Autobahn 44

Tunnelbau in Hirschhagen startet ohne großen Knall

Alles im Blick: Bauingenieur Knut Johnson überwacht die Bauarbeiten am Hirschhagen-Tunnel in Hessisch Lichtenau. Foto: Herbst

Werra-Meißner. Nicht immer beginnen große Projekte mit einem lauten Knall. Manches startet still und unbemerkt, wie am Freitag die erste Sprengung am Hirschhagen-Tunnel.

Während die Bauarbeiter die letzten Löcher für die Sprengsätze ins Felsgestein bohren, läuft der Betrieb unten in der orthopädischen Klinik weiter. Oben auf der Baustelle wartet Bauingenieur Knut Johnson neben einem weißen Mischturm. Seine Arme in die Hüfte gestemmt, blickt der Leiter der Bauüberwachung ans Ende einer neu gebauten Brücke. Noch endet sie an einer Felswand. In vier bis fünf Jahren sollen die Autos durch diesen Fels über die A 44 rollen.

„Da wird gleich gesprengt“, sagt Johnson und zeigt in Richtung des dunklen Gesteins. Ein orangefarbener Punkt läuft langsam in der Ferne hin und her. „Das ist der Sprengmeister. Er überprüft nochmal den Widerstand am Verbindungsdraht.“

Nervös wirkt Bauingenieur Johnson nicht. Seit 30 Jahren reist der Karlsruher von einer Baustelle zur nächsten, quer durch ganz Deutschland. Der zweitlängste Straßentunnel Deutschlands ist sein größtes und zugleich letztes Projekt. Dann will der 62-Jährige in Ruhestand gehen. „Es ist ein stressiger Beruf“, erzählt er. Unter der Woche wohnt Johnson in einer kleinen Wohnung in Hessisch Lichtenau. Am Wochenende fährt er zurück nach Karlsruhe.

„Herr Johnson, ich geh jetzt rüber und kontrolliere die Messgeräte in der Klinik“, ruft ihm ein Bauarbeiter aus einem weißen Pick-Up zu. Die orthopädische Klinik ist ein hochsensibler Bereich, erklärt Johnson. In den Klinikgebäuden hat er Messgeräte angebracht, sie registrieren die Erschütterungen. „Je nach dem wie stark sie ausschlagen, bestimmen wir die Sprengstoffmenge für die nächste Explosion. Das heute ist ein Test.“

Fotos: Lockerungssprengung am Hirschhagen-Tunnel

Lockerungssprengung am Hirschhagen-Tunnel

25 Löcher haben die Bauarbeiter in den Fels gebohrt. Jedes ist zwischen zwei bis drei Meter tief. „Gesprengt wird in verschiedenen Zeitstufen. Da liegen aber nur Millisekunden zwischen“, sagt Johnson. Mit einem Blick auf die Uhr, stellt er sich einige Schritte näher in Richtung Brücke. Zwei Bauarbeiter in Warnwesten zücken ihre Digitalkameras.

Ein dumpfer Knall, viel leiser als der eines Silvesterkrachers, lässt die Felswand kurz beben. Eine helle Staubwolke zeichnet sich für einen Augenblick vor dem dunklen Gestein ab. Dann ist alles wieder ruhig. Die Vögel haben nicht Mal aufgehört zu zwitschern. „Fast als hätte jemand ein kleines Bäuerchen gemacht“, kommentiert Johnson und grinst breit.

Die erste Explosion scheint reibungslos geklappt zu haben. Mehr erfährt Knut Johnson aber erst nach Auswertung der Messgeräte. Jetzt hat er erstmal Feierabend.

Von Ann-Kristin Herbst

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare