A 44: Gesteinsbrocken irritieren Anwohner

Rote Felsen in den Feldern bei Bischhausen werden zu Schlangenreservaten

Ein Reservat für Reptilien: Noch liegen die roten Felsbrocken, die vom Tunnelbau bei Küchen stammen, auf der Trasse der zukünftigen Autobahn 44. In den nächsten Wochen werden sie zu Habitaten für Schlingnattern (Foto) und Eidechsen umgewandelt. Foto: Deppe

Bischhausen. Pink besprühte Pfähle weisen in den Feldern nördlich der B 7 bei Bischhausen auf den geplanten Verlauf der Autobahn 44 hin. Dazwischen gleicht die Gemarkung mancherorts derzeit einer Felswüste. Tausende rote Gesteinsbrocken prägen das Landschaftsbild. Die Bürger sind irritiert. „Man weiß ja gar nicht genau, was das ist und wo das herkommt“, sagt der ehemalige Jagdvorstand und Anwohner Rudi Mayer.

Eine Nachfrage unserer Zeitung bei Hessen Mobil liefert die Antwort. Die Felsen stammen von den Grabungen im Tunnel Küchen. Laut Pressesprecherin Daniela Czirjak sei in Bischhausen in einer Anwohnerversammlung am 7. Oktober umfassend darüber informiert worden.

„Wir waren mal das schönste Dorf Hessens. Davon kann im Moment keine Rede sein“, sagt Rudi Mayer. 2010 hatte Bischhausen den Wettbewerb „Dolles Dorf“ des Hessischen Rundfunks gewonnen.

Schlingnatter

Veränderungen wird es innerhalb der nächsten beiden Wochen geben, wenn das Gestein auf den Feldern weiterverarbeitet wird. Dann werden die Steine gebrochen und in Habitate für Schlingnattern und Eidechsen umgewandelt. Dazu wird das Material nördlich der entstehenden Autobahn verteilt ausgelegt. „Auf diese Weise sollen kleine Reservate geschaffen werden“, sagt Cornelia Höhl, ebenfalls Pressesprecherin bei Hessen Mobil in Schotten.

Diese Reservate seien auch nötig, findet Naturschützer Wolfram Brauneis. Deswegen sei in den Planfeststellungsbeschlüssen auch festgehalten, dass die Habitate vor dem Autobahnbau angelegt werden müssen. „Nicht direkt an der Autobahn, sondern einige hundert Meter entfernt“, sagt Brauneis. Die Steine dienen den wechselwarmen Tieren dazu, sich sonnen zu können. Allein das reiche aber nicht, sagt Brauneis. Die Schlingnatter legt ihre Eier an feuchten Orten oder im Kompost ab, die Zauneidechse, neben der Bergeidechse die häufigste Eidechsenart in unserer Region, bevorzugt Sand.

„Man darf nicht davon ausgehen, dass die Reservate ständig gepflegt werden müssen“, sagt der Naturschützer. Einmal angelegt, könne man sie einfach der Natur überlassen. Frühestens in 40 Jahren seien die Steine möglicherweise zugewachsen.

Von Lasse Deppe

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