Forscher der Uni Kassel untersuchen Einkaufsverhalten

Regional zieht stärker als Bio: Das landet im Einkaufswagen

Was wollen Verbraucher? Bio-Lebensmittel scheinen im Trend zu liegen, selbst Aldi hat sein Angebot der Eigenmarke „GutBio“ deutlich aufgestockt (Bild). Doch wie eine Studie des Fachgebiets Agrar- und Lebensmittelmarketing zeigt, kaufen Verbraucher noch lieber regionale Lebensmittel – und geben dafür mehr aus. Foto: Berg/dpa

Kassel/Witzenhausen. „Je regionaler desto besser“: Viele Menschen wollen lieber regionale als Bio-Lebensmittel - und geben dafür auch mehr Geld aus.

Das ist ein Ergebnis einer großangelegten Studie, die Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Uni Kassel, jetzt präsentierte.

Die Studie 

Stehen Lebensmittel aus der Region in Konkurrenz zu Bio-Produkten? Das wollten Hamm und sein Team genauer wissen. Sie werteten dazu 80 internationale Studien aus und fragten selbst 641 Menschen in acht Supermärkten nach ihren Einkaufsverhalten - in Stadt und Land, Nord und Süd, Ost und West. Dabei setzten sie auf eine anonymisierte Befragung und ein Kaufexperiment mit Hilfe eines Computerprogramms. Denn die Erfahrung zeigt laut Hamm, dass Probanden ganz andere Angaben zu ihrem Einkaufsverhalten, ihrer Wertschätzung für Bio-Lebensmitteln und auch zu ihrem Alter und Einkommen machen, wenn sie von einem Interviewer befragt werden.

Die Verbraucher 

Ulrich Hamm

In der Studie kristallisierten sich zwei große Gruppen heraus: Die eine hat kaum Interesse an „regional“ oder „bio“, sie kauft meist das günstigste Lebensmittel. Für die andere Gruppe gilt: „Je regionaler desto besser“. Wenn die Qualität stimmt, ist sie bereit, sogar für Regionales mehr zu zahlen als für die Bio-Produkte, die ebenfalls häufig im Einkaufswagen landen. Händler können aus der Studie lernen: Am häufigsten entscheiden sich ältere Frauen aus Norddeutschland für regional und bio, jüngere Männer aus Westdeutschland kaufen das am seltensten.

Die Fehleinschätzung 

Regional-Produkte sind fast immer teurer, werden aber oft als günstiger wahrgenommen, sagt Hamm. Gleichzeitig halten viele Konsumenten regionale Produkte für besonders hochwertig und lecker. Auch Heimatliebe, mehr Tierwohl, Frische und eine umweltfreundliche Produktion werden damit in Verbindung gebracht - obwohl das mit der Realität oft nichts zu tun hat.

Die Vorlieben 

Wenn Konsumenten die Wahl haben zwischen Produkten aus der Region, Deutschland, Ländern innerhalb und außerhalb der EU sowie aus ökologischem Anbau, greifen sie am liebsten zum Regionalen, fanden die Forscher heraus. Nur bei Steaks war auch bio gefragt - vermutlich wegen des Versprechens von mehr Tierwohl.

Die Verunsicherung 

Mehr als 200 Siegel und Logos verweisen in Deutschland auf Produkte aus der Region. Dabei ist nicht immer klar, was sich hinter „Region“ verbirgt - ein Landkreis, eine geografische Region („Rhön“), ein Bundesland? Mit der wachsenden Auswahl an Regional- und Bio-Produkten steigt auch die Verunsicherung der Konsumenten. Hamm fand heraus: Was Verbraucher wirklich wollen, ist mehr Sicherheit und Transparenz über die Herkunft ihrer Lebensmittel. Er empfiehlt daher, auch für regionale Produkte ein einheitliches Siegel mit festen Kriterien und Kontrollen einzuführen. Das Regionalfenster des Bundeslandwirtschaftsministeriums sei ein erster Schritt.

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