Pferdesteuer: Gewerbebetrieb spürt bereits Auswirkungen

Stinksauer: Kein Verständnis hat Madeline Zimmermann – hier mit ihrem dreijährigen Haflinger-Wallach „Aragon“ – für das Urteil der Kasseler Richter, die grünes Licht für die Pferdesteuer gegeben haben. Die 17-Jährige aus Kammerbach, die gerade eine Kochlehre macht, weiß noch nicht, wie die Zukunft mit ihrem vierbeinigen Liebling aussehen wird. Foto:  Cortis

Bad Sooden-Allendorf. „Wir können einpacken", kommentiert Doris Stephan, Inhaberin des Naturhauses Alte Heinsmühle in Bad Sooden-Allendorf die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs.

Die Betreiberin einer Pferdepension hatte erst 2009 eine moderne Außenanlage gebaut, nachdem die Stadtverordneten dem Bau zugestimmt hatten. „Ich finde es unglaublich, das ist ein Schlag in die Magengrube“, sagt sie.

Stephan sei zwar selbst von der Steuer befreit, das gelte aber nicht für ihre Einstaller, über die sie einen Großteil ihrer Kosten decken muss. Derzeit haben sieben Pferdehalter ihre Tiere bei ihr eingestallt. Leider deutlich zu wenig: „Wir haben noch zehn freie Plätze. Es gibt zwar Interessenten, aber die zögern alle.“ Grund: Nur 700 Meter weiter im thüringischen Asbach müssen Pferdehalter keine Steuern zahlen. „Wir dürften dann wohl der einzige Gewerbetrieb in Deutschland sein, der mit einer Sondersteuer belastet wird, die uns zum Abgang zwingt“, sagt Stephan. Sie fürchtet, künftig keine Tierpfleger mit Schwerpunkt Tierheim und Tierpension mehr ausbilden zu können. Der Tierpfleger sei ein IHK-Ausbildungsberuf mit 36-monatiger Ausbildung und IHK-Abschlussprüfung. „Die Politiker hier vor Ort sollten das Wahlversprechen - Betriebe hier vor Ort halten - mal genauer unter die Lupe nehmen.“

Auch Ökolandwirt Jürgen Bringmann aus Hilgershausen kann nur mit dem Kopf schütteln. „Uns betrifft die Abgabe zwar erstmal nicht, weil wir Fjordpferde züchten, aber die langfristigen Folgen bleiben abzuwarten.“ Seit die Diskussion um die Pferdesteuer aufgekommen ist, sei die Nachfrage gesunken: „Viele warten jetzt ab, wie sich das Urteil auch auf andere Kommunen auswirkt, bevor sie sich ein neues Tier anschaffen.“

Für das Jahr 2013 hat die Stadt 22.500 Euro im Haushalt veranschlagt. Im Jahr 2014 waren es 21.400 Euro und für das kommende Jahr geht die Stadt nur noch von 18.400 Euro aus. Insgesamt rechnet die Kommune also mit Steuereinnahmen in Höhe von 62.300 Euro für die Jahre 2013 bis 2015. Laut Satzung müssen Pferdehalter 200 Euro pro Jahr und pro Tier zahlen. (alh)

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