Vorwürfe gegen Ehefrau des Getöteten führten zu Familienzerwürfnis

Prozess um Grillhüttenmord im Live-Ticker: Verhandlung wurde vertagt

Kassel/Hessisch Lichtenau. Sie könnte der Schlüssel zum Verfahren sein, doch ob sie überhaupt etwas sagt, ist fraglich: Im Prozess um den Grillhüttenmord in Hessisch Lichtenau hat am Donnerstag die Ehefrau des getöteten Waldemar B. von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch gemacht. Die Verhandlung wurde am frühen Nachmittag erst einmal vertagt.

Der Prozess im Live-Ticker

+++ 15.00 Uhr +++

Eigentlich sollte das Urteil am 22. August verkündet worden, nun soll es fünf zusätzliche Verhandlungstermine geben. Der 16. Oktober wurde als neues Datum verkündet.

+++ 14.50 Uhr +++

Die neueste Information direkt aus dem Gericht: Der Prozess wurde vorerst vertagt, morgen um neun Uhr geht es weiter.

++ 14.40 Uhr +++

Die Witwe kann sich in dem Verfahren auf ein vollständiges Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Dem Antrag wurde stattgegeben, weil gegen die Frau ein separates Verfahren läuft. Würde sie sich in einem Prozess etwa über ihr Familienleben äußern, könnte dies Folgen für den anderen Prozess haben.

+++ 14.15 Uhr +++

Der Richter hat die Verhandlung unterbrochen. Es soll beraten werden, wie es weitergehen soll.

+++ 14.10 Uhr +++ 

Knuth Pfeifer beantragt ein Ordnungsgeld. Die Zeugin soll 200 Euro für jede Frage bezahlen, die sie nicht beantwortet. Der Anwalt Mutlu Günal, der einen der Angeklagten vertritt, pocht auf das Zeugnisverweigerungsrecht der Zeugin: "Sie müsste auch nicht auf die Frage Antworten, ob sie ihren Ehemann gekannt hätte.

+++ 14.00 Uhr +++

Der Vertreter der Nebenklage Knuth Pfeifer, will das Zeugnisverweigerungsrecht nicht anerkennen. Er hat der Zeugin eine Frage gestellt: "Wie war das Leben in Ihrer Familie vor dem Tod ihres Mannes." Die Zeugin antwortet nicht.

+++ 13.50 Uhr +++

Die Ehefrau des Opfers hat den Zeugenstand betreten, verweigert jedoch die Aussage, da gegen Sie derzeit ein Verfahren wegen versuchter Strafvereitelung und Falscher Verdächtigung läuft. Sie beruft sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht.

+++ 13 Uhr +++

Die Verhandlung wird bis 13.30 Uhr Unterbrochen. Ob dann die Ehefrau des Opfers aussagen wird, ist unklar.

+++ 12.55 Uhr +++

Nebenkläger Knuth Pfeifer stellt einen Beweisermittlungsantrag: Eine junge Frau soll vor Gericht aussagen. Diese soll in der Tatnacht beobachtet haben, wie der Ehemann der Schwester des Angeklagten Sergej B. eine Tasche in ein Auto geworfen hätten. Daraufhin sei der Schwager mit dem Wagen davon gefahren.

+++ 12.50 Uhr +++

Der Zeuge will von seinem Bekannten auch gehört haben, dass Alexander B. und eine Andere Person das Opfer in der Tatnacht in den Wald nahe der Grillhütte gelockt haben sollen. Sein Bekannter habe ihm zudem erzählt, bei der Polizei falsche Angaben gemacht zu haben. Er habe den Beamten erzählt, er wisse nichts von einer Waffe.

+++ 12.45 Uhr +++

Der Junge Mann erzählt, er habe sich eine Woche nach der Tat bei der Polizei gemeldet und berichtet, dass sein Bekannter Alexander B. eine Waffe verkauft habe. An den Genauen Gesprächsverlauf kann er sich jedoch nicht erinnern. Er habe Gedächtnislücken, sagt er.

+++ 12.30 Uhr +++

Ein 19-Jähriger, der alle drei Angeklagten vom Sehen kennt, wie er sagt, betritt den Zeugenstand. Er berichtet von einem Freund, der ihm erzählt habe, er hätte Alexander B. eine Axt oder eine Machete für 50 Euro verkauft. Alexander B. hat bislang bestritten, mit der Tat irgendetwas zu tun zu haben.

+++ 11.45 Uhr +++

Die Befragung der Zeugen gestaltet sich heute insgesamt schwierig, denn viele Angaben, die bei der Polizei gemacht wurden, stimmen nicht mit den heutigen Aussagen überein. Vermutlich gab es damals bei den Befragungen schon Verständigungsprobleme.

+++ 11.40 Uhr +++

Die erste Zeugin, eine 33-Jährige, will gleich noch einmal in den Zeugenstand berufen werden, weil ihr noch etwas eingefallen sei.

+++ 11.25 Uhr +++

Ein weiterer Zeuge wird befragt. Der 28-Jährige aus Hessisch Lichtenau kennt die Angeklagten nach eigenen Angaben nicht. Er habe aber am Abend vor der Tat beobachtet, wie drei Schatten heftig auf den Boxsack seines Sohnes, der im Vorgarten hängt, eingeschlagen haben. Dabei will er zwei Mal den Namen "Vanja" gehört haben.

+++ 11.25 Uhr +++

Die 29-jährige Zeugin erzählt, sie unterhalte sich regelmäßig mit den Eltern von Vladimir G. Die Tat sei dabei jedoch nie Thema gewesen. Es gehe immer nur um allgemeine Themen.

+++ 11.20 Uhr +++

Am Abend der Tat habe sie sehen können, wie Alexander B. und Vladimir G. geboxt haben, wie um sich warm zu machen, sagt die Zeugin weiter aus.

+++ 11.10 Uhr +++

Gerade wird eine weitere Zeugin gehört. Die 29-jährige Polin wohnt gegenüber von Vladimir G. im selben Haus. Sie erzählte, dass sie Alexander B. und Vladimir G. am Tag der Tat aus ihrem Küchenfenster gesehen habe. Sie hätten schwarze Handschuhe und Taschen getragen.

Zwischen 22 und 23 Uhr, so die 29-Jährige, habe sie Alexander B. und Vladimir G. außerdem gehört. Erkannt habe sie die beiden an ihren Stimmen. Es lies sich jedoch nicht nachweisen, ob dies vor oder nach der Tat war. Die Zeugin sagte zwar aus, dass es nachher gewesen sei, bei der Polizei hatte sie jedoch etwas anderen angegeben.

+++ 11 Uhr +++ 

Opfer und Angeklagte waren Trinkkumpane: Man habe die Angeklagten und das Opfer vor der Tat oft zusammen gesehen. Nach der Tat hätten die Angeklagten jedoch nicht mehr gemeinsam getrunken. Man sei offenbar getrennte Wege gegangen, beschreibt die 33-jährige Zeugin.

+++ 10.45 Uhr +++

Ihre Mutter, so die Zeugin, habe ihr erzählt, dass sie von einer Nachbarin gehört habe, diese habe die Angeklagten in der Tatnacht beobachtet, wie sie mit einem dunklen Koffer und Handschuhen in Richtung Grillhütte gegangen seien. Die Frau habe aber - wie alle in der Nachbarschaft - Angst, das vor der Polizei oder bei Gericht auszusagen.

+++10.30 Uhr+++

In der Nachbarschaft der Angeklagten und des Opfers sei nach der Tat viel geredet worden, sagt die Zeugin. Gegenüber der Polizei hätten die Menschen sich jedoch nicht offenbaren wollen - zu groß sei die Angst gewesen. Die Hauptangeklagten hätten immerhin mit Drogen zu tun gehabt. Man habe sich nicht in Gefahr bringen wollen.

+++10.20 Uhr+++

Eine 33-jährige Frau aus Hessisch Lichtenau steht im Zeugenstand. Ihre Eltern wohnen in direkter Nachbarschaft zu einem der Hauptangeklagten und dem Opfer. Sie selbst habe nichts gesehen, sagt sie, fühle sich aber berufen auszusagen. Viele in der Nachbarschaft würden aus Angst schweigen, sagt sie.

+++ 9 Uhr +++ 

Jetzt haben auch die Nebenkläger Alexander B., Vater des Opfers, und die Schwester des Getöteten, Ina W., den Gerichtssaal betreten. Die Verhandlung wird in den nächsten Minuten eröffnet.

+++ 8.57 Uhr +++

Soeben haben die Richter den Saal betreten. Auch der Vertreter der Nebenklage, Knuth Pfeifer, sowie die Staatsanwaltschaft sind eingetroffen. Im Zuschauerraum sind wieder einige Zuhörer, die den Prozess verfolgen.

+++ 8.55 Uhr +++

Vertreter andere Medien sind bislang nicht im Landgericht. Zum Prozessauftakt waren noch Mitarbeiter verschiedener Funk- und Fernsehanstalten vor Ort gewesen. Auch die Witwe des getöteten Waldemar B., die heute aussagen soll, ist bislang noch nicht im Gericht erschienen. Vermutlich wird sie erst im Laufe des Vormittags eintreffen.

+++ 8.50 Uhr +++ 

Langsam füllt sich der Flur vor der 6. Strafkammer. Die drei Angeklagten Sergej B., Alexandr B. und Vladimir G. sind im Gericht eingetroffen. Auch am heutigen Verhandlungstag ist das Interesse groß. Wieder sind Zuschauer sowie Angehörige und Bekannte der Familien vor Ort.

+++ 8.40 Uhr +++

Noch ist es ruhig vor dem Gerichtssaal. Der vorsitzende Richter Volker Mütze hat am sechsten Verhandlungstag insgesamt sieben Zeugen, zwei Sachverständige und drei Dolmetscher geladen.

Von Alia Shuhaiber

Laut Anklage soll eine Liebesaffäre, die sie mit dem mutmaßlichen Haupttäter Sergej B. hatte, die blutige Tat vom Juli 2013 ausgelöst haben. Den drei Angeklagten wird vorgeworfen, den 38-jährigen Familienvater brutal erschlagen zu haben, weil er der Liebesbeziehung im Weg gestanden habe.

Die Gattin geriet deshalb zeitweilig ebenfalls in den Fokus der Ermittler. Und noch immer läuft gegen sie ein Ermittlungsverfahren - wenn auch nur wegen falscher Verdächtigung und versuchter Strafvereitelung. Es besteht der Verdacht, dass sie die Polizei bewusst in die Irre geführt haben könnte.

Zu allem, was mit diesem Vorwurf zusammenhängt, darfsie vor Gericht schweigen: Als Zeugin muss sie sich nicht selbst belasten.

Wie weit dieses Aussageverweigerungsrecht reicht, darum dürfte allerdings heftig gerungen werden. Die Frau bringt sicherheitshalber ihre Anwältin mit.

Die ungeklärte Frage, welche Rolle die Frau bei der Tötung ihres Gatten gespielt haben könnte, hat durch die betroffenen Familien jedenfalls einen Riss gehen lassen. Das hat der Prozess bereits deutlich gemacht.

Zwischen den Angehörigen des Getöteten und der Ehefrau gibt es offenbar keinen Kontakt mehr. Die Kinder hätten ihre Großeltern väterlicherseits seit einem Jahr nicht mehr gesehen, hieß es.

Die Schwiegermutter des Getöteten erklärte das mit Vorwürfen, die sich ihre Tochter von Verwandten des Waldemar B. habe anhören müssen: Bei einer Trauerfeier 40 Tage nach dem Mord habe sich die Schwester des Toten plötzlich vor der Ehefrau aufgebaut und geschimpft: „Diese Ratte sitzt hier so ruhig, dabei weiß sie alles!“ Von einer Affäre ihrer Tochter mit Sergej B. wollte die 57-Jährige dagegen nichts wissen. Sie habe eher den Eindruck gehabt, dass die Schwester ihres Schwiegersohns dem Mann schöne Augen gemacht habe.

Die Behauptung ließ die Wellen im Gerichtssaal hochschlagen. Rechtsanwalt Knuth Pfeiffer, der die Angehörigen von Waldemar B. als Nebenklagebeistand vertritt, schäumte: „Ich halte das für eine Schweinerei.“(jft)

Ob und was die Witwe des Opfers heute aussagt, lesen sie hier. Wir berichten in einem Liveticker vom Prozess.

Rubriklistenbild: © Foto: Shuhaiber

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