Dreijähriges Forschungsprojekt: Mikroorganismen sollen Zucker in Getreide freisetzen

Wie aus Stroh Alkohol entsteht

Ein Mini-Gradierwerk zu Forschungszwecken: Bürgermeister Frank Hix (von links), Gradierwerk-Erbauer Thomas Henze, Architekt und Gradierwerk-Experte Norbert Brill, Projektbetreuer Stefan Hinze, Laborantin Petra Krack, Diplom-Chemiker Dr. Bernd-Peter Ernst und Bauamtsleiter Helmut Franke. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Hochdrucksäurehydrolyse heißt der zungenbrecherische Begriff und beschreibt ein technisch aufwändiges und vor allem sehr teures Verfahren, um in Getreide Zucker als Grundelement zur Herstellung von Alkohol freizusetzen. Diese technische Umsetzung als erster Schritt zur Gewinnung von Äthanol soll durch ein biologisches Verfahren ersetzt werden:

Dazu wird in den nächsten Tagen in Bad Sooden-Allendorf ein dreijähriges Forschungsprojekt beginnen, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird.

Der aus Eschwege stammende und bei der Göttinger Firma „Seqlab“ (Sequence Laboratories) beschäftigte Diplom-Chemiker Dr. Bernd-Peter Ernst und seine Laborantin Petra Krack stellten am Mittwoch im Kurpark von Bad Sooden-Allendorf das Projekt vor, dessen Träger die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit Sitz in Gülzow (Mecklenburg-Vorpommern) ist.

Direkt neben dem Bohrturm, der aus den Quellen die Sole zur Berieselung des benachbarten Gradierwerkes fördert, ist mit einem Kostenaufwand von 19 000 Euro ein Mini-Gradierwerk sozusagen als Herzstück des Forschungsprojektes entstanden. Es wird mit gepressten Ballen aus unbehandeltem Stroh gefüllt, über das neunprozentige Sole gerieselt wird. Das Forschungsteam sucht auf diese Weise gezielt nach endemischen, also lokal begrenzten Mikroorganismen, Pilzen oder Bakterien, die in der Sole optimal wachsen oder im Umkehrschluss ohne das salzhaltige Lebenselixier „tot umfallen“, wie es Dr. Ernst ausdrückt. Über diese Mikroorganismen, die das Stroh zersetzen, wollen die Forscher an den Zucker herankommen.

Und davon enthält das Stroh eine ganze Menge. So befinden sich nach Angaben von Dr. Ernst in tausend Kilogramm Stroh 320 Kilogramm Glukose, also reiner Zucker, sowie 200 Kilogramm Pentosen, sprich: andere Zuckerarten. Daraus ließen sich in weiteren Verfahren 260 Liter reiner Alkohol gewinnen.

Ergebnis noch offen

Da es sich um eine Grundlagenforschung handele, wisse er noch nicht, „was hinten rauskommt“, so Ernst. Für ihr Wachstum benötigten die Mikroorganismen zwei bis vier Wochen. Mit ersten Ergebnissen aus dem Labor sei im Herbst zu rechnen. Bürgermeister Frank Hix begrüßte das Projekt und sieht Bad Sooden-Allendorf jetzt auch als „Forschungsstandort“ aufgewertet.

Von Chris Cortis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare