Patienten telefonieren lieber

Videosprechstunde im Werra-Meißner-Kreis bei Ärzten wird zögernd angenommen

Videosprechstunden boomen
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Symbolbild: Susanne Springborn, Fachärztin für Allgemeinmedizin, demonstriert in ihrer Praxis den Ablauf einer Videosprechstunde.

Videosprechstunden – seit Ausbruch der Corona-Pandemie gehören sie in vielen Arztpraxen zum Alltag. Patienten können mit dem Arzt am Computer sitzend über ihre Beschwerden sprechen. Sie sparen sich dadurch den Weg in die Praxis und müssen nicht im realen, sondern können im virtuellen Wartezimmer Platz nehmen. Die Ansteckungsgefahr wird so reduziert.

Witzenhausen – Auch im Werra-Meißner-Kreis bieten Ärzte virtuelle Sprechstunden an. Es gibt aber Voraussetzungen: „Der Patient muss in der Praxis bekannt sein, ein erstes Gespräch kann nicht per Video stattfinden“, sagt Dr. Jan Purr aus Großalmerode. Auch eine erste Diagnose könne niemals online gestellt werden, allerdings sei das auch am Telefon nicht möglich. Bei der Auswahl des richtigen Programms habe man viel Wert auf Datensicherheit gelegt.

Hausärztin Antje Meier-Kleemann

Die Videosprechstunde würde sich gut eignen, um Blutwerte oder Befunde von Fachärzten zu besprechen, ergänzt Antje Meier-Kleemann, Ärztin in Witzenhausen. Ihre Patienten nutzen den Service drei bis vier Mal die Woche. „Die Kassenärztliche Vereinigung erkennt die Videosprechstunde an und wir können die Termine auch abrechnen“, sagt die Ärztin. Mit Beratungsgesprächen am Telefon sei das vor Corona schwierig gewesen.

In der Landarztpraxis von Dr. Jann Hünermund in Waldkappel gibt es ebenfalls eine Videosprechstunde, viele Patienten würden aber das Telefon bevorzugen. „Die Videosprechstunde bietet aber durch die Übermittlung von Bildern deutlich mehr Möglichkeiten, die wir auch im Alltag in der Kommunikation mit Pflegediensten nutzen“, so Hünermund. Insgesamt sei die Videosprechstunde ein fester Bestandteil des Praxisalltags geworden.

Dr. Klaudia Ress aus Hessisch Lichtenau bietet ebenfalls digitale Termine an. Die Nachfrage sei bislang aber gering. Ihre Idee, in den Altenheimen anstelle Präsenz-Visite in Corona-Zeiten Video-Visite anzubieten, habe sich nicht durchgesetzt. „Die Patienten möchten lieber eine telefonische Besprechung.“ Auch Antje Meier-Kleemann würde ihr Angebot gerne in den Pflegeeinrichtungen etablieren. (Wiebke Huck)

So funktioniert die Videosprechstunde

Die Videosprechstunde integrieren die meisten Ärzte in ihren normalen Terminkalender. Patienten benötigen entweder einen Computer mit Kamera und Mikrofon, ein Tablet oder Smartphone. Die Praxis verschickt per E-Mail einen Link, der direkt ins virtuelle Wartezimmer führt. Für den Videochat räumen die meisten Praxen etwa 15 Minuten Zeit ein. Laut Kassenärztlicher Vereinigung bieten im Werra-Meißner-Kreis zurzeit 26 Arztpraxen eine Videosprechstunde an. (hbk)

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