Musikwissenschaftler forscht im Stadtarchiv

Berühmt in Japan und Korea: Auf den Spuren von Komponist Franz Eckert

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Auf Spuren von Franz Eckert: Alle Hinweise auf den Dirigenten der Soodener Badekapelle im Jahre 1900, die Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg (links) gefunden hat, fotografierte der in Tokio lehrende Professor Dr. Hermann Gottschewski ab. Er war mit seiner Ehefrau Machiko Gottschewski (Mitte) für seine Forschungen und Gestaltung einer Ausstellung extra ins Stadtarchiv Bad Sooden-Allendorf gekommen.

Bad Sooden-Allendorf. Extra ausTokio war Prof. Dr. Hermann Gottschewski gekommen, um im Stadtarchiv nach der Musikpersönlichkeit zu forschen, die einst die Badestadt aufsuchte.

Der Musikwissenschaftler und Japanologe, der seit 2004 an der Universität der Hauptstadt Japans lehrt, forscht über den Kapellmeister und Komponisten Franz Eckert (1852-1916), der in Japan und Korea zu großem Ruhm gelangt ist.

Jener Franz Eckert, der aus Niederschlesien im heutigen Polen nahe Breslau stammt, brachte ab 1880 die in Japan bis dato nahezu unbekannte westliche Musik nach Fernost. Er lehrte deutsche Militärmusik und war unter anderem Kapellmeister am kaiserlichen Hof in Tokio, später dann folgte er einem Ruf ins Kaiserreich Korea und trat ebenfalls als Kapellmeister bei Hofe auf.

Und wie passt Bad Sooden-Allendorf dazwischen? 1899 quittierte er und reiste aus gesundheitlichen Gründen zurück nach Deutschland. Nach einer Kur in Schlesien suchte er ein neues Engagement. Er fand es im damals aufstrebenden Heilbad Sooden an der Werra. Am 8. Dezember 1899 stimmten die Gemeindevertreter zur „Neubesetzung der Badekapellmeisterstelle“ für den „Musikdirigenten Eckert aus Schlaubitz bei Reichenbach in Schlesien“.

Eckert dirigierte, wie aus den regelmäßigen Hinweisen im damaligen „Bade-Anzeiger“ hervorgeht, die gesamte Kursaison lang. Im Februar 1901 winkte dann Korea. Wo Eckert in seiner Soodener Zeit Quartier hatte, welche Stücke er für die Badegäste dirigierte, wie es den Zuhörern gefiel, für all diese Fragen fand Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg bislang keine Hinweise. Aber mit einem Protokoll der Gemeindeverordneten und mit einem Eintrag über das Salär Eckerts von Mitte Mai bis Mitte Juni (61,95 Reichsmark) im Rechnungsbuch der Badeverwaltung hatte sie schon gute Arbeit für Forscher Gottschewski geleistet.

„Ganz toll, dass es Nachweise von Eckert gibt“, schwärmte der Professor. Er blätterte akribisch durch die „Bade-Anzeiger“ und fotografierte alle Dokumente ab. Während Gottschewski ein Buch über Eckert erst später schreiben will, dürfte einiges vom jetzt Gefundenen bald schon im Museum der Universität Tokio zu sehen sein. Zum 100. Todestag Eckerts gibt es dort von März bis Juni eine Ausstellung über den dort berühmten Mann, der für den Professor ein Phänomen ist, da er trotz wenig geeigneter Voraussetzungen zu einem herausragenden Musiklehrer wurde.

Gottschewskis Ausstellung und damit auch Dokumente aus Sooden könnte sich womöglich der derzeitige Kaiser Japans persönlich anschauen. Denn der Trauermarsch, der traditionell zum Tod eines jeden Tenno gespielt wird, wurde von keinem anderen als Franz Eckert komponiert.

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