Das Tier aus einem Tierpark bei Röhrenfurth taucht in Quentel wieder auf

Ungewöhnlicher Besuch: Ein Känguru im Garten

Tierparkbesitzer Dirk Rose fängt den kleinen Ausbrecher im Garten seiner Tante ein.

Quentel. Helle Aufregung in Quentel: Es ist morgens 7.30 Uhr und die halbe Nachbarschaft von Erika Fischer und Irmtraut Hildebrandt steht in Schlafanzügen im Garten. Neugierig beobachten sie, was sich hinter der Hecke abspielt.

Ein Bennett-Känguru, das am Donnerstag gemeinsam mit einem Artgenossen aus einem Tierpark in Röhrenfurth ausgebüxt ist, sitzt tiefenentspannt zwischen den Büschen und hält Siesta. Oder ist es etwa auf Familienbesuch?

Skurrilerweise tauchte das entlaufene Känguru ausgerechnet bei Erika Fischer auf, der Tante des Känguru-Besitzers Dirk Rose. Kein Wunder, dass die Kirchenvorsteherin und ihre Nachbarin Irmtraut Hildebrandt das Känguru mit Argusaugen beobachten, bis Rose aus dem zwölf Kilometer entfernten Röhrenfurth im Schwalm-Eder-Kreis kommt.

Bereits am Tag zuvor gab es in Quentel Gerüchte, dass ein Känguru von einem Auto angefahren worden sei. Diese Nachricht erweist sich glücklicherweise als Falschmeldung, denn einige Zeit später hüpfte es schon wieder auf dem Sportplatz in Quentel umher. Einige Anwohner versuchten, den Ausreißer zu fangen, was sich allerdings als aussichtslos erwies. Denn ein Känguru kann laut Rose bis zu 45 Kilometer pro Stunde rennen und bis zu vier Meter weit springen.

Dass das Känguru nun über Stunden in dem Garten ausgeharrt hat, sei aber nicht untypisch: „Kängurus sind in der Dämmerung aktiv“, erklärt Rose. Um nichts zu riskieren, ruft er die Tierärztin Dr. Anette Schrod aus Göttingen an. Sie soll das Tier mit einem Betäubungspfeil ruhigstellen. Das Einfangen mit einem Kescher ist zu gefährlich. Denn Kängurus reagieren empfindlich auf Verletzungen und neigen zu Entzündungen, die meistens tödlich enden.

Nachdem die Tierärztin eingetroffen ist, geht alles ganz schnell. Mit zwei gezielten Schüssen auf das Hinterteil werden die Betäubungspfeile platziert. Dann heißt es warten, bis die Wirkung eintritt. Das Känguru wehrt sich zunächst mit aller Kraft gegen die Schläfrigkeit. „Das ist typisch für Wildtiere“, erklärt die Tierärztin. Langsam fängt das Känguru an zu kauen. Dann zittert es ein wenig und wankt hin und her. Nach einigen Minuten ist die Betäubung doch stärker, und es kippt um.

Das ist der Moment, in dem Rose beherzt zupackt. Das Känguru versucht sich mit letzter Kraft zu wehren, aber die Narkose ist zu stark. Rose läuft mit strammen Schritten zu seinem VW-Bus, in den er das betäubte Tier legt. „Ich muss jetzt schnell los, damit die Betäubung hält, bis wir zuhause ankommen“, ruft er, noch bevor er sich auf den Weg zurück in den Tierpark macht.

von Alia Shuhaiber

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