Sahara-Abenteuer

Allendorfer wandert durch die Wüste und filmt seine Reise

Fabian Miedaner auf einem Felsplateau in der Sahara.
+
Allein in der Wüste: Fabian Miedaner auf einem Felsplateau in der Sahara.

Zu Fuß war Fabian Miedaner aus Bad Sooden-Allendorf in der Sahara unterwegs. Über die entbehrungsreichen Wochen hat der Abenteurer einen halbstündigen Film gedreht und eine Erzählung geschrieben.

Der gebürtige Rheinländer, der seine Grenzen ausloten will, reiste im Februar mit einem Freund, Mark Sabau, nach Marokko. Gemeinsam trampten die beiden nach Mauretanien. An der Grenzstadt kletterten sie in den Waggon eines gewaltigen, drei Kilometer langen Güterzugs. Er kommt vom Hafen an der Atlantikküste, um Eisenerz aus Minen in der Wüste zu holen. Die ganze Nacht über waren die blinden Passagiere, die sich mit einem Turban und einem Tuch vor dem Gesicht gegen den Wüstensand schützten, unterwegs. Vor Erschöpfung fielen ihnen die Augen zu. Schlafen konnten sie jedoch wegen des ohrenbetäubenden Lärms des Zugs nicht.

In der Kreisstadt Atar, dem letzten größeren Ort in der Wüste, stiegen die beiden aus. Versuche, die steilen Hänge des dort beginnenden Hochplateaus zu erklimmen, scheiterten. Weil ihnen das Wasser ausging, kehrten sie zurück und trampten bis zur nächsten Oase. Miedaners Freund wurde krank und fuhr zurück nach Atar. Miedaner zog alleine weiter. Stundenlang kletterte er mit schwerem Gepäck über Felsen. Er trug alle Lebensmittel, vor allem Reis und Nudeln, mit sich.

Rast in der Oase Gleitat: Fabian Miedaner (rechts) und Mark Sabau.

Schwer zu schleppen hatte er in der brütenden Hitze jeweils an sieben Litern Wasser, seiner Tagesration. „Meine Gedanken kreisten endlos um die Frage, ob ich es bis zum Einbruch der Dunkelheit bis zu den nächsten Gueltas, naürlichen Wasserstellen, schaffe“, erzählt er. Diese Quellen mitten in der Sahara waren schon in prähistorischer Zeit bekannt. Das verraten Felsmalereien, deren Alter auf bis zu 10.000 Jahren geschätzt wird. Damals war die Sahara noch grün. Besonders schöne Zeichnungen entdeckte Miedaner am Ziel seiner Tour, am Amazmaz-Guelta unter einem gewaltigen Felsüberhang.

In der Einsamkeit der bis zum Horizont reichenden Wüstenlandschaft begann der Weltenbummler mit sich selbst zu reden. Er rezitierte vor der Kamera selbst geschriebene Gedichte. In einer Szene rappt er in den Bergen. Als Mikro dient ihm ein vertrockneter Vogelschädel, den er auf einen langen Stock gespießt hat.

Auf dem Rückweg zu seinem Freund in Atar macht er noch einen längeren Abstecher in die Sandwüste. Eindrucksvolle Aufnahmen des Films, an dessen Schnitt Miedaner zwei Monate lang gearbeitet hat, zeigen ihn inmitten gewaltiger Dünen. Während seiner Wanderung trifft der Abenteurer immer wieder Nomaden, deren Gastfreundschaft ihn überwältigt.

An einigen Orten in der Wüste stößt er auf Touristen, die mit Pick-ups und einheimischen Führern unterwegs sind. Sie wundern sich über den Abenteurer, fragen, warum er lebensgefährliche Strapazen auf sich nimmt. Miedaner lächelt. In der Wüste wird das menschliche Leben mit seinen Wahlmöglichkeiten auf das das Wesentliche, das bloße Überleben, reduziert, erklärt er. Sich dort unter Aufbietung aller Kräfte zu behaupten, erfülle ihn mit einem tiefen Glücksgefühl.

Von Michael Caspar

Info:

Film und Erzählung hat Miedaner auf seinem Blog, urge2discover.com , veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare