meissner. Die 44-jährige Josefine Kramer wurde als Kind jahrelang sexuell missbraucht. Heute will sie einen Verein für Opfer von sexuellem Missbrauch gründen, die Reaktionen darauf sind bisher positiv.

Als Josefine Kramer vor fünf Jahren während eines Klinikaufenthaltes erkannte, dass sie als Kind über zwölf Jahre sexuell missbraucht wurde, war ihre erste Reaktion: „Oh nein, nicht das auch noch!“ Hintergrund war, dass sie vorher bereits jahrzehntelang mit den Folgen des Missbrauchs gekämpft hatte - aber die Ursachen nicht kannte.

Dies sei „ganz klassisch, da die Seele derartige Erlebnisse verdrängt, damit der Mensch überleben kann und nicht komplett daran zerbricht“, sagt die 44-Jährige. Danach folgten bei ihr ebenfalls „klassische Probleme“ von Opfern in Form von Therapeutensuche und Wartezeiten ab einem Jahr aufwärts.

Auch der finanzielle Aspekt sei enorm belastend, sie etwa habe sich daher nach einigen erfolglosen Anläufen dazu entschlossen, selbst bezahlte Therapien in Anspruch zu nehmen - für etwa 10 000 Euro. Wie bei vielen Betroffenen führten die psychischen Probleme auch bei ihr dazu, dass sie nicht mehr berufstätig sein könne, sagt sie.

Auch die Unterstützung von staatlicher Seite, in ihrem Fall der Erwerbsunfähigskeitrente, „reicht nicht aus, man fällt dann durchs Raster“. Als sie den Problemen zum Trotz und über bestehende Angebote Kontakte zu anderen Opfern knüpfte, wurde ihr in Gesprächen immer wieder viel Lob und Respekt für den eigenen Umgang und ihre Stärke zuteil. So wuchs die Idee, ein zusätzliches Angebot zu schaffen. Neben offensiver und persönlicher Arbeit in der Öffentlichkeit und Präventionsaktionen (wir berichteten) geht es ihr dabei auch darum, Opfern Mut zu machen und das Gefühl zu vermitteln, nicht alleine zu sein.

Dies könne gerade bei wöchentlichen Gruppentreffen etwa geschehen, wo Betroffene das Miteinander erfahren, mental aufgebaut und einen zusätzlichen sicheren Ort geboten bekommen könnten. Kramer ist sich bewusst, dass die Umsetzung ihrer Pläne nicht einfach wird, nicht nur daher bringt sie einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Auch die Krankenkassen müssten eigentlich ein großes Interesse daran haben, zusätzliche Angebote zu unterstützen.“

Denn die Kassen würden durch geringere Fallzahlen und mehr Hilfe für Betroffene Geld sparen. Dies sei gerade in heutigen Zeiten zu beobachten, da Kramer fest davon ausgeht, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigen wird. Hintergrund seien die rasant steigenden Zahlen von Asylbewerbern: „In Krisengebieten ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen leider noch mehr ausgeprägt.“

Ein erstes positives Signal aus der Politik habe sie schon bekommen, die Landtagsabgeordnete Sigrid Erfurth (Grüne) habe sich bei einem Gespräch sehr interessiert gezeigt und wolle ihr Vorhaben weiter beobachten.

Von Nicolai Ulbrich

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