Prozess: Geldstrafe von 1900 Euro

Alkoholiker rast nachts betrunken mit Karts durch Kleinstadt

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Wurde Opfer von Dieben: Dem Motorsportclub Werratal wurden zwei Karts gestohlen. Unser Archivbild zeigt einen der jungen Fahrer des MSC bei einem Kart-Rennen. 

Ein 46-jähriger Mann hat mit einem Kumpel im Sommer 2017 zwei Karts des Motorsportclubs  Werratal gestohlen und ist dann damit nachts betrunken durch Witzenhausen gerast.

Für den Diebstahl bekam er gestern im Eschweger Amtsgericht eine Geldstrafe in Höhe von 1900 Euro aufgebrummt.

Damals lebte der Täter noch im Kreis, ist dann aber später nach Niedersachsen gezogen und sitzt mittlerweile wegen eines anderen Vergehens eine siebenmonatige Haftstrafe ab. Den Diebstahl der beiden Karts im Wert von 3000 Euro räumte er ein. „Ich war damals Alkoholiker, habe schon morgens angefangen zu trinken. Eine Flasche Wodka am Tag war Minimum“, schilderte er. Ein Freund sei am besagten Abend im Juni oder Juli 2017 – der genaue Zeitpunkt steht nicht fest – zum Saufen vorbeigekommen. „Er hat mich dann gefragt, ob ich das Schloss des Anhängers knacken könnte. Also sind wir losgezogen.“ Dabei war auch noch die damalige Verlobte des Beschuldigten.

Auf einem Parkplatz im Witzenhäuser Industriegebiet schritten die zwei Männer nach Angaben des 46-Jährigen zur Tat. Wie abgesprochen knackte der Angeklagte das Schloss mit einem Schraubenzieher. „Dann ist mein Kumpel erst vor Ort im Industriegebiet eine Runde gefahren, später dann in die Innenstadt. Ich habe das zweite Kart genommen und bin hinterher“, erzählt der Mann auf der Anklagebank. In der Folge habe er das Kart seines Freundes abgestellt in der Nähe seiner Wohnung vorgefunden. „Ohne irgendwie darüber nachzudenken, habe ich beide Fahrzeuge in meine Garage und zu einem späteren Zeitpunkt auseinandergebaut in mein Zimmer gebracht“, hieß es.

Verkauft oder zerstört wurde nichts. Die Polizei ermittelte irgendwann den Täter und brachte die Karts zurück zum MSC Werratal-Witzenhausen, dem letztlich „nur“ 500 Euro Schaden durch das Knacken des Schlosses entstanden sind. In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte auch bei einem als Zeugen geladenen Vertreter des Motorsportclubs.

Generell zeigte sich der 46-Jährige reumütig. „Ich habe eine Suchttherapie erfolgreich hinter mich gebracht und bin heilfroh, jetzt die Kurve gekriegt zu haben. Auch die Haftstrafe habe ich mehr als Chance angesehen, Ich habe dort einen Job als Näher und fühle mir durch den geregelten Tagesablauf gut“, sagte der Mann.

Er wolle auch mithilfe des Umzugs nach Niedersachsen sein altes Leben als Alkoholiker und Straftäter (22 Vorstrafen) hinter sich lassen. „Ich bin mir sicher, ich hätte mich totgesoffen, wenn alles so weitergegangen wäre. Nach dem Tod meiner Verlobten bin ich noch mal in ein richtig tiefes Loch gefallen. Aber das alles habe ich in der Therapie verarbeitet.“

Ein zweiter Tatvorwurf wegen des Diebstahls einer Stereoanlage aus einem Restaurant wurde fallen gelassen. Hier kommt wohl jemand anderer als Täter infrage.

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