Jugendbildungsstätte Ludwigstein erhält Bundespreis für Integration von Flüchtlingen

„Was ganz Fantastisches“

Auszeichnung: Olaf Klose (von links, Deutsche Bank), Christine Montigel (Initiative „Deutschland - Land der Ideen“) und Geschäftsführer Stephan Sommerfeld im Kreis der afrikanischen Flüchtlinge Hassan Said (von oben nach unten), Walid Sayed, Odi Gie Aghore und Jamal Abdi. Foto:  Cortis

Witzenhausen. Für ihre Bemühungen, minderjährige elternlose Flüchtlinge vorwiegend aus Afrika und Asien in unsere Gesellschaft zu integrieren, hat die Jugendbildungsstätte Ludwigstein zum zweiten Mal nach 2010 den Bundespreis „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ erhalten.

Den Preis in Form einer überdimensionalen Urkunde und eines Pokals nahm am Mittwoch auf der Burg Ludwigstein der Geschäftsführer der Jugendbildungsstätte, Stephan Sommerfeld, aus den Händen von Christine Montigel von der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ und dem Chef der Deutschen Bank in Hessen, Olaf Klose, entgegen. Die Bank ist nationaler Förderer dieses Wettbewerbs, den vor acht Jahren der damalige Bundespräsident Horst Köhler angestoßen hatte.

Mit dem Preis, der nicht mit Geld dotiert ist, sondern eine bundesweite PR-Kampagne nach sich zieht, zeichnete die Jury das Projekt „Iphigenie auf Praxis“ aus, abgeleitet von Goethes Bühnenstück „Iphigenie auf Tauris“, das vor hundert Jahren zum ersten Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner aufgeführt wurde. Derzeit und noch bis zum 6. Oktober wird dieses Jubiläum im Rahmen der Meißner-Tage von 3500 Pfadfindern und Wandervögeln aus allen Teilen der Republik gefeiert. Mit ihrem Projekt knüpfte die Jugendbildungsstätte gemeinsam mit der hiesigen bündischen Jugend Kontakte zu jungen ausländischen Flüchtlingen, die in unserer Region eine neue Heimat gefunden haben. Es wurden gemeinsame Aktivitäten entwickelt. Ein bunter Strauß von Veranstaltungen - Lagerfeuer, Kanufahrten, Partys, Musik und Theater - vereinte und vereint die jungen Leute aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

„Was ganz Fantastisches“, schwärmte denn auch Olaf Klose von diesem beispielhaften gesellschaftlichen Engagement. Mit der Integration ausländischer Migranten habe sich die Jugendbildungsstätte ein ganz schwieriges Thema ausgesucht, zugleich „die Grundlage geschaffen für ein konstruktives Miteinander in der Stadt der Zukunft“. Tief beeindruckt zeigte sich in ihrer Laudatio auch die eigens aus Ludwigsburg angereiste Christine Montigel. Sie bezeichnete die Initiative sogar als „weltweit einzigartig“.

Bei der Preisverleihung waren auf deutscher Seite auch Maia Schillmann, Thea Geißler und Nils Gädtke vom Pfadfinderstamm „Witta“ Witzenhausen, ferner die im Projekt involvierten Flüchtlinge Said Hassan, Jamal Abdi (beide aus Somalia) sowie Walid Sayed (Sudan) und Odi Gie Aghore (Nigeria). Insgesamt waren zu dem Wettbewerb tausend Bewerbungen eingegangen. Hundert, davon sechs aus Hessen, wurden prämiert. Am selben Tag hatte auch Professor Dr. Gottfried Paasche (Toronto/Kanada) der bündischen Jugend einen Besuch auf Burg Ludwigstein abgestattet. Er ist der Enkel von Hans Paasche, der als bekennender Pazifist und Lebensreformer vor hundert Jahren beim Treffen auf dem Hohen Meißner dabei war. Nach Hans Paasche, der 1920 von Rechtsradikalen erschossen wurde, sind auf der Burg Ludwigstein ein Zimmer und eine Linde benannt.

Von Chris Cortis

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