Fachwerkgebäude in Kleinvach

Pech bei Versteigerung: Rentner bleibt mit Gebot auf Haus sitzen

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Sehr glücklich sieht er nicht aus: Wolfgang Nieselt, der das städtische Haus in Keinvach ersteigerte, zur Freude von AG-Sprecher Stefan Heuckeroth-Hartmann (links) und Auktionator Frank Hix.

Bad Sooden-Allendorf. In Bad Sooden-Allendorf ist am Sonntag ein städtisches Haus unter den Hammer gekommen, das offenbar niemand haben will. Der Glückspilz mit umgekehrten Vorzeichen heißt Wolfgang Nieselt, ist 87 Jahre alt und denkt gar nicht daran, in das alte Fachwerkgebäude nach Kleinvach zu ziehen.

Dort nämlich steht das alte Fachwerkgebäude, das er zum Preis von 12.000 Euro ersteigert hat.

Nieselt war der einzige, der bei dieser öffentlichen Auktion auf dem Kirchplatz die Hand erhoben hatte, und war erstaunt, dass er nach Fristlablauf auf dem früheren Schulgebäude sitzen geblieben ist; überflüssigerweise auch noch zu einem Preis, der um 20 Prozent höher liegt als das vom Stadtparlament so festgelegte Mindestgebot von 10.000 Euro. „Ich wollte das Haus gar nicht haben“, versicherte der 87-Jährige durchaus glaubwürdig. Mit seinem Gebot habe er der Versteigerung nur einen Anschub geben wollen.

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Nun hat er aber das Haus, das er nach eigenen Angaben in natura noch nie geseheh hat, und grübelt darüber nach, was er mit dem Gebäude aus dem Jahr 1830 anfangen soll. Die letzten 15 Jahre hatte es leer gestanden. Die Kosten für eine Sanierung dürften den Kaufpreis um ein Vielfaches überschreiten. Dennoch trägt sich Nieselt - von Hause aus Architekt - mit dem Gedanken, das denkmalgeschützte Gebäude instand zu setzen und auf den 170 Quadratmetern zwei Wohnungen einzurichten, die vermietet oder verkauft werden könnten.

Es war nach 2012 die zweite Versteigerung unter der Regie der Arbeitsgemeinschaft (AG) Zukunft Altbau Bad Sooden-Allendorf, der Nieselt selbst als Mitglied angehört.

Bürgermeister und Jurist Frank Hix als Auktionator hatte dem Publikum eine Viertelstunde Zeit zum Bieten gegeben. Bis auf eine Hand blieben aber alle anderen unten, obwohl AG-Sprecher Stefan Heuckeroth-Hartmann „das letzte noch leer stehende Haus in Kleinvach“ als „ökologisch interessantes Objekt“ angepriesen hatte mit einer Konstruktion aus Eichenholz und Lehm und Vollholztüren mit alten Beschlägen.

Aber weder die Aussicht auf hohe Zuschüsse bei einer Sanierung des Gebäudes noch der Hinweis auf eine intakte Dorfgemeinschaft in Kleinvach konnte im weiten Rund jemanden dazu bewegen, den einzigen Bieter zu übertrumpfen. (zcc)

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