30 Witzenhäuser protestierten gegen Fastfood-Kette Burger King in Witzenhausen

Sehen die Ansiedlung von Burger King kritisch: Vor allem viele junge Witzenhäuser, aber auch Imbiss-Betreiber Arafat Türe (Zweiter von links) demonstrierten mit Plakaten gegen die Pläne, eine Filiale von Burger King in Witzenhausen zu bauen. Foto: Friederike Steensen

Witzenhausen. So viele Besucher sieht der Bauausschuss in Witzenhausen selten: Am Dienstag fanden sich neben einigen regelmäßigen Gästen fast 30 Demonstranten ein, die mit Bannern und Plakaten die Pläne kritisierten, auf der Freifläche am B-80-Kreisel eine Filiale der Fastfood-Kette Burger King anzusiedeln.

Dabei war auch Arafat Türe: Der Inhaber des Eurodöners (Ermschwerder Straße) fürchtet wie andere Gastronomen der Stadt, dass Burger King die Kunden weglocken und die Innenstadt noch mehr veröden könnte. Er sammelte nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Tagen 300 Unterschriften gegen Burger King.

Auslöser der Debatte war ein Investor, der Anfang September beim Bauamt gefragt hatte, ob er dort überhaupt ein Schnellrestaurant bauen dürfe. Er bat um eine zeitnahe Rückmeldung, da ihm der private Eigentümer des Grundstücks ein Vorkaufsrecht bis zum 30. Oktober eingeräumt habe. Aktuell darf laut dem Bebauungsplan dort nur ein Möbelhaus gebaut werden, doch entsprechende Pläne des Dänischen Bettenlagers seien nie umgesetzt worden, so Bauamtsleiter Bernd Westermann. Andere Anfragen für die Fläche habe es seit Jahren nicht gegeben. Sein Vorschlag: Die Fläche wird als Mischgebiet ausgewiesen, was mehrere Nutzungen zulassen würde. Dann müsste die Fläche in bester Lage nicht weiter ungenutzt bleiben.

Doch so kurzfristig wie vom Investor gewünscht, konnte das Thema nicht entschieden werden: Weil die Vorlage der Verwaltung erst einen Tag vor der September-Sitzung des Bauausschusses vorlag und die Fraktionen sich vorher nicht beraten konnten, verweigerte der Ausschuss Bürgermeister Daniel Herz, das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung zu nehmen (HNA berichtete).

So gab es erst am Dienstag fast 1,5 Stunden lang eine lebhafte Debatte. Ein Antrag von Dr. Christian Platner (AfW), das Thema erneut in den Fraktionen zu beraten und die Lokale Partnerschaft für den Stadtumbau einzubeziehen, scheiterte. Der Ausschuss empfahl mit fünf Stimmen von CDU und SPD die Ausweisung des Mischgebietes. Grüne und AfW votierten dagegen. Am Dienstag, 6. November, soll das Parlament, entscheiden. 

Das sagt die Stadt: „Investor hat angefragt“

Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz stellte am Dienstag klar, dass die Stadt keineswegs die Ansiedlung vorantreibe, man reagiere nur auf die Anfrage eines Investors. „Wir geben das nur an die Gremien weiter“, sagte Herz. So würde man auch mit jeder anderen Anfrage verfahren. „Aber von Ökobetrieben und Start-Ups, wie sie einige hier fordern, bekommen wir keine Anfragen.“ Wenn das Parlament die Ausweisung eines Sondergebietes beschließe, heiße das noch nicht, dass Burger King auch tatsächlich komme. Die Verhandlungen zwischen dem Investor und dem Eigentümer stockten. Dennoch sollten endlich die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Fläche auch nutzen zu können.

Die Argumente der Fraktionen: 

CDU und SPD lobten Burger King zwar nicht explizit. Sie stehen den Plänen aber offen gegenüber und wollen das Mischgebiet: • Das Sondergebiet „Möbel“ verhindere derzeit die effektive Nutzung der seit 25 Jahren brachliegenden Fläche. Ein Mischgebiet sei für viele Betriebe nutzbar. • Die Ansiedlung der Fastfood-Kette stehe noch gar nicht fest. • „Subjektive Wahrnehmung“ der SPD: Mehrheit der Bevölkerung sei offen für Burger King. • Junge Leute führen zum Fastfood-Essen extra nach Hann. Münden, Kassel, Göttingen, Eschwege, Heiligenstadt. • Man könne über Planungsrecht optische Vorgaben für neue Gebäude machen. • Die Bürger hätten unterschiedliche Vorlieben: Das Bio-Image schließe Burger King nicht aus und dürfe wirtschaftliche Entwicklung nicht verhindern. • Imbisse würden von Konkurrenz profitieren, ihre Qualität würde sich durchsetzen.

Gegen Burger King sprachen sich die Demonstranten, die Grünen, AfW, FWG und Linke aus: • Eine globale Fastfood-Kette passe nicht zu Witzenhausen als Bio- und Fair-Trade-Stadt. Man würde eigene Nachhaltigkeitsziele verletzen, Image der Stadt sei in Gefahr. • Billig-Konkurrenz als Gefahr für Imbisse/ Restaurants. Wo sollen neue Kunden herkommen? • Die Altstadt würde unattraktiver, wenn Imbisse pleite gehen. • Als Beitrag für Klimaschutz und Wirtschaft lieber heimische Betriebe und Zulieferer fördern. • Mehr Müll im Stadtgebiet durch Burger-Verpackungen. • Das „Eingangstor“ zur Stadt würde unansehnlich. • Qualifizierte Jobs entstünden durch Burger King nicht. • Fastfood ist ungesund, hohe Folgekosten für Krankenkassen und damit Allgemeinheit. • Vorteile für Stadt seien unklar. • Käme ein Mischgebiet, könne man später Burger King nicht verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare