Tschernobyl-Kinder holen sich in Bad Sooden-Allendorf Streicheleinheiten für Körper und Seele

Den Sorgen einmal entfliehen

Abtauchen ins nasse Vergnügen: Die „Tschernobyl-Kinder“ aus Weißrussland in der Werratal-Therme. Im Hintergrund die Betreuerinnen vor Ort: Katrin Nöding (von links), Monika Krengel und Heike Osterheld mit Bürgermeister Frank Hix. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Sie gehören zu den bedauernswerten Spät-Opfern der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die liegt jetzt auch schon über 27 Jahre zurück. Aber immer noch leiden vor allem auch Kinder unter den Folgen des radioaktiven Niederschlags, nachdem am 26. April 1986 Block 4 des Kernkraftwerkes nahe der ukrainischen Stadt Prypiat explodiert war. 25 der betroffenen Kinder, die alle aus Weißrussland stammen, halten sich gegenwärtig in unserer Region auf, um zumindest in diesen drei Wochen den Sorgen und der Tristesse im eigenen Land zu entfliehen.

Da stand für die Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis 15 Jahren auch ein Besuch in der Werratal-Therme in Bad Sooden-Allendorf auf dem Programm. Seit ihrem Bestehen lädt die Therme Jahr für Jahr die jungen Leute zu einem mehrstündigen Besuch ein. Immer drei Jahre hintereinander kommen die Kinder hierher, um ihr geschwächtes Immunsystem zu stärken.

Lebensgeister geweckt

Glücklicherweise ist keines der Kinder an Leukämie oder dem sprunghaft angestiegenen Schilddrüsenkrebs erkrankt. Allerdings lassen bei allen die Blutwerte zu wünschen übrig. Der Sprung ins wohlig warme Solewasser der Therme weckt bei den Kindern spürbar die Lebensgeister. Und kräftig durchatmen lässt sich bei einem Rundgang um das Gradierwerk, das mit seiner salzhaltigen Luft eine Art frische Meeresbrise versprüht.

Nach dem Thermenbesuch spendierte das Bistro Salina den Kindern ein Erfrischungsgetränk. Gratis gab’s auch eine Portion Eis vom Eiscafé Paolo. Damit nicht genug. Seit 15 Jahren ist auch der örtliche Rassegeflügelverein mit im Boot. Monika, Ehefrau des Vorsitzenden Helmuth Krengel, entführt die Kinder seitdem regelmäßig in den herrlich unterhalb von Schloss Rothestein gelegenen Geflügelgarten, wo die Jungen und Mädchen nicht nur die bunten Hühner, Enten und Gänse, sondern auch den stolzen Pfau bestaunen können, wenn er wieder mal sein Rad schlägt.

Zum Abschluss verköstigten die Geflügelzüchter ihre jungen Gäste mit Knusprigem vom Grill, machten ihnen mit einem Trinkbecher auch noch ein kleines Abschiedsgeschenk. Über soviel selbstloses Engagement zeigte sich Bürgermeister Frank Hix hoch erfreut. „Eine sehr schöne Geste“ lobte Hix den Verein. Für die Werratal-Therme, fügte er als Geschäftsführer hinzu, sei es eine Selbstverständlichkeit einzuspringen, wenn man damit einen Beitrag leisten könne zur Förderung der Gesundheit der Kinder. Ende dieser Woche heißt es wieder Abschied nehmen.

Dann reist die Gruppe aus Weißrussland, zu der auch fünf erwachsene Betreuerinnen und Betreuer gehören, per Bus zurück in die 1700 Kilometer entfernte Heimat. 27 strapaziöse Stunden dauert diese Fahrt. (zcc)

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