Unmut an der Gartenstraße in Witzenhausen

Ärger über Elterntaxis: Anwohner notiert Kennzeichen und meldet sie

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Unmut an der Gartenstraße: Anwohner Ullrich G. kritisiert Autofahrer, die am Verbotsschild vorbei zur Kesperschule fahren und die Straße verstopfen. Die Schüler, sagt er, könnten auch sicher vom Parkplatz über den Zebrastreifen gehen. 

Ärger über Elterntaxis: Ein Mann meldet in Witzenhausen Kennzeichen von Autos, die nach seiner Ansicht verbotenerweise die Straße zu einer Schule benutzen.

Eigentlich ist das runde Straßenschild eindeutig: „Durchfahrt verboten“ heißt es an der Einfahrt zur Gartenstraße in Witzenhausen. Ein Zusatzschild erlaubt die Durchfahrt für Anwohner, Schulpersonal, Lieferverkehr und Radfahrer zur Kesperschule. „Da hält sich keiner dran“, schimpft Anwohner Ullrich G.

Er könne das sogar beweisen, sagt der 75-Jährige: Kürzlich hat er vom Fenster aus die Autos gezählt und Kennzeichen notiert, wenn die Fahrer trotz Verbot zur Schule gefahren sind – zumeist seien das Eltern, die ihre Kinder abliefern wollen. Manche Fahrer würden auch von Navigationsgeräten in die Irre geführt, beobachtete er.

Die Autos von Anwohnern und Schulpersonal kennt der Rentner nach eigenen Angaben, alle anderen landeten auf seiner Liste. Nach vier Tagen umfasste diese 104 Kennzeichen. Dann schickte G. sie an die Stadt – und an die HNA. „Es kann doch nicht sein, dass das Schild überhaupt nicht akzeptiert wird“, schreibt er dazu.

Besonders schlimm sei es mit den Elterntaxis gegen 7.40 Uhr, nach Schulschluss (13 Uhr) sowie zum Ende der Nachmittagsbetreuung. Dann gebe es weder für Anwohner noch für Lehrer ein Durchkommen.

Ullrich G. plädiert dafür, dass Eltern ihre Kinder direkt gegenüber auf dem Parkplatz an der Wickfeldtstraße absetzen, vor dort könnten diese den kurzen Weg zur Schule laufen. „Dafür wurde der Zebrastreifen extra eingerichtet!“

Der Rentner kritisiert, dass die Stadt den Bereich nicht kontrolliere – weder die Einhaltung des Durchfahrtsverbots noch die von Tempo 30. Wenn sich die Lage nicht ändere, will er sich an die nächsthöhere Stelle wenden – das Regierungspräsidium. „Muss hier erst jemand, ein Kind oder ein Senior, umgefahren werden?“, fragt er.

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Elterntaxis: Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Daniel Herz bringt selbst oft seine Tochter zur Kesperschule und kennt die Lage gut. „Ich kann den Ärger des Anwohners verstehen“, sagt er. Den Parkplatz nutze kaum jemand, viele Eltern würden ihren Nachwuchs am liebsten bis ins Klassenzimmer bringen. „Dabei sollten Kinder auch lernen, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden.“ 

Der Elternbeirat habe um die Einrichtung einer „Brötchentaste“ für kostenloses Kurzzeitparken gebeten, damit die Eltern ihr Auto dort abstellen können. „Ich bezweifele, dass die Taste dann genutzt wird“, sagt Herz. Für die Kontrolle der durchfahrenden Fahrzeuge sei im Übrigen die Polizei und nicht die Stadt zuständig. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes dürften nur den „ruhenden Verkehr“ kontrollieren – etwa Falschparker.

Elterntaxis: Das sagt die Polizei

Das Problem sei bekannt, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler. Demnächst soll es einen Ortstermin von Polizei, Stadt und Schulleitung geben. „Unabhängig davon hat die Polizeistation Witzenhausen lageabhängig dort Kontrollen durchgeführt, teilweise auch mit der Stadt.“ 

Das gelte auch für den regionalen Verkehrsdienst. Wer das Verkehrsschild ignoriere, müsse ein Verwarnungsgeld von 20 Euro zahlen. Der Anwohner könne die Kennzeichen-Liste bei Stadt oder Polizei abgeben. „Er selbst wird dann als Zeuge aufgeführt.“ Weitere Beschwerden lägen der Polizei nicht vor.

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Hier liegt die Kesperschule Witzenhausen:

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