Erster Bau der Witzenhäuser Werrabrücke stand wohl schon im 13. Jahrhundert

Werra ließ Witzenhausen wachsen

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Der Fluss prägt das Bild: Auch auf diesem Strich nach Merian aus dem Jahr 1646 ist die Werra mit der Brücke ein zentrales Element, dahinter die Stadt mit ihren Kirchen, Mauern und Türmen.

Witzenhausen. Seine Entwicklung verdankt die Stadt Witzenhausen der geographischen Lage oberhalb zweier Werrafurten.

Flüsse haben seit alters her eine bedeutende Rolle im Zusammenleben der Menschen gespielt. Sie ermöglichten lange vor der Erfindung der modernen Massenverkehrsmittel Handel und Kommunikation, dienten als nie versiegende Nahrungsquellen und boten Schutz vor feindlichen Nachbarn. Flussübergänge wurden früh schon zu Zentren der Zivilisation. Siedlungen, die an Furten lagen oder gar Brücken besaßen, lockten Kaufleute und Handwerker, erhielten Mark- bzw. Stadtrechte und gelangten rasch zu wirtschaftlicher Blüte und politischem Gewicht.

Oberhalb zweier Furten

Eine solche Entwicklung ist auch für Witzenhausen zu beobachten: Die günstige Lage oberhalb zweier Werrafurten ermöglichte den problemlosen Übergang ins Leinetal und war sicher einer der entscheidenden Gründe dafür, dass der „villa Witczenhusin“ am Ostertag 1225 vom Thüringer Landgrafen die Marktrechte verliehen wurden.

Die junge Stadt prosperierte und die beiden zugelassenen Märkte – der allwöchentliche „gemeine Markt“ und der am vierten Sonntag nach Ostern gehaltene Jahrmarkt – trugen maßgeblich zum wachsenden Wohlstand Witzenhausens Stadt bei. Man schützte das Stadtgebiet durch Mauern und Türme und erbaute an der oberen Werrafurt eine erste, vorerst noch hölzerne Brücke. Errichtet wurde diese wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, denn obwohl kein direktes schriftliches Zeugnis über ihre Erbauung überliefert wurde, gibt es eine Urkunde von 1482, die den Brückenbau in die Regierungszeit des Landgrafen Heinrich I. von Hessen (1268 – 1308) datiert.

Gut drei Jahrhunderte hatte diese Brücke den Bürgern gute Dienste geleistet, fremden Kaufleuten weithin sichtbar den Weg zum Markt gewiesen und dem Stadtsäckel zu manchem Gulden Brückengeld verholfen. Während dieser Zeit erlebte sie Stadtbrand von 1479, die folgende erste Blütezeit der Stadt ab 1550 und schließlich die Pest, der im Jahr 1597 mit 900 Toten fast zwei Drittel der Einwohner zum Opfer fiel.

Langsam aber sicher fassten die Überlebenden der Seuche wieder Mut und nur ein knappes Jahrzehnt, nachdem der letzte Pesttote vor der Stadtmauer begraben worden war, konnte die Bürgerschaft mit finanzieller Unterstützung des Landesherrn daran gehen, die auf Pfählen ruhende Holzbrücke – die den veränderten Verkehrsbedürfnissen schon lange nicht mehr genügte – durch eine massive Steinkonstruktion zu ersetzen.

Gelungene Konstruktion

Die neue Steinbrücke, 1608 fertig gestellt, war eine gelungene Konstruktion und blieb nahezu zwei Jahrhunderte unverändert. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging man daran, einen neue Pfeiler zu errichten (1800), hölzerne Eisbrecher anzulegen (1810) und nach starken Beschädigungen durch Eisgang auf der Werra zwei neue Spitzpfeiler anzubringen (1830). In regelmäßigen Abständen gab es zudem immer wieder kleinere und auch größere Reparaturen, die in den Kämmereirechnungen dieser Jahre en Detail aufgelistet sind.

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