Interesse am „ältesten Lichtenauer“ entstand erst vor acht Jahren

Skelett im Garten

Das Grab kurz nach dem Fund: Der Schädel war bei den Schachtarbeiten beschädigt worden. Repro: zgg

Hessisch Lichtenau. Eigentlich hatte Uwe Bachmann im Juni 1983 nur seinem Vater beim Bau eines Gartenhäuschens helfen wollen. Doch bei den Schachtarbeiten stieß er in etwa 70 Zentimeter Tiefe, auf ein menschliches Skelett.

Der Rumpf des Skeletts lag im Nordosten, die Füße im Südwesten. Die Arme waren über der Brust verschränkt. Zwischen den Oberschenkeln lag der Kopf des Skeletts, den Uwe Bachmann und sein Vater bei den Arbeiten leicht beschädigt hatten.

Fachmännisch wurde das Lichtenauer Skelett freigelegt und untersucht. Irgendwann zwischen 1256 und 1388 muss der große und kräftige Lichtenauer zum Tode verurteilt worden sein, nahmen die Experten nach einer Radiokarbon-Untersuchung an. Ein Henker köpfte den knienden Lichtenauer mit seinem Richterschwert. Genau zwischen zwei Nackenwirbel muss das Schwert den Mann getroffen und geköpft haben.

Großes Aufsehen erregte der ungewöhnliche Fund im Werra-Meißner-Kreis allerdings nicht. Zwar berichteten die Medien über den Fund auf dem Grundstück im Vortridener Weg, doch versiegte das Interesse rasch. Dies änderte sich erst 22 Jahre später. In einem Bericht über Richtstättenarchäologie zeigte Spiegel Online das Bild des Grabes in Hessisch Lichtenau. Das dadurch hervorgerufene Interesse der Medien - „sogar das Fernsehen hatte angerufen“, so Uwe Bachmann - kühlte aber erneut ab, als klar wurde, dass seit dem Fund über 20 Jahre vergangen waren.

Um so größeres Interesse zeigte das Neandertal-Museum in Mettmann. „Galgen, Rad und Scheiterhaufen“, so ist die Sonderausstellung überschrieben, die dort 2010 vorgestellt wurde. Das Skelett, das im Eigentum von Uwe Bachmann ist, wurde dort als bemerkenswerter Fund ausgestellt. Es gilt als ein früher Nachweis für die spätmittelalterliche Rechtsprechung.

Keine Bestattung

Warum der Geköpfte im späteren Garten von Uwe Bachmanns Eltern „verlocht“ wurde, eine ordentliche Bestattung war es nicht, ist unklar. Auch auf die Fragen, ob er an der Fundstelle zu Tode kam und welches Verbrechens er schuldig war, wissen Experten bislang keine Antworten. Auf jeden Fall geht der „älteste Lichtenauer“ jetzt wieder auf Reisen. Vom 4. Mai bis 15. September wird die Ausstellung, die das Thema Richtstätten aus archäologischen, anthropologischen, historischen und volkskundlichen Blickwinkeln darstellt, im Mindener Museum für Geschichte, Landes- und Volkskunde zu sehen sein. In letzter Zeit konnte der Kopflose bereits jede Menge Reiseerfahrungen sammeln: In Kevelaer, Erfurt und im Museum für Sepulkralkultur in Kassel wurde er schon ausgestellt.

Seine ursprüngliche Grabstätte an der Gartenhütte hat Uwe Bachmann übrigens mit Sandsteinen von denen einer ein Kreuz trägt deutlich markiert. (zgg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare