Gutachter sieht schlechte Prognose

Diebstähle in Witzenhausen und Kassel: Fünf Jahre Haft für Ladendieb

Ein Serien-Ladendieb aus Somalia, der in Witzenhausen und Kassel  Parfum im Wert von rund 6600 Euro gestohlen hat, ist zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden.

Die Strafe fiel relativ hart aus, weil der Asylbewerber aus Witzenhausen immer wieder mit einem Messer gedroht hatte, wenn er erwischt wurde. Diese Taten wurden als schwere räuberische Erpressung geahndet.

Der psychologische Sachverständige hatte dem jungen Mann in seinem Gutachten eine antisoziale Persönlichkeitsstörung attestiert und eine schlechte Zukunftsprognose gestellt. Er lasse sich durch absolut nichts davon abhalten, immer weiter Diebstähle zu begehen, um seine Kokainsucht zu finanzieren. Weil er vor seinen Diebstählen oft auch Alkohol getrunken und Kokain konsumiert hatte, war eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit nicht auszuschließen, was zu einer milderen Strafe führte.

Für alle angeklagten 33 Taten hatte Staatsanwalt Dietrich Einzelstrafen genannt, die sich auf über 14 Jahre Haft summierten und die von ihm zu einem Gesamtstrafantrag von siebeneinhalb Jahren zusammengefasst wurden. Dabei habe er allein in der vergangenen Woche 17 weitere Straftaten eingestellt. Wie viele Diebeszüge der junge Mann tatsächlich unternommen habe, wisse vermutlich nicht einmal er selbst. „Es wurden immer mehr“, sagte Dietrich.

„Der Angeklagte lebte nach dem Motto: Ich nehme mir, was ich will“, sagte Dietrich in seinem Plädoyer. Wenn er erwischt und von dem Verkaufspersonal oder der Polizei festgehalten wurde, beschimpfte er seine Gegenüber als „Rassisten“ und „Nazis“. Zudem habe er sich dann oft aggressiv gegen eine Festnahme gewehrt und dabei auch ein Messer gezeigt.

„In Freiheit würde er sofort weiter klauen“, war sich Dietrich sicher. In Witzenhausen hätten Drogerien und Parfumläden schon gar keine Testflaschen mehr ausgestellt, weil der Angeklagte sie praktisch immer sofort geklaut habe.

Dietrich fordert eine Fortdauer der Haft, die von der 11. Strafkammer von Richter Gerd Rinninsland auch angeordnet wurde.

Verteidiger Thomas Illhardt (Eschwege) hatte auf eine Haftstrafe von nicht mehr als vier Jahren plädiert und darauf verwiesen, dass sein Mandant durch den Krieg in seinem Heimatland Somalia entwurzelt sei. 

Haftanträge scheiterten zuvor

Bevor es jetzt doch noch zu einem Gerichtsverfahren vor der 11. Strafkammer des Landgerichts gegen den somalischen Ladendieb kam, hatte die Staatsanwaltschaft mehrfach Haftbefehl beantragt. Doch diese Anträge, so Staatsanwalt Dietrich, wurden alle abgelehnt, weil die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe von 1000 Euro Schaden pro Einzelfall für einen Haftbefehl nie erreicht wurde. Erst wegen bewaffneten Diebstahls konnte er letztlich in Haft kommen.

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Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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