Tiere sollen zurück in den Stall: Bernd Iben will Debatte über Lebensmittel

Will eine Diskussion für die Herkunft von Lebensmitteln starten: Dr. Dr. Bernd Iben aus Witzenhausen mit seinem neuen Buch „Aus anderer Sicht: Lebensmittelskandale und Massentierhaltung“. Mit gelben Zetteln hat er bereits die Stellen markiert, die er am Freitag öffentlich lesen wird. Foto: Steensen

Witzenhausen. Moderne Kühe gehören für ihn in den Stall, Schweine nicht auf Stroh und Kinder in den Schulgarten - Dr. Dr. Bernd Iben aus Witzenhausen provoziert gerne.

Der 66-Jährige mit jeweils einem Doktortitel in Veterinärmedizin und Agrarwissenschaften hat nach einigen Fachbüchern nun ein neues Buch geschrieben, das Verbraucher dazu animieren soll, sich mehr Gedanken um die Produktionsbedingungen ihrer Lebensmittel zu machen.

In „Aus anderer Sicht: Lebensmittelskandale und Massentierhaltung“ stellt Iben Thesen vor, die vielen Tierschützern und Öko-Landwirten vermutlich steil vorkommen. Etwa die, dass man Kühe nicht auf der Weide halten sollte, sondern in einem Stall mit Auslauf. Empfindliche Kuhmägen würden mit dem ständigen Wechsel des Nährstoffgehalts im aufwachsenden Grad nur schwer zurechtkommen. Dass die Vorfahren heutiger Kühe ja auch im Freien lebten, ist für Iben kein Argument. „Wollen Sie 10 000 Jahre Domestizierung zurückdrehen?“ Heutige Kuh-Arten seien nicht mehr für die Weidehaltung geboren. In der Schweinehaltung ist ein Spaltenboden laut Iben besser als Stroheinstreu, weil die Tiere dort oft in ihrem eigenen Urin stehen und durch Pilzgifte im Stroh erkranken können.

Ein großes Problem sieht Iben in der Entfremdung vieler Verbraucher vom Leben mit den Tieren. Noch vor 40 Jahren hätten viele Menschen hinterm Haus ein Schwein gemästet und später geschlachtet. Heute komme Fleisch und Wurst nur noch aus dem Supermarkt. Das Wissen der Kinder über Tierhaltung auf dem Bauernhof stamme von Lehrern und Medien, die beide von Landwirtschaft keine Ahnung hätten, sagt Iben und empfiehlt den Besuch von Schulbauernhöfen.

Zurück zu Schwein und Ziege hinterm Haus will der Tierarzt indes nicht. Moderne, auf Höchstleistung (Milch und Fleisch) gezüchtete Nutzttiere gehörten in die Hände von Profis, sagt Iben. Er ist überzeugt, dass es Tieren in Großbetrieben oft besser gehe als „Liebhabertieren“ bei Privatleuten, die durch eine nicht artgerechte Haltung oft Verhaltensauffälligkeiten entwickelten. Anlass für sein Buch sei die große Kritik an Nutztierhaltern, die oft pauschal geäußert werde, sagt Iben. „Niemand hält Tiere, um sie zu quälen.“ Viele Landwirte würden aber von ihren Tieren leben und wirtschaftlichen Zwängen unterliegen. Wenn niemand angemessene Preise für Fleisch zahlen wolle, gebe es eben auch Einzelfälle, in denen Tierhalter versuchen, an Haltungsbedingungen für Tiere zu sparen.

Auch wenn er solches Verhalten bei Tierschützern ankreidet, in seinem Buch fällt Iben selbst pauschale Urteile über „die Verbraucher“. Sachbuch oder polemische Schrift? Die Frage entlockt dem SPD-Stadtverordneten nur ein Schmunzeln. „Es ist ein provokantes Buch.“ (fst)

Service

Am Freitag, 22. Mai, stellt Dr. Dr. Bernd Iben sein Buch „Aus anderer Sicht: Lebensmittelskandale und Massentierhaltung“ im Haus St. Hildegard an der Walburger Straße 47 in Witzenhausen vor. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Das Buch ist Ibens eigenem Verlag für Agrarwissenschaft und Veterinärmedizin erschienen. Es ist ab Pfingsten im Buchhandel oder direkt bei Iben (E-Mail an bernd.iben@akgonline.de) für 24,90 Euro gekauft werden. ISBN: 978-3-00-049499-4

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