Forschungen zur Familiengeschichte

Vom Rittergut zum Truppenübungsplatz: Erinnerungen an Gut Glimmerode

Gut Glimmerode
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Das Foto zeigt den Blick auf das Wohnhaus des Rittergutes Glimmerode in den 1920er Jahren mit der Zehntscheune rechts. Links liegt der Schafstall mit Heuboden, dahinter der Hühner- und Kälberstall und der Kuhstall aus roten Backsteinen. Die Frau ist Martha Möller aus Retterode (geb. Kreye). In der Zehntscheune lagerte das Getreide, im Winter auch die Dreschmaschine. Das Getreide wurde im Sommer mit einem Binder geerntet, eingefahren und in der Scheune gelagert. Im Winter schnitten die Bauern die Seile, die es festhielten auf, und die Halme fielen locker in die Dreschmaschine. Dabei halfen viele Männer, die die schweren Säcke mit Getreide auf den Fruchtboden über dem Pferdestall trugen. Elisabeth Kreye kochte für alle Helfer. Dazu wurde meist ein Schaf geschlachtet und es gab Suppe. Ein Teil des Getreides wurde verkauft, ein anderer Teil gegen Düngemittel getauscht. Auf dem Getreideboden mahlte die Schrotemühle Getreide zu Schrot als Futter für die Schweine. Vor der Zehntscheune hatte die Familie Heineken (Schäfer) ihren Garten. Hinter der Scheune lagen Miste, Schweinestall, Milchkammer, Pferdestall und die Wohnungen der Arbeiter. In der Milchkammer gab es einen gemauerten Bereich, ähnlich wie ein Brunnen. Dort wurden im Sommer die Milchkannen zum Kühlen in kaltes Wasser gestellt und mit heißem Wasser aus der Küche ausgewaschen. Auf Glimmerode wurden meistens 40-Liter-Kannen genutzt. Dort wurde die Milch vom Abend und dem nächsten Morgen eingefüllt und zur Milchbank an der Stadtkirche nach Hessisch Lichtenau gefahren, wo sie von der Molkerei Lindberg aus Kassel abgeholt wurde. Auch die Frauen von der Zeche kamen mit ihren Kannen, um Milch zu kaufen. Der Wirt der Waldschenke verarbeitete einen Teil der Milch vor Ort - etwa zu Eis. In der Erdgeschosswohnung wohnte der Schweizer. Darüber lebte die Familie Polzin. Das war der Gespannführer, der sich um die Pferde kümmerte und mistete. „Er war ein fleißiger Mann und ging für seine Pferde auf“, erzählt Herta Troll. Er war auch mit den Pferden und dem Pflug auf den Feldern unterwegs, bevor die ersten Trecker kamen. Auf Glimmerode gab es sechs Arbeitspferde, allesamt Kaltblüter. „Grete, Lotto und Kastor“, erinnert sich Herta Troll an ihre Namen. Links vor dem Wohnhaus war das Backhaus. Jede Woche wurden dort Kuchen gebacken - Blechkuchen, Schmand- und Obstkuchen mit Zwetschgen oder Äpfeln. Jeden Samstagmorgen wurde der Backofen angemacht. Jede Familie kam mit ihrem Blech. Jeden Nachmittag kam ein Henkelkorb mit Kuchen für die Arbeiter auf das Feld mit Tassen und Kaffee. Auf den Feldern arbeiteten zumeist sechs bis sieben Helfer, darunter Inhaber Hermann Kreye und dessen ältester Sohn Herbert, Fred und Erhard Polzin sowie zwei bis drei Frauen.
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Glimmerode von hinten mit Blick auf den oberen Saal mit den großen Fenstern und auf den Kastanienbaum - die Aufnahme muss zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg entstanden sein. Im Erdgeschoss lag der untere Saal. Dessen Fenster sieht man auf dem Foto nicht. Der obere Saal war größer als der untere. Dort gab es große Säulen und auch einen kleinen Balkon. Der obere Saal wurde von der Familie Kreye als Abstellkammer genutzt. Links vom oberen Saal lag die „Wurstekammer“, rechts das sogenannte Fremdenzimmer für Gäste. Im unteren Saal stand eine große Tafel, an der die Familie mit ihren Gästen und Arbeiten zu Mittag aß. Im unteren Saal haben Herta und Friedbert Troll auch gefeiert. Mit dem Bus sind sie von der evangelischen Stadtkirche in Heli nach Glimmerode gefahren. Standesamtlich haben sie in Reichenbach geheiratet. Oben auf dem Boden war die Räucherkammer, die aus Lehm gemauert war. Eine Glocke hing oben in dem Turm. Diese ging mit Hermann Kreye nach Verlassen des Gutes ins neue Zuhause in Hohnstorf bei Bienenbüttel.
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Das Bild ist zwischen den beiden Weltkriegen vom Beberich hoch fotografiert, also vom Wald her aufgenommen.
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Das Foto aus der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ist von der Rinderweide aus gemacht. Der Weg kam vom Rottland (Gemarkung, Bezeichnung für ein größeres Stück Land) hoch. Rechts im Bild sieht man die Stallungen, links das Wohnhaus. Davor liegt der Baumgarten, der auch heute noch zu sehen ist. Im Baumgarten gab es alle Sorten: Pflaumen, Renekloden (Unterart der Pflaume), verschiedene Äpfel und Eierpflaumen. Wenn die Äpfel reif waren, ging es jeden Morgen in den Baumgarten: Die Frauen sammelten Fallobst ein und machten daraus Apfelbrei oder Apfelkuchen. „Bei meiner Mutter kam nichts um“, sagt Herta Troll. Der Weg rechts im Bild führt ins Feld, ins Rottland. Dort waren Getreidefelder und Rüben wuchsen dort. Auf einem anderen Feld wuchs jedes Jahr etwas anderes. Rechts im Bild hinter dem Zaun lag die Kuhweide. Die Tiere liefen aus dem Stall direkt auf die Weide. Auch die Felder über die Straße hin zur Waldschenke waren Kuhweiden.
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Im Gebäude hinten lag die Remise. Dort lagerten die Arbeitsgeräte, etwa der Ackerpflug, Heuwender, der Grasmäher mit einem langen, zwei Meter langem Schwert, gezogen von einem Pferd. In der ersten Etage wohnte der Schäfer mit seiner Familie, die Familie Heineke. Der Mann auf dem Bild ist Adolf Schröder, genannt Dolf, geboren 24.5.1921, gefallen 10.3.1942. Er ist der älteste Sohn von Minna Schröder (Schwester von Hermann Kreye). Sie lebte im ostfriesischen Varel, heiratete dort Adi Schröder, kam aber oft nach Glimmerode zu Besuch. Das Haus in Varel erbte Rudolph Kreye, der es weiter an seine Tochter Ute Lieke gab.
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Das Foto entstand Anfang der 1930er Jahre im Blumengarten von Glimmerode. Dieser lag auf der rechten Gebäudeseite, wenn man frontal auf das Wohnhaus blickte. Dort wuchsen Zypressen und es gab ein Rosenbeet. Den Garten pflegte die Familie Kreye. Von links: Hans Sommerlade, Sohn von Lenchen Sommerlade, geboren Kreye, verheiratete mit Kurt Sommerlade, einem Lehrer aus Spangenberg, Herbert Kreye, Sohn von Hofbesitzer Hermann Kreye, und Adolf Schröder, Sohn von Minna Schröder, geborene Kreye.
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Dolf Schröder (stehend) Mitte der 1930er Jahre mit Herbert Kreye auf dem Pferd. Links ist der Wasserstein zu sehen, der heute im Wald unter der Ruine Reichenbach steht.
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1941: Herta Troll (Tochter von Hofbesitzer Hermann Kreye, von links), Lenchen Wehle, geborene Kreye (Cousine von Herta, Tochter von Änne Kreye, Frau von Paul Kreye, Bruder von Hofbesitzer Hermann Kreye) und Adolf Kreye, Sohn von Änne und Paul Kreye. Das Auto mit dem Oldenburger Nummernschild gehörte Adolf Schröder, genannt Onkel Adi. Er war der Bruder des Mannes von Minna Kreye, der Schwester von Hermann Kreye. Beide wohnte in Varel. Onkel Adi, jüngster Bruder von Hermann Kreye.

650 Jahre lang wurde auf Gut Glimmerode zwischen Hessisch Lichtenau und Hopfelde Landwirtschaft betrieben – dann wurde die Anlage Teil des Truppenübungsplatzes. Wir zeigen historische Fotos.

Redakteurin Carina Troll, die Urenkelin des letzten Besitzers Hermann Kreye, hat die Geschichte recherchiert und uns mit bislang unveröffentlichten Bildern zur Verfügung gestellt.

Die Bildbeschreibungen gehören zu Fotos, die von Herta Troll, Tochter des letzten Gutsinhabers Hermann Kreye, stammen sowie aus dem Nachlass ihrer beiden Brüder, Herbert und Rudolph Kreye. Die Bildbeschreibungen gehen auf Erzählungen von Herta Troll zurück. Sie hat diese Texte vor der Weitergabe gegengelesen und ihre Richtigkeit bestätigt.

Ein Klick auf die Bildnummer („1 von 10“) öffnet oder verbirgt die ausführliche Bildbeschreibung.

Rubriklistenbild: © Familie Troll/Kreye

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