Witzenhäuserin in Paris: "Es war gespenstisch still"

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Alles abgeriegelt: Nach dem verheerenden Terroranschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo wurde die französische Hauptstadt sofort abgeriegelt.

Paris/Witzenhausen. "Es war gespenstisch still" - Sabine Scheunert, die aus Witzenhausen stammt und seit vier Jahren in Paris lebt, schilderte uns ihre Eindrücke nach dem Terroranschlag.

„Plötzlich stand Paris still. Es war fast gespenstisch.“ So erlebte Sabine Scheunert die französische Hauptstadt nach dem Terroranschlag am Dienstag. Seit vier Jahren lebt und arbeitet die 39-Jährige aus Witzenhausen in der sonst quirligen, lauten, weltoffenen Metropole. Doch seit dem Angriff auf die Redaktion eines Satiremagazins mit vielen Toten ist alles anders.

Sabine Scheunert ist Senior Managerin bei Peugeot/Citroen. Ihr Büro im Hauptquartier des Konzerns liegt im Zentrum, direkt an der stets überfüllten, vierspurigen Avenue Grande Armée, einer Verlängerung der berühmten Champs Elysées. Aus dem Fenster beobachtete sie, wie die Straße immer leerer wurde. „Nur noch wenige Autos fuhren und alles wurde so leise.“ Kurz nachdem Präsident Francoise Hollande die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen hatte, sei das Militär aufgetaucht, habe Metro-Stationen und Autos kontrolliert.

Die französischen Kollegen reagierten bestürzt auf die Vorkommnisse. „So eine Stimmung habe ich hier noch nie erlebt. Alle saßen vor den Fernsehern, sprachlos in ihrer Trauer und gleichzeitig fassungslos, dass Frankreich Opfer eines solch willkürlichen Gewaltakts geworden ist.“

Die Zielscheibe des Attentats, das Satire-Magazin Charlie Hebdo, war Sabine Scheunert zunächst kein Begriff. „Ich habe es für ein Nischenblatt gehalten. Doch im Gespräch mit Kollegen wurde mir schnell klar, dass Charlie Hebdo eine angesehene Zeitschrift ist, die für freiheitlichen Journalismus steht.“

Nach dem ersten Schock setze nun die Diskussion um die Tat ein. „Diese wird in Paris bislang sehr sachlich geführt.“ Die Mehrheit der Franzosen könne gut differenzieren und sei sich bewusst, dass nicht der Islam als Religionsgemeinschaft für den Terroranschlag verantworlich ist, sondern eine fanatische Minderheit.

Trotzdem sei wegen der emotional aufgeladenen Stimmung die Gefahr groß, zu verallgemeinern und alle Muslime in einen Topf zu werfen. „Zurzeit ist das aber nicht der Fall. Die Franzosen fragen sich vielmehr, was dieses Attentat für die Zukunft bedeutet. Sie haben Angst vor dem, was noch kommen könnte. Viele meiden aktuell öffentliche Verkehrsmittel. Auch ich habe meine Mitarbeiter gebeten, dies vorerst zu tun.“

Von Kathrin Bretzler

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