„Wir sind naturverbunden“: Zwei Pfadfinder über ihr Hobby

Mit vollem Gepäck,Karte und Gitarre: In den zurückliegenden Jahrzehnten haben die Mittelerde-Pfadfinder bei ihren alljährlichen Großfahrten viele Ecken Europas erkundet. Es geht oft quer durch die Landschaft, wie hier für Dorothea Herrmann (links) und Annemie Thormann in diesem Sommer in Südfrankreich. Foto: privat

Die Pfadfinderbewegung gibt es seit weit über 100 Jahren. Ist Pfadfinderei in Zeiten von Mobiltelefon und satellitengesteuertem System zur Positionsbestimmung (GPS) überhaupt noch aktuell?

Das wollte Redakteur Stefan Forbert von zwei Badestädter Pfadfindern, Phillip Keydel und Christian Brandt, wissen. In Bad Sooden-Allendorf ist der Stamm Mittelerde seit 35 Jahren aktiv.

Warum bist Du zu den Pfadfindern gegangen, was ist Sinn und Zweck der Pfadfinderei? 

Phillip: Die Gemeinschaft ist sehr einzigartig. Es ist fast wie eine zweite Familie. Gerade auf Fahrten erlebt man Gemeinschaft auf ganz hohem Level. Jeder muss etwas tragen, damit man ans Ziel kommt. Christian: Pfadfinderei ist kein Hobby für mich, sondern eine Leidenschaft. Der Zusammenhalt untereinander ist unglaublich, jeder kommt mit jedem sehr gut zurecht.

Jeder hat doch heutzutage GPS, wie sucht Ihr denn die Wege? 

Phillip: Wir beherrschen Karte und Kompass. Es macht Spaß, sich in der Landschaft damit zurecht zu finden. Und wir geben das Bewusstsein für Umweltschutz weiter.

Christian: Es ist sehr wertvoll in der heutigen Zeit, dass die Pfadfinderei den Kindern und den Jugendlichen die Natur und das Leben in der Natur nahe bringt. Wir sind sehr naturverbunden und gern in der Natur.

Gibt es noch die Lagerfeuerromantik, wobei jemand Gitarre oder Mundharmonika spielt? 

Christian: Es gibt nichts besseres, als abends in gemütlicher Runde am Lagerfeuer zu sitzen und Lieder zu singen. Und die Gitarre ist das größte Instrument bei uns.

Wie kommuniziert Ihr untereinander, auch nur noch mit Handy und Whats-App? 

Phillip: Auf Fahrten will man sich nicht ausgrenzen, das würde aber passieren, wenn man ständig aufs Handy schaut oder sich per Whats-App unterhält.

Christian: Naja, auf Fahrten gibt es für die Jüngeren schon ein Handy-Verbot.

Macht Ihr noch Schnitzeljagd oder gibt es nur noch Geo-Caching? 

Philipp: Wir entwerfen unsere eigenen Spiele, meistens sind es riesige Geländespiele, die stundenlang dauern - so wie Fangen und Verstecken in der Wildnis.

Halten Euch die Mitschüler, die nicht mitmachen, für antiquiert? 

Christian: Viele sind voreingenommen und denken, wir seien ein Naturvolk und wir verkaufen nur Kekse, so wie Pfadfinder in amerikanischen Filmen dargestellt werden. Es gibt auch eine Hemmschwelle, zur Pfadfinderei zu stehen.

Was sagst Du dem, der eine Hemmschwelle hat? 

Phillip: Ich sage einfach: Probiere es einfach mal, es macht wirklich Spaß. Kontakt: www.pfadfinder-stamm-mittelerde.de

Zu den Personen

Phillip Keydel (16) ist seit 2012 bei den Pfadfindern. Er gehört der Meute Goldbeere (Jungen und Mädchen von sieben bis elf) an und ist Gruppenleiter.

Christian Brandt (17) macht seit 2011 im Stamm Mittelerde mit. Er gehört der Roverrunde Elrond (16- bis 18-Jährige) an und fungiert als deren Sprecher. (sff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare