Diskussionsrunde im Capitol-Kino sucht Wege gegen Lebensmittelverschwendung

Reste-Tag im Supermarkt

Lebensmittelvernichtung im Blick: Volontärin Sina Beutner (von links), Containerin Tamara Gremmelspacher, Studienleiter Pfarrer Johannes Meier, Agrarökonom Bruno Inkermann, Tafel-Vorsitzende Renate Grimm, Capitol-Chef Ralf Schuhmacher und Tegut-Marketingleiter Rainer Rausch. 50 Besucher hatten im Capitol-Kino mitdiskutiert. Foto: Cortis

Witzenhausen. Samstags im Supermarkt: Der Kunde schiebt seinen Einkaufswagen durch die Tür. Doch anders als sonst steht er vor halb leeren Regalen. Weil Wochenende ist, verzichtet die Handelskette auf Nachbestellungen, um nicht montags bergeweise Ware auszusortieren, die ungenutzt dem Verfallsdatum entgegengeschlummert hat. Einen solchen Reste-Tag im Supermarkt einzuführen, war nur einer der Vorschläge bei einer Diskussion im Capitol-Kino in Witzenhausen, als es am Montagabend darum ging, Wege aufzuzeigen gegen Lebensmittelverschwendung.

In Kooperation mit unserer Zeitung, vertreten durch Volontärin Sina Beutner, trat das Evangelische Forum Eschwege unter Leitung von Pfarrer Johannes Meier erstmals mit seiner Veranstaltungsreihe „Klartext“ in der Kirschenstadt auf, um der Frage nachzugehen, was uns Lebensmittel eigentlich wert sind.

Gesprächspartner waren dabei Agrarökonom und Leiter der Ökumenischen Werkstatt Kassel Bruno Inkermann, Tegut-Marketingleiter Rainer Rausch, die Vorsitzende der Witzenhäuser Tafel, Renate Grimm, sowie Tamara Gremmelspacher. Sie hatte jüngst überregional für Schlagzeilen gesorgt, als sie wegen angeblichem „Containerns“, also der Entnahme noch genießbarer Lebensmittel aus Müllcontainern von Einkaufsläden, vor Gericht stand, aber freigesprochen wurde.

Schnell wurde klar, dass ein solcher Reste-Tag nur funktioniert, wenn alle Lebensmittelketten mitspielen, weil der Kunde sonst dahin abwandere, wo die Regale gefüllt sind. Eine andere Anregung war, sich zu überlegen, ob es sinnvoll sei, Lebensmittel für die ganze Woche einzukaufen. Zu oft würden Sonderangebote in den Tiefen von Kühltruhen landen und in Vergessenheit geraten.

„Verteilen statt vernichten.“

Motto der Tafel in Witzenhausen

Tegut-Marketingleiter Rainer Rauch stimmte zwar Tamara Gremmelspacher zu, dass Frischwaren in der Regel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) genießbar seien, gleichwohl könne man einen Zugriff darauf auch in Abfallcontainern nicht gestatten: Das volle Haftungsrisiko mit Ablauf des MHD gehe dann auf die Handelskette über.

Für die Tafel hob Renate Grimm das Motto „verteilen statt vernichten“ hervor und erklärte, ihre Kundschaft erhalte durchaus auch Bio- und höherwertige Produkte.

Gestreift wurden auch die Aspekte Ernährung und Klima, soziale Gerechtigkeit und Einfluss der Politik. Nach einem einführenden Film hatte Bruno Inkermann die gigantische weltweite Vernichtung von Lebensmitteln anhand von Zahlen belegt: So werde in Deutschland jedes achte Lebensmittel nicht verzehrt. Pro Kopf würden jährlich 80 Kilogramm Lebensmittel vernichtet. Industrielle Massenproduktion und ein gnadenloser Preiskampf der Discounter ließen den Preis für Nahrungsmittel immer weiter sinken.

Von Christoph Cortis

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