Pilotprojekt: Junge Südeuropäer suchen Arbeit im Werra-Meißner-Kreis

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Dolmetscher sind gefragt: Merve Bennighof (l.) aus Eschwege übersetzte für die spanischen Gäste und deutschen Unternehmer.

Witzenhausen. Auf der Suche nach Auszubildenden geht der Werra-Meißner-Kreis neue Wege. In einem hessenweit einmaligen Gemeinschaftsprojekt wird das Ziel verfolgt, Ausbildungsplätze in der Region zu besetzen, für die geeignete Bewerber fehlen. Finanziert wird das Projekt mit Geld aus dem europäischen Sozialfonds.

Er wirkt selbstbewusst und fröhlich, kontaktfreudig und interessiert. Immer wieder bemüht er sich, in seinem gebrochenem Deutsch auf Fragen der gegenüber sitzenden potenziellen Arbeitgeber zu antworten. Es ist deutlich zu spüren, dass der 26-jährige Spanier Anton Banderas seine Ausbildungschance in Deutschland nutzen will.

Weit über tausend Kilometer hat er in der Nacht zurückgelegt, um aus Spanien nach Deutschland zu reisen und gegen Nachmittag im Seminarhotel Deula zu sitzen. „Das ist sehr wichtig für mich“, sagt der in Madrid lebende Mann, der zuletzt in einem Pflegeberuf arbeitete, „ich möchte gerne Koch werden. Aber die berufliche Ausbildung in Spanien ist mit der in Deutschland nicht zu vergleichen. Deutschland ist super und ich würde gerne hier arbeiten“.

So wie Anton Banderas ging es gestern auch 38 anderen jungen Leuten aus Spanien und Portugal. Sie alle reisten mit der Hoffnung nach Witzenhausen, gute Gespräche mit Arbeitgebern zu führen und einen Vertrag für ein Praktikum ab Juni zu erhalten.

22 Vertreter regionaler Firmen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, der Nahrungsmittelbranche oder Handwerksberufen stellten sich den Gastarbeitern vor und knüpften erste Kontakte. „Das ist eine sehr gute Veranstaltung“, sagt Gabi Ifland, Mitarbeiterin aus dem Hotel Hohenhaus im Herleshäuser Ortsteil Holzhausen, „denn wir möchten drei Fachkräfte ausbilden“. Bei ihrem Sternehotel gingen fast gar keine Bewerbungen ein, weshalb sie nun diese Möglichkeit nutzen wolle, um junge Gastarbeiter einzustellen.

Auch der Eschweger Unternehmer Jochen Grüning hegt den Wunsch, einen Praktikumsplatz zu vergeben. „Ich suche einen Elektroniker“, sagt er. „Ich bin sehr neugierig und hoffe, einen geeigneten Bewerber zu finden“, sagte er vor dem Start der Kontaktgespräche. Ein Bekannter habe ihm den Hinweis gegeben, an diesem Austausch teilzunehmen, berichtet der Unternehmer. „Er erzählte mir auch, dass er schon zwei Spanier eingestellt hat und sehr gute Erfahrungen machte“, sagt Grüning.

Von Nico Beck

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