Spender zahlen Bußgeld für Walburger Ortsvorsteher und Ehrenamtlichen

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Gekennzeichnet: Eine Holztafel weißt Unwissende nun auf die seltene Kalktuffquelle hin

Walburg. Bei der Spendenaktion für Walburgs Ortsvorsteher Lothar Franke und den Rentner Heinz Pressler sind 5000 Euro zusammengekommen. Mit diesem Betrag können die Geldbuße, die das Landgericht Kassel verhängt hatte, sowie die Anwaltskosten des Rentners vollständig beglichen werden.

Das Gericht hatte gegen den Ortsvorsteher ein Bußgeld von 3000 Euro und gegen den Rentner von 600 Euro verhängt. Franke und Pressler hatten im Frühjahr 2010 versehentlich eine unter Naturschutz stehende Kalktuffquelle bei Walburg stark beschädigt.

Vor dem Amtsgericht Eschwege waren die Männer bereits im Juni 2011 wegen fahrlässiger Gewässer-Verunreinigung verurteilt worden. Das Gericht begründete dieses Urteil damit, dass das Ausbaggern den Bachlauf, eine äußerst seltene Kalktuffquelle, zu 75 Prozent zerstört habe. Bei der zu erwartenden Sorgfalt hätten die Angeklagten das erkennen müssen, befand der Richter. Franke und Pressler wollten sich mit diesem Urteil nicht abfinden und gingen in Berufung. In der zweiten Instanz einigten sie sich auf einen Vergleich und eine Geldbuße.

"Wir wollen uns bei den Initiatoren der Spendenaktion, beim ehemaligen Ortsvorsteher Hartmut Gundlach, Bürgermeister Jürgen Herwig und den Ortsvorstehern für ihre Unterstützung bedanken", sagt Lothar Franke. Es sei schön, dass das Ehrenamt von den meisten Walburgern höher eingeschätzt werde, als von den Gerichten.

Viele Bürger könnten die Höhe der verhängten Bußgelder laut Franke nicht nachvollziehen. Denn kaum jemand im Ort habe von der Existenz des seltenen Biotops gewusst. Franke und Pressler hätten lediglich Nachbarschaftshilfe leisten wollen. Bei heftigem Regen seien Garage und Carport eines Anwohners mit Wasser vollgelaufen. Dieser habe sich daraufhin an den Ortsvorsteher gewandt, der den Rentner daraufhin beauftragt hatte, den Bachlauf auszubaggern, um den Wasserfluss zu regulieren.

Kritik an der Spendenaktion habe es in seiner Gegenwart nicht gegeben, sagt Franke. Lediglich in diversen Online-Kommentaren auf HNA.de sei darüber diskutiert worden, ob Unwissenheit vor Strafe schützen dürfe. Franke gab allerdings zu, dass er wohl nur mit einem blauen Auge davon gekommen sei, weil er als Walburgs Ortsvorsteher über die Stadt Hessisch Lichtenau rechtsschutzversichert ist. Für den Rentner Heinz Pressler sei die Situation gravierender gewesen. Er wäre auf der finanziellen Belastung sitzen geblieben. Nur deshalb habe Franke dem Vergleich zugestimmt.

Von Alia Shuhaiber

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