Polizeibericht 2020 weist viele positive Entwicklungen aus

Pandemie reduziert Unfälle im Werra-Meißner-Kreis

Auf einem Polizeifahrzeug warnt eine Leuchtschrift vor einem Unfall.
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Auch 2020 hatte die Polizei im Werra-Meißner-Kreis wieder viele Verkehrsunfälle aufzunehmen, wegen der Corona-Pandemie aber weniger als im Jahr zuvor.

Ein Rückgang der Unfälle um knapp mehr als elf Prozent gegenüber 2019 auf insgesamt 2147 und ein Tiefststand an Verletzten (71 Schwer- und 278 Leichtverletzte) prägt den Verkehrsbericht 2020 der Polizei im Werra-Meißner-Kreis. Diese Entwicklungen führen Leiter Rainer Neusüß von der Polizeidirektion in Eschwege und Rainer Grubbe als Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes der Direktion insbesondere auf die Pandemie zurück.

Werra-Meißner – Nachdem die Straftaten der polizeilichen Kriminalstatistik 2020 zufolge um 13,7 Prozent rückläufig waren, zeige sich „nunmehr auch beim Verkehrsunfalllagebild ein ähnliches Bild“, erklärte Neusüß zur Vorstellung des Jahresberichtes. Der Einfluss der Einschränkungen wegen Corona ab Mitte März sei bei den polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfällen „deutlich spürbar“. Die Schließung von Geschäften und Gastronomie sowie die zeitweilige Einstellung des Präsensunterrichts an Schulen hätten zu einem „doch deutlichen Rückgang der Teilnahme am Straßenverkehr“ geführt.

2019 hatte die Polizei auf den Straßen im Landkreis noch 2413 Unfälle registriert, in der Rückschau gab es erst 2010 noch zehn weniger. Allerdings werden die 2147 Unfälle vom vorigen Jahr noch 2014 um zwei unterboten.

Die Zahl der verletzten Verkehrsteilnehmer sei jedenfalls deutlich gesunken, stellte Grubbe fest, die der Schwerverletzten sogar um 12 auf 71, die der Leichtverletzten um 3 auf 278. Wie 2019 starben auch im vorigen Jahr zwei Menschen bei einem Verkehrsunfall.

Nahezu konstant ist die Beteiligung der Kinder an Unfällen geblieben. Dabei wurden Kinder in weniger Fällen (7 gegenüber 11 im Jahr 2019)) als Mitfahrer in einem Fahrzeug verletzt, aber mehr als Fahrrad- und Rollerfahrer im Straßenverkehr (8 gegenüber 3). Dieser Anstieg resultiert nach Einschätzung Grubbes daraus, dass die Kinder im vorigen Jahr mehr Fahrrad gefahren sind. „Die Unfälle ereigneten sich fast ausschließlich nachmittags und abends.“ Jugendliche waren 2020 nur an 15 Unfälle beteiligt gegenüber 27 noch im Jahr zuvor.

Die jungen Fahrer – vornehmlich von Autos – waren im vorigen Jahr deutlich seltener an einem Verkehrsunfall im Werra-Meißner-Kreis beteiligt (364) als noch 2019 (450). Die Abnahme von 19 Prozent stellt die Polizeidirektion in ihrem Bericht 2020 als „sehr erfreulich“ heraus. Weniger erfreulich sei aber, dass die Zahl der jungen Fahrer, die bei einem Unfall verletzt wurden, nahezu gleich geblieben ist.

Anders sieht der Trend bei den Verkehrsteilnehmern in der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre aus: Trotz fallender Gesamtunfallzahl waren sie häufiger beteiligt als 2019, konkret an 272 Unfällen (+ 6).

Hingegen veränderten sich die Zahlen bei den 75 und älteren Teilnehmer am Straßenverkehr nur minimal: Die Senioren waren an 225 Unfällen beteiligt (3 weniger als 2019), doch wurden dabei acht mehr verletzt als im Jahr zuvor. 17 der insgesamt 30 Verletzten waren mit einem Auto, 5 mit einem Fahrrad, 2 mit einem motorisierten Zweirad und 6 als Fußgänger unterwegs.

Bei 28 Unfällen stellten die Beamten bei der Aufnahme fest, dass mindestens ein Beteiligter unter Alkoholeinfluss stand. Damit sank die Anzahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle um 13 auf 28. 2017 waren noch 50 Fälle registriert worden. Außerdem stellte die Polizei voriges Jahr 3 Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss fest.

Auch Autofahrer, die mit Alkohol am Steuer unterwegs waren, ohne in einen Unfall verwickelt gewesen zu sein, wurden von der Polizei im vorigen Jahr wieder erwischt. Bei Verkehrskontrollen zogen die Beamten 57 alkoholisierte und 28 unter Drogeneinfluss stehende Wagenlenker aus dem fließenden Verkehr, so viele wie 2018. Für 2019 weist die Statistik sogar 76 alkoholisierte und 36 unter Drogeneinfluss stehende Autofahrer aus.

Bei einem bedeutenden Anteil der Verkehrsunfälle, bei denen die Polizei eingeschaltet wurde, flüchtete auch im vorigen Jahr ein Beteiligter, mutmaßlich hauptsächlich der Verursacher. Der Anteil sank von 23,5 auf 22,1 Prozent. Auch die Zahl der Unfallfluchten nahm ab, um 93 auf 474. Bei 19 Fällen waren Menschen verletzt worden.

In 206 Fällen (gleich 43,5 Prozent) wurde der Flüchtende ermittelt. Anders formuliert, so Polizeihauptkommissar Frank Grubbe vom Regionalen Verkehrsdienst der Polizeidirektion Werra-Meißner bei der Präsentation des Berichts, „konnte fast jede zweite Verkehrsunfallflucht geklärt werden“.

Einmal mehr waren es auch im vorigen Jahr die sogenannten Parkplatzrempler, die das Gros der Verkehrsunfallfluchten mit Sachschaden ausmachen. Obwohl dieser in den meisten Fällen nur gering war, so Grubbe, seien sind hier nach wie vor immer weniger Verursacher bereit, ihren Verpflichtungen gegenüber dem Geschädigten nachzukommen.

Als die häufigsten Ursachen für einen Unfall ermittelte die Polizei wieder das Wenden oder Rückwärtsfahren sowie ungenügenden Sicherheitsabstand.  sff

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