Hessische Kulturstiftung finanziert Pandemie-Projekt

Witzenhäuser Tänzerin Marielle Gerke verwirklicht Filmprojekt „Zusammen getrennt“

Stets in Körperkontakt: Marielle Gerke und Niklas Heiland beim Tanzen.
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Stets in Körperkontakt: Marielle Gerke und Niklas Heiland beim Tanzen.

„Zusammen getrennt“ hat die Witzenhäuser Tänzerin Marielle Gerke ihr Pandemie-Projekt genannt. Kunstschaffende der Kirschenstadt und der näheren Umgebung gewann sie für das Vorhaben. Neben vier weiteren Tanzenden auch sieben Musiker, einen Fotografen und einen Kameramann.

Witzenhausen – Mit finanzieller Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung entstanden fünf Videos und eine Bildergalerie während des Pandemie-Projekts „Zusammen getrennt“ . Der Tanzstil, den Marielle Gerke seit Anfang der 2010er-Jahre lehrt, nennt sich Kontaktimprovisation. Tanzende bewegen sich ohne feste Schrittfolge, aber in stetem Körperkontakt miteinander durch den Raum. Sie teilen ihr Gewicht, schmiegen sich aneinander, rollen über den anderen hinweg. Zu den Jams, den Tanztreffen, freitags im Zeichensaal des alten Wilhelmitenklosters an der Steinstraße kamen in der Vor-Corona-Zeit 20 bis 30 Personen. Einige reisten eigens aus Göttingen und Kassel an.

Doch mit Beginn der Pandemie endete Gerkes Lehrbetrieb abrupt. Die Tanzlehrerin verlor von einem Tag auf den anderen ihre Einnahmen. Zudem drohte sie, aus der Übung zu kommen. Kontaktimprovisation lässt sich nicht alleine machen. Soweit es zulässig war, traf sich die Tanzlehrerin mit jeweils einer Person zuhause in ihrem 20 Quadratmeter großen Trainingsraum. Mit dabei waren ihre Kolleginnen Katja-Bahini Mangold, die vor knapp zehn Jahren die KI-Szene in Witzenhausen initiiert hat, und Ellie Erdmann. Gerke tanzte auch mit ihrem Schüler Niklas Heiland, der ihr bereits bei Kursen assistiert hat, sowie mit ihrer Freundin Pauline Reichardt.

„Wir haben während der langen Monate der Pandemie-Zeit eine jeweils eigene Sprache entwickelt“, berichtet die Lehrerin. Das brachte sie auf die Idee, alles in Filmen und mit Fotos zu dokumentieren. „Auf den einwöchigen Tanzfestivals, die vor der Pandemie regelmäßig stattfanden, waren immer auch Filmer und Fotografen vor Ort“, erinnert sich Gerke. So hatten Lehrende immer aktuelles Bildmaterial fürs Marketing zur Verfügung. Die Witzenhäuserin nutzte das Corona-Hilfsprogramm der Stiftung, „Kulturpaket II – Perspektiven öffnen, Vielfalt sichern“, um ein Projekt zu verwirklichen.

Mit ihren vier Mittanzenden traf sie sich in der Kasseler Bühnentanz-Berufsfachschule Sozo Visions in Motion. Jeweils 30 Minuten lang wärmten sie sich auf und tanzten dann eine Stunde lang, während Barak Ben Dov filmte und Oliver Stein aus Northeim fotografierte. Das Schneiden der Videos und die Auswahl der besten Aufnahmen unter vielen 100 Fotos zog sich über Wochen hin. Gerke bezog Musikschaffende ein, die größtenteils bereits Witzenhäuser Jam-Tanztreffen begleitet hatten: Joachim Berchthold, Jörn Berger, Andres Codon, Peter Krug, Kaya Martischius, Philip Miller und Chris Tala. „Die Musik gibt bei uns nicht den Takt vor“, stellt die Künstlerin klar. So entstanden die Soundtracks zu den Filmen. Alles hat Gerke mittlerweile auf ihrer Homepage, mariellegerke.de, veröffentlicht und über Facebook und Instagram beworben. (Michael Caspar)

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