Bad Sooden-Allendorf

Debatte um Pferdesteuer schadet Betrieb in Bad Sooden-Allendorf

Zukunft ungewiss: Doris Stephan (links) weiß nicht, ob sie ihre Mitarbeiterin Elena Lehmann im kommenden Jahr noch beschäftigen kann. Zu gravierend sind die Einnahmeausfälle durch die Diskussion über die Pferdesteuer in Bad Sooden-Allendorf. Foto: Michaelis

Bad Sooden-Allendorf. Bad Sooden-Allendorf. Die Pferdesteuer ist in Bad Sooden-Allendorf noch nicht in Kraft, da meldet der erste Betrieb Alarm. Die Pferdepension in der Alten Hainsmühle steht nach Angaben von Besitzerin Doris Stephan kurz vor dem Aus.

Nachdem die ersten Gerüchte über die Einführung der Steuer aufkamen, haben sich mehrere Kunden zurückgezogen und ihre Pferde woanders untergebracht. Am Freitag entscheidet die Stadtverordnetenversammlung über die Pferdesteuer. Gegner haben für Freitag eine Demonstration angekündigt, zu der mehrere tausend Teilnehmer erwartet werden.

Pferde schreiten gemächlich über die Koppel, die sie sich mit Eseln teilen. Im Wind zappeln lautlos Schneeflocken, die einen weißen Schleier über die Alte Hainsmühle an der Straße von Bad Sooden-Allendorf nach Asbach gelegt haben.

Die adventliche Idylle trügt. Doris Stephan ist überhaupt nicht weihnachtlich zumute. Sie fürchtet um die Existenz ihres Betriebs. Seit in der Badestadt die öffentlichen Diskussionen über die Pferdesteuer begonnen haben, spürt sie die Folgen. Unmittelbar nach den ersten Berichten haben sich mehrere Kunden verabschiedet. Eigentlich hat sie Platz, um in ihrer Pension zwölf Pferde unterzubringen. Vier sind noch da.

Ob sie bleiben, wenn die Pferdesteuer erst einmal eingeführt ist, bezweifelt Doris Stephan. Schon jetzt macht ihre Pension, die in den vergangenen Jahren stets ausgelastet war, 2200 Euro Verlust pro Monat. Ihre letzte verbliebene Mitarbeiterin, Tierpflegerin Elena Lehmann, kann sie wohl nur noch bis Jahresende bezahlen. Was dann wird, weiß sie nicht. "Ich bin ratlos und mutlos", sagt sie.

Dabei hat Doris Stephan ihren Betrieb wegen der großen Nachfrage erst vor drei Jahren erweitert. 300 000 Euro hat sie unter anderem in eine neue Reithalle und Stallanlagen investiert. "Schön", sagt sie und blickt in die verwaiste Reithalle. "Schön leer."

Diskussion zur Unzeit

Schon die Diskussion über die Pferdesteuer kam zur Unzeit. Denn im Herbst suchen viele Pferdehalter nach einer Bleibe für die kalte Jahreszeit. "Mir ist das Geschäft für den ganzen Winter kaputt gegangen", sagt Doris Stephan.

In der Folge sind zwei Lehrlinge abgesprungen. Von den Eltern einer Auszubildenden sei ihr sogar noch vorgeworfen worden, dass sie die Jugendliche nicht vor der Pferdesteuer und den Folgen gewarnt hatte. Rechnet sie sich selbst und eine Praktikantin mit, die sie nun auch nicht mehr hat, geht es um fünf Arbeitsplätze in ihrem Betrieb. Ähnliche Folgen fürchtet Stephan für andere Betriebe. Genauso wie ein negatives Image für den Tourismus in Bad Sooden-Allendorf.

"Ich persönlich würde sicherlich nicht verhungern müssen, da mein Mann Arbeit hat", sagt sie. "Aber er ist Freiberufler, das bedeutet immer Russisches Roulette, je nach Konjunkturlage."

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