Selam aus Eritrea will weiterleben

Selam Tesfay

Hessisch Lichtenau . Selam Tesfay aus Hessisch Lichtenau kämpft um das Leben ihrer gleichnamigen Halbschwester in Eritrea (Afrika). Die medizinische Fachangestellte in der Praxis von Dr. Klaudia Ress sammelt Spenden für die 19-Jährige, die an Leukämie erkrankt ist

Ohne Chemotherapie kann sie nur noch wenige Wochen überleben. Hilfe bietet das Uni-Klinikum Göttingen an - aber die Kosten sind hoch.

Selam Tesfay

Selam war bis vor kurzem eine bildhübsche, lebenslustige Frau. Sie hatte ein Wirtschaftsstudium in Asmara begonnen, der Hauptstadt ihres afrikanischen Heimatlandes Eritrea. Sie hatte Spaß, Freunde, ein Leben. All das könnte bald zu Ende sein. Die 19-Jährige ist an ALL (Akute lymphatische Leukämie, siehe Hintergrund) erkrankt.

In Eritrea kann die Krankheit, die das Immunsystem schwächt und innerhalb weniger Wochen zum Tode führt, nicht behandelt werden. Zurzeit ist Selam in einem Krankenhaus im Sudan, wo sie ein wenig Hilfe, aber nicht die dringend notwendige Chemotherapie bekommt. Sie ist sehr schwach, kann nur noch selten aufstehen und hat stark abgenommen. „An manchen Tagen geht es ihr so schlecht, dass sie nicht einmal mit mir telefonieren kann“, berichtet ihre Schwester Selam Tesfay.

Die 30-Jährige trägt den gleichen Namen, lebt seit 15 Jahren in Hessisch Lichtenau und arbeitet als medizinische Fachangestellte in der Praxis von Dr. Klaudia Ress. Als Jugendliche war sie nach Deutschland gekommen, nachdem ihre Eltern im Bürgerkrieg umgekommen waren. Ihre Halbschwester und zwei weitere jüngere Brüder wuchsen beim Onkel auf.

Selam Tesfay weiß, wie schlecht es um das Leben ihrer Schwester steht. Sie hat die Blutwerte aus dem sudanesischen Krankenhaus ihrer Chefin Dr. Ress gezeigt und auch an die onkologische Abteilung des Uni-Klinikums Göttingen weitergeleitet. Alle sind sich einig: Bekommt Selam nicht schnell Hilfe, wird sie sterben.

Die 19-Jährige hätte aufgrund ihrer Jugend gute Heilungschancen, aber die Behandlung soll knapp 80 000 Euro kosten. Das ist für die Lichtenauer Angestellte, die drei Kinder versorgen muss, ein nicht aufzubringender Betrag - obwohl es nur die Hälfte dessen ist, was normalerweise für die Chemotherapie gezahlt werden müsste.

Bei den Verhandlungen mit der Klinik steht ihr Harald Germandi zur Seite, Vorstandsmitglied des Vereins „Elternhilfe für das krebskranke Kind“. Er hat bereits mit Prof. Dr. Christof Kramm, Leiter der Göttinger Kinderonkologie, Kontakt aufgenommen. Germandi will versuchen, den Preis für die Behandlung noch weiter zu senken. Außerdem sucht er Kontakt zu anderen Stiftungen und sagte bereits zu, dass die Elternhilfe Selams Behandlung mit 10.000 Euro unterstützen wird. Auch Fritz Kaufmann von der Matthias-Kaufmann-Stiftung engagiert sich für die 19-Jährige. Einen Betrag kann er noch nicht nennen, „aber ich werde alles versuchen“, verspricht er.

Selam Tesfay hofft zusätzlich auf Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Für Spenden steht das Konto der „Elternhilfe für das krebskranke Kind“ zur Verfügung, Spendenbescheinigungen können vom Verein ausgestellt werden.

Selam hat ihrer Schwester vom Engagement für sie in Deutschland erzählt. „Seitdem hat sie wieder ein bisschen Hoffnung.“ Aber die Hilfe muss sofort kommen, sagt Dr. Ress, die ihr Krankheitsbild kennt. „Sonst stirbt Selam und all das war nur eine schöne Idee.“ Spendenkonto: Elternhilfe für das krebskranke Kind, Volksbank Göttingen, BLZ 260 900 50, Konto-Nr. 169 770 603, Stichwort „Selam“. Kontakt zum Verein: Tel. 0551 / 37 44 94, E-Mail: info@elternhaus-goettingen.de

Die ALL (akute lymphatische Leukämie) ist eine Erkrankung, die von bösartig entarteten Vorläuferzellen der Lymphozyten ausgeht. Lymphozyten sind eine Klasse der weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen spielen. Es kommt zu einer rasch fortschreitenden Verminderung der Knochenmarkfunktion. Damit einher gehen Schwäche, Blutungsneigung und ein Immundefekt mit lebensbedrohlichen Infektionen. Mit Chemotherapie ist ALL heute bei ca. 80 Prozent aller jungen Menschen heilbar.

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