Ein Tag mit dem Sinfonie Orchester Tempelhof

Bad Sooden-Allendorf. Überall im Kultur- und Kongresszentrum stimmen Musiker ihre Instrumente. Sie sitzen auf Stühlen oder auf der Erde, stehen auf der Bühne oder haben sich an ein ruhiges Plätzchen zurückgezogen.

Das Sinfonie Orchester Tempelhof aus Berlin war schon oft in Bad Sooden-Allendorf zu Gast und genießt den Auftritt in der schönen Stadt jedes Mal sehr.

Bereits am Freitag waren die Musiker angereist und fuhren Samstagfrüh im Doppeldeckerbus zum Kultur- und Kongresszentrum, um dort die Generalprobe für den Auftritt am Abend abzuhalten. „Wir benötigen einen großen Bus, weil wir viel Platz für unsere Instrumente brauchen“, erklärt Reiseleiter und Cellist Ulrich Guse. Nicht alle Instrumente passen ins Gepäckfach, außerdem reisen besonders wertvolle im Fahrgastraum mit.

Nachdem die Stühle auf der Bühne so arrangiert sind,dass alle am rechten Platz sitzen, bittet Dirigent Mathis Richter-Reichhelm zur Probe. Auffällig ist die entspannte Atmosphäre. Trotz hoher Temperaturen freuen sich die Musiker auf die Probe, alle haben professionell die Instrumente parat und die Noten sortiert und geordnet. Kurz darauf ist der Raum erfüllt von Franz Schuberts Ballettmusik Nummer II.

„Die Oboe gibt mit dem Kammerton a den Ton an“, erklärt Ulrich Guse. „Alle anderen Instrumente, darunter Kontrabass, Trompete, Horn, Geige, Fagott, Flöte und Pauke, werden nach der Oboe gestimmt.“ Die Ballettmusik Nummer II soll die Zugabe werden, wenn das Publikum danach verlangt. Bis jetzt war das immer so. Denn dass es sich beim Sinfonie Orchester Tempelhof um ein Laienorchester handelt, ist bei den schwierigen Arrangements kaum zu glauben. Das Geheimnis des Erfolges, verrät Ulrich Guse, heißt „üben, üben, üben“.

Alle Musiker sind mit ganzem Herzen dabei. „Für uns ist das Konzert das Ziel, die Zuschauer können das Engagement jedes einzelnen Orchestermitglieds erkennen und wissen es zu schätzen“, so Dirigent Mathis Richter-Reichhelm. Für ihn ist außerdem wichtig, dass alle gleichberechtigt sind. „Jeder muss sich konzentrieren und trägt im Orchester Verantwortung für das Gelingen des Konzerts.“

Nach etwas über einer Stunde schweißtreibenden Spiels gibt es eine Pause. Die Musiker gehen sich abkühlen, trinken etwas und stimmen noch einmal ihre Instrumente. Einige Orchestermitglieder sind bereits in Rente, alle anderen berufstätig oder im Studium. Für ihre Konzerte müssen sie sich Urlaub nehmen und auch für die Reisekosten selbst aufkommen. Gemeinsam geprobt wird einmal in der Woche, jeder für sich übt fast täglich. „Wir benötigen etwa sechs Monate, um uns auf ein Konzert vorzubereiten“, so Mathis Richter-Reichhelm. Für das Konzert in der Badestadt hat sich das Orchester Unterstützung mitgebracht. Die gebürtige Französin Marjolaine Locher ist als Solistin mit ihrer Violine mit dabei.

Am Abend freut sich das Publikum über fast zwei Stunden mit Werken der Klassik und Romantik von Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven und verlangt auch nach der geprobten Zugabe. (zwh)

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