Vorstand: „Seminarhaus hielt sich an Regeln“

Nach Corona-Ausbruch in Hübenthal äußert sich auch Genossenschaft Parimal

Blick auf Hübenthal vom Hübenberg aus. Im Hintergrund geht der Blick nach Albshausen und Gertenbach.
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Dicht bebaut: Die Genossenschaft Parimal Gut Hübenthal hat das Ziel, für die Lebensgemeinschaft Wohnraum in der historischen Gutsanlage zu sichern. Unser Bild zeigt den Oberhof, dort ist auch das Seminarzentrum. Dahinter geht der Blick nach Albshausen und Gertenbach.

Gut eine Woche nachdem der Werra-Meißner-Kreis die zahlreichen Corona-Infektionen im Witzenhäuser Stadtteil Hübenthal öffentlich gemacht hat, äußert sich nun auch die Genossenschaft Parimal Gut Hübenthal.

Hübenthal - Dabei räumt Bernd Blanke vom Vorstand der Genossenschaft auf Anfrage unserer Zeitungein, dass auf dem Oberhof mehrere Gruppenevents in der Zeit der Ansteckung (Ende September und Anfang Oktober) stattgefunden hätten. Das seien aber private Veranstaltungen gewesen. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich dabei unter anderem um eine Abschiedsfeier für eine Seminarleiterin. Laut Blanke gab es auch in den Tagen danach private Kontakte zwischen den Mitgliedern der dort lebenden spirituellen Gemeinschaft und Besuchern von außerhalb. „Es ist nicht eindeutig zu klären, wer sich wann wo angesteckt hat.“

Spirituelle Gemeinschaft und Seminarbetrieb

In Hübenthal lebt eine Gemeinschaft, die lebensanschauliche spirituelle Themen und Ziele miteinander teilt, erklärt Bernd Blanke. Er ist im Vorstand der 2007 gegründeten Genossenschaft Parimal-Gut Hübenthal, die die wirtschaftlichen Aktivitäten der Gemeinschaft organisiert und den Immobilienbesitz in der historischen Gutsanlage verwaltet. Hier wohnen rund 70 Menschen in einer Lebensgemeinschaft. Die Genossenschaft ist auch Betreiberin des Seminarhausbetriebes, der bereits 1984 von Anhängern des indischen Mystikers Osho gegründet wurde. Sie hat 130 Mitglieder, die aber nicht alle am Ort wohnen. Zudem sind regelmäßig Gäste aus umliegenden Orten zu Besuch. (fst)

Mehrere Leser haben unabhängig voneinander ernste Vorwürfe an unsere Zeitung herangetragen: Abstands- und Hygieneregeln seien auf dem Oberhof nicht eingehalten worden, zudem hätte sich eine Minderheit der Gemeinschaftsmitglieder als Verschwörungsgläubige und Verharmloser entpuppt.

Ersterem widerspricht Blanke: Im Rahmen des professionellen Seminarbetriebes sei es zu keiner Corona-Infektion gekommen: „Keiner der Seminarhausgäste hat sich während der Seminare infiziert, weil es ein gelebtes Hygienekonzept gibt, welches nachweislich gut funktioniert.“ Laut Blanke hätten Seminarteilnehmer und Bewohner der Gemeinschaft wenig Berührungspunkte. So hätten etwa beide Gruppen nur zeitlich versetzt den Speiseraum genutzt. Wo Kontakte möglich seien, müssten Masken getragen und Desinfektionsregeln beachtet werden.

Im Seminarbetrieb galten Hygieneregeln

„Bereits zu Beginn, als es erste Verdachtsfälle gab, wurde seitens des Seminarhauses dafür Sorge getragen, dass das betreuende Personal symptomfrei war und alle Hygieneregeln im Betriebsbereich des Seminarhauses strikt eingehalten wurden“, so Blanke. Als die ersten positiven Corona-Tests bekannt geworden seien, habe man den Seminarbetrieb lange vor der Aufforderung des Gesundheitsamtes geschlossen, interne Treffen und Meditationen abgesagt.

In Bezug auf den Hinweis, es gebe im Ort Corona-Leugner, räumt Blanke ein, dass in Hübenthaler E-Mail-Verteilern entsprechende Theorien weitergereicht worden seien, teils auch von Menschen, die nicht im Ort leben, sich aber der Gemeinschaft verbunden fühlen. Das habe der Vorstand der Genossenschaft aber unterbunden und die betreffenden Personen gesperrt. „Es gibt auch in der Gemeinschaft, wie in der gesamten Bevölkerung, sehr individuelle Meinungen zu Corona“, sagt Blanke. „Wir unterscheiden uns nicht vom deutschen Bevölkerungsschnitt und unterstützen die Meinungsfreiheit.“ Das gelte auch für private Meinungsäußerungen und Verhaltensweisen der zehn Mitarbeiter der Genossenschaft.

Überwiegende Mehrheit der Menschen hält sich in Hübenthal an Coronaregeln

Die überwiegende Mehrzahl der Menschen in Hübenthal halte sich an die Coronaregeln – das bestätigen auch viele Leser. „Falls Regeln vereinzelt nicht eingehalten werden, so entspricht das nicht dem Geist der Gemeinschaft, die natürlich bestrebt ist, die Quarantänezeit so kooperativ und zügig wie möglich zu beenden“, betont auch Blanke. Die Schließung von Seminarbetrieb und Bistro bis 4. November sorge für eine wirtschaftlich schwierige Lage. Man werde sich dafür einsetzen, dass diese nach Ende der Quarantäne für die Menschen (bis 21. Oktober) wieder aufgehoben werde.

Da in den historischen Gebäuden der Handyempfang sehr schlecht sei, habe man zudem einen Ansprechpartner ernannt, der dem Gesundheitsamt bei der Kontaktaufnahme zu den Menschen in Quarantäne hilft. Hier hatte die Behörde mehrfach von Problemen berichtet. (Friederike Steensen)

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