Studierende organisieren Tagung

Landwirtschaft: Artenvielfalt ist Thema der 25. Witzenhäuser Konferenz

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Augenmerk auf Artenvielfalt: Die 25. Witzenhäuser Konferenz beschäftigt sich mit der Frage, wie die Landwirtschaft mit an unterschiedliche Lebensräume angepassten Tier- und Pflanzenarten dazu beitragen kann, dass das Ökosystem Erde erhalten wird. Organisiert wird die Tagung von acht Studierenden des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen. 

Witzenhausen. Wenn die biologische Vielfalt auf der Welt weiter zurückgeht, ist das Ökosystem Erde in Gefahr. Darauf wollen Studierende aus Witzenhausen mit einer Tagung aufmerksam machen.

Die Erkenntnis, welch wichtige Rolle die Artenvielfalt spielt, ist in der Wissenschaft weit verbreitet, in Politik, Landwirtschaft und Gesellschaft jedoch noch nicht. „Der Verlust der Artenvielfalt wird nicht ernst genommen“, sagt Anne Dirsch, die am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften studiert.

Um das zumindest im Kleinen zu ändern, haben Dirsch und sieben Kommilitonen die Artenvielfalt zum Thema der 25. Witzenhäuser Konferenz gemacht. Sie steht von Dienstag, 5., bis Samstag, 9. Dezember, unter dem Motto „Die ganze Palette. Biologische Vielfalt als Stärke der ökologischen Landwirtschaft“. Teilnehmen kann jeder – „wir sind ja alle betroffen“, sagt Studentin Marie-Theres Machner.

Sie organisieren die 25. Witzenhäuser Konferenz: Franziska Frey (hinten, von links), Michaela Pimbs, Marie-Theres Machner, Gregor Menzel, Anne Dirsch sowie Julius Kuschel (vorne, von links), Isabel Mangold, Johann Korn. Nicht im Bild sind die Betreuer Holger Mittelstraß und Dr. Thomas van Elsen.

„Der Artenverlust kann größere Auswirkungen haben als der Klimawandel“, sagt Machner. Durch den Klimawandel verändern sich die Lebensräume für Tiere und Pflanzen – etwa durch höhere Temperaturen und Trockenheit. Je kleiner der Genpool vor allem bei Nutztier- und Nutzpflanzenarten wird, desto anfälliger wird laut Machner das System. Gravierende Folgen für die Nahrungsmittelproduktion drohen: Wenn es etwa weltweit nur noch wenige Sorten Reis oder Weizen gebe, könne eine Pilzinfektion die gesamte Ernte vernichten – im schlimmsten Fall ohne, dass eine andere Sorte angebaut werden kann. Deshalb sei es wichtig, so die Studentinnen, eine große Zahl an Arten zu erhalten oder neu zu züchten, die für ganz unterschiedliche Bedingungen geeignet sind.

Die Konferenz besteht nicht nur aus Vorträgen. „Wir wollten auch, dass die Teilnehmer kreativ werden“, sagt Dirsch. Es gibt Workshops, ein Diskussionsforum, eine Kochrunde, eine Exkursion und den Filmabend „Das Salz der Erde“ (Mittwoch, 19 Uhr, Capitol Kino). Weitere Workshops beschäftigen sich damit, wie man Kindern Naturschutz-Themen vermitteln kann. Nach dem öffentlichen Auftakt mit Sektempfang (Dienstag, 19 Uhr, Aula Nordbahnhofstraße) warten jeweils zwischen 9 und 17 Uhr drei Schwerpunkte auf die Besucher:

Natur schützen. Am Mittwoch geht es um das Bewahren von Boden und Natur, Anbauverfahren sowie Konflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Der Philosoph Prof. Dr. Harald Schwaetzer (Bernkastel-Kues) spricht über die Verantwortung des Menschen für Erde und Natur.

• Artenvielfalt nutzen. Am Donnerstag stellen Forscher und Praktiker verschiedene Pflanzensorten und Tierarten und ihre Nutzung – auch für den Naturschutz – vor.

Vielfalt rechnet sich. Hier spricht am Freitag Öko-Landwirt Stefan Ittner (Kassel) über Bio-Produkten in der Gastronomie. Zudem geht es um die Frage, wie Verbraucher durch ihr Einkaufsverhalten zur Artenvielfalt beitragen können.

Programm und Anmeldung

Seit 25 Jahren organisieren Studierende vom Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen jährlich eine Konferenz, in der sie Themen aus der Wissenschaft mit der Praxis verbinden und auch Menschen außerhalb der Universität dafür begeistern wollen. Die Studierenden kümmern sich um alle Details der Planung: Themenfindung, Suche nach Rednern und Sponsoren, Werbung, das Buchen der Räume und die Abläufe während der Tagung mit bis zu 200 Teilnehmern. Zudem verfassen sie gemeinsam einen Tagungsband. Das Projektseminar erstreckt sich über zwei Semester, die Studierenden erhalten dafür wichtige Punkte für ihren Studienabschluss. Betreut wird das Projekt stets von Studienkoordinator Holger Mittelstraß – in diesem Jahr unterstützt durch Dr. Thomas van Elsen. 

Zur Feierstunde am Freitag ab 19 Uhr sind unter anderem alle ehemaligen Organisationsteams eingeladen. Bei der Feier wird es neben kurzen Reden ein Bio-Buffet mit saisonalen Gerichten aus alten Tier- und Pflanzensorten geben. Ab 21.30 Uhr spielt die Band Trykka (Göttingen) tanzbare Musik im Zeichensaal (Steinstraße). Die Teilnahme an Buffet und Konzert kostet 15 Euro. 

Der Besuch der Podiumsdiskussion „Vielfalt fördern – Der Wille ist da, wo ist der Weg?“ (Samstag, 9 Uhr) ist kostenfrei, Tageskarten kosten 20 Euro (ermäßigt 15 Euro), Wochenpässe 60 Euro (45 Euro).
Programm: www.konferenz-witzenhausen.de


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