1. Werra-Rundschau
  2. Lokales
  3. Kreisteil Witzenhausen

Solidarische Landwirtschaft: Gemüseinsel aus Dietzenrode sucht Helfer

Erstellt:

Von: Michael Caspar

Kommentare

Die Landwirte Tim Engler und Leon Schleep in einem Gewächshaus
Wollen ihr Wissen im Gemüsebau teilen: Die Landwirte Tim Engler und Leon Schleep (v. l.). © Michael Caspar

Dietzenrode – Monatliche Arbeitseinsätze bietet die Solawi Gemüseinsel im Eichsfeld in Dietzenrode in der Nähe von Bad Sooden-Allendorf an. Teilnehmende – in erster Linie Studierende aus Witzenhausen – bekommen im Gegenzug frisches Gemüse und Fortbildungen.

„So ein Work’n’Learn-Angebot haben wir während des Studiums vermisst“, meint Leon Schleep. Er hat die Solidarische Landwirtschaft gemeinsam mit Tim Engler im Dezember 2020 gegründet. „An der Universität in Witzenhausen, wo wir unseren Bachelor in ökologischem Landbau gemacht haben, gibt es nur ein Gemüsebau-Modul“, ergänzt Engler.

Die vermittelten Kenntnisse lassen zudem in der Praxis viele Fragen offen. Die beiden Landwirte vertieften daher nach dem Studium ihr Wissen ein Jahr lang in einer Solawi. Sie arbeiteten zudem im Eigenstudium Bücher durch und recherchierten im Internet.

Auch wie man einen Betrieb ohne Eigenkapital gründet, hatten sie nicht an der Hochschule gelernt. Die beiden probierten es mit einer Crowdfunding-Kampagne im Internet. „Das verlangt viel Planung“, erinnert sich Schleep.

Während der Kampagne waren die eigenen Social-Media-Kanäle mit Inhalten zu versorgen. Im Anschluss galt es alles nachzuarbeiten. Sie hatten Erfolg. Innerhalb von drei Monaten sammelten sie 50.000 Euro ein. „Im Studium habe ich zum Beispiel auch nicht erfahren, dass landwirtschaftliche Kleinstbetriebe von vielen Auflagen befreit sind“, führt Engler aus. Die Gemüseinsel, die netto 5000 Quadratmeter Beetfläche bewirtschaftet, fällt unter diese Regelung.

„Im Gemüseanbau spielt die Fruchtfolge eine wichtige Rolle, mit der sich der Boden schonen und der Einsatz an Pflanzenschutzmittel verringern lässt“, führt Engler aus. Im herkömmlichen Ackerbau wechseln sich Weizen, Raps und Zuckerrübe ab. Im Gemüseanbau wachsen dagegen innerhalb eines Jahres auf einer Fläche bereits vier verschiedene Gemüsearten. Engler und Schleep bauen insgesamt 50 verschiedene Kulturen an, darunter neben Gemüse auch Kräuter wie Salbei.

Kampf gegen die Schnecken

Im vergangenen Jahr standen sie vor der Frage, wie sie der vielen Schnecken Herr werden. Sie probierten es mit Bio-Schneckenkorn, aber auch mit dem Einsammeln der Tiere und dem Aufstellen von Bierfallen. Ein Patentrezept gibt es nicht, wurde ihnen klar.

„In diesem Jahr werden wir auf den warmen und feuchten Flächen, wo es viele Schnecken gibt, keine anfälligen Kulturen wie etwa Salat, anbauen“, kündigt Engler an.

Ihr Wissen teilen die beiden Gemüsebauern, die für 100 feste Kunden produzieren, in der Zeit von März bis Dezember an die bis zu zehn Teilnehmenden des Work’n’Learn-Programms. Alle zwei Wochen ist ein Workshop geplant.

Bei den Themen und der Terminplanung sind Engler und Schleep flexibel. Die Teilnehmenden arbeiten jeweils vier Tage im Monat im Betrieb mit. (Michael Caspar)

Kontakt: gemüseinsel@posteo oder telefonisch unter 0172/3789465.

Auch interessant

Kommentare