Die Pegel sinken

Hochwasser-Lage am Werra-Deich entspannt sich

Witzenhausen/Bad Sooden-Allendorf. Die Hochwasser-Lage in Witzenhausen hat sich entspannt. Am späten Mittwochnachmittag kam der Krisenstab vorerst zum letzten Mal zusammen.

Bis Mittwoch, 19 Uhr sank die Werra am Pegel Allendorf auf 4,38 Meter, Höchststand war am Dienstagmorgen bei 4,53 Meter. Nach wie vor drücken die Wassermassen auf den durchweichten

Deich nahe der Bundesstraße 80 bei den Stadtwerken. Braunes Wasser sei in der Nacht zum Mittwoch aus dem Deich gesickert, sagte Abschnittsleiter Mario Hellwig. Das sei ein Zeichen dafür, dass der Deich gebrochen sei. Daraufhin sei das Bauwerk noch einmal mit mehreren hundert Sandsäcken verstärkt worden. Dabei hätten die Feuerwehrleute gespürt, „wie der Deich bebt“. In den vergangenen Tagen musste der Deich mit 22.000 Sandsäcken verstärkt werden. Insgesamt wurden 36.000 Säcke in Witzenhausen und seinen Ortsteilen gelegt.

In den kommenden Tagen werde der Deich weiter kontrolliert, sagte Stadtbrandinspektor Hans-Heinz Staude. Aber eine akute Gefahr sehe er nicht mehr. „Der Druck nimmt ab, wir nähern uns der Normalität.“ Entspannter ist die Lage auch Unter den Weinbergen, wo die B 80 unterspült wurde. Am Mittwochabend pumpte das Technische Hilfswerk Wasser, das nach wie vor in Fontänen aus Ritzen in der Fahrbahn schießt, mit 1000 Litern pro Minute zurück in die Werra. Auf dem Höhepunkt am Dienstagnachmittag lag die Pumpleistung bei 5000 Liter pro Minute. Unklar ist hingegen, wie groß der Hohlraum und somit der Schaden unter der Fahrbahn ist.

Der Verkehr über die B 80 läuft weiter nur einspurig und wird per Ampel geregelt. Fahrzeuge ab einem Gewicht von 7,5 Tonnen leitet die Polizei weiträumig um. Auch in den Ortsteilen entspannte sich die Situation. Straßen wurden wieder für den Verkehr freigegeben, darunter die B 27 nach Bad Sooden-Allendorf. Gesperrt bleiben vorerst geflutete Straßen zwischen Blickershausen, Ermschwerd und Gertenbach.

Die Entwicklung am Dienstag

Mit großen Anstrengungen hatten am Dienstag etwa 250 Einsatzkräfte in Witzenhausen gegen das Hochwasser der Werra gekämpft. Auch in mehreren Ortsteilen liefen dutzende Pumpen ununterbrochen. Im Falle eines Deichbruchs würden Teile der Witzenhäuser Nordstadt mit vielen Einkaufsmärkten überflutet. In diesem Fall hätten Rettungskräfte Schwierigkeiten, ohne große Umwege zu Notfalleinsätzen in der Nordstadt auszurücken.

Normal sei ein Pegelstand von etwa 1,70 Metern, am frühen Dienstagnachmittag lag dieser bei knapp 4,50 Meter, und die Scheitelwelle war da noch nicht erreicht. Rund 30 Mitarbeiter der Stadtwerke halfen beim Schleppen von Sandsäcken. Mehr als 10 000 lagen schon, weitere 6000 bis 8000 sollten noch einmal dazukommen.

Die Feuerwehr sammelte es, und eigens angerückte THW-Spezialisten aus Wolfhagen pumpten es mit 5000 Litern pro Minute zurück in den Fluss. Vorerst wurde am Dienstag die B 80 halbseitig gesperrt. Allerdings leitete die Polizei den Fern- und Schwerlastverkehr weiträumig um. Es sei nicht auszuschließen, dass der Hohlraum unter der Bundesstraße bei zu starker Belastung einbrechen könnte, hieß es bei einer Sitzung des Krisenstabs.

Wegen des Hochwassers blieb am Dienstag auch die B 27 zwischen Bad Sooden-Allendorf und Ellershausen gesperrt.

Im Laufe des Dienstags stabilisierte sich die Lage. Der Pegel in Bad Sooden-Allendorf ging leicht zurück und lag um 16 Uhr bei 4,51 Meter. Der Höhepunkt war am Morgen mit 4,53 Meter. In Witzenhausen stand der Pegel bei 4,40 Meter. Trotz des hohen Wasserstandes sei die Situation in Bad Sooden-Allendorf relativ entspannt, sagte Bürgermeister Frank Hix am Dienstag. Anders sah es dagegen in Witzenhausen aus. In den Ortsteilen Wendershausen und Werleshausen standen mehrere Häuser unter Wasser.

Bilder vom Hochwasser

Bilder vom Hochwasser in der Region Teil 2

Seit Dienstagmorgen waren sämtliche Feuerwehren aus Witzenhausen und seinen Stadtteilen im Einsatz. Zudem hilft das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Technische Hilfswerk (THW), die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die Rettungshundestaffel sowie Mitarbeitern von Bauhof und Stadtwerken. Auch mehrere Freiwillige haben sich angeboten, nachdem die Feuerwehr Witzenhausen die Bevölkerung am Montag um Mithilfe gebeten hatte. (clm/sff/sas/dpa/rpp)

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