Archäologische Entdeckungen verändern Geschichtsschreibung über Großalmerode

Töpfer arbeiteten am Faulbach

An der Fundstelle: Hier im Faulbach entdeckte die Trubenhäuserin Kornelia Stenzel, hier mit dem Wirtschaftsarchäologie-Kollegen Thomas Blumenstein, die Hinweise auf eine über 800 Jahre alte Töpferei. Foto: K. Sippel / nh

Großalmerode. War der einstige Ort Niederalmerode der bedeutendere Siedlungsplatz gegenüber Großalmerode im oberen Gelstertal? Und bestand der Ort Großalmerode um 1200 überhaupt schon? Diese Fragen wirft Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel aus Marburg jetzt in einem Aufsatz über eine neu entdeckte mittelalterliche Töpferei bei Großalmerode auf.

Niederalmerode, gut einen Kilometer gelsterabwärts vom Zentrum Großalmerodes beim Ost-Bahnhof verortet, war erstmals um 1376 als schon wüst liegend erwähnt worden. Großalmerode hingegen, das erstmals direkt 1386 genannt wird, könnte nach der 1969 veröffentlichten Ansicht des Witzenhäuser Stadtarchivars Karl August Eckhardt erst im 13. Jahrhundert oder nicht wesentlich früher gegründet worden sein.

Und vermutlich lag im Hochmittelalter auch keine Töpferei innerhalb von Groß-almerode, sofern es das überhaupt schon gab. Vielmehr befand sich, wie Experte Sippel aufgrund neuester Funde schlussfolgert, im Tal des Faulbachs in Richtung Epterode ein bedeutendes Zentrum der hochmittelalterlichen nordhessischen Töpferei. Zunächst war nur vor 1986 am südlichen Ortsausgang Großalmerodes eine Töpferei nachgewiesen worden.

Die Trubenhäuserin Kornelia Stenzel entdeckte im Faulbach zwischen Großalmerode und Epterode 2013 mehrere tausend mittelalterliche Keramikscherben und andere Tonerzeugnisse, von denen ein Teil auf eine Töpfereistelle deutet. Dieser Handwerksbetrieb muss, wie die Auswertung der Bezirksarchäologie ergab, bereits um 1200 gearbeitet haben.

Weitere Fundstelle

2014 stieß Stenzel dann 240 Meter bachabwärts neben dem Gewässer erneut auf rund 60 hochmittelalterliche Scherben und zudem ein kleines Stück Ofenlehm. Diese Zeugnisse weisen Untersuchungen des Archäologen zufolge eine weitere, also dritte Töpferei am Faulbach nach. Ausgehend von drei am Faulbach gleichzeitigen Töpfereien aus der Frühzeit kann sich Sippel vorstellen, dass noch eine vierte in einigen hundert Metern Entfernung im Stadtteil Faulbach gelegen hat. (sff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare