Interview zum Klimaschutzforum

Umweltdezernent Wallmann: "Klimaschutz kann auch Spaß machen"

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Steht Rede und Antwort: Dr. Rainer Wallmann, hier beim Klimaschutzforum im November des vergangenen Jahres.

Witzenhausen. Zum fünften Mal findet im Kreis ein Klimaschutzforum statt. Umweltdezernent Dr. Rainer Wallmann spricht im Interview zu Zielen der Veranstaltung, Klimaschutz und Klimawandel.

Herr Wallmann, was erhoffen Sie sich vom fünften Klimaschutzforum des Werra-Meißner-Kreises?

Dr. Rainer Wallmann: Wir wollen die Menschen und Institutionen in der Region informieren und vernetzen, um dadurch das Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit des Klimaschutzes und der Energiewende zu stärken. Nur gemeinsam können wir den Klimawandel wirksam einschränken.

Wie stark kann der Einfluss eines kleinen Kreises wie des Werra-Meißner-Kreises auf den Klimawandel sein?

Wallmann: Weltweit betrachtet ist unser Beitrag sehr klein. Wir haben jedoch durch das einstimmig im Kreistag beschlossene Klimaschutzkonzept den Auftrag, Verantwortung für unseren Energieverbrauch zu übernehmen. Wenn das weltweit alle tun, ist das Problem gelöst; wenn wir es alle lassen, werden zukünftige Generationen enorme Probleme bekommen. Da die Energiewende durch Einsparung und eigene Energieerzeugung auch mit einer Steigerung der regionalen Wertschöpfung einhergeht, ist das letztlich auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein lohnender Weg.


Was verstehen Sie unter „konsequentem Klimaschutz auf allen Ebenen“?

Wallmann: Im Energiebereich sind neben Strom auch Wärme und Mobilität zu betrachten und darüber hinaus auch weitere klimarelevante Bereiche, wie zum Beispiel Ernährung und Landwirtschaft, mit einzubeziehen. Weiterhin sind nicht nur in den Privathaushalten, sondern auch im gewerblichen und kommunalen Bereich sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Das geht natürlich nur mit den Menschen und mit den Betrieben.

Wie wollen Sie die Bürger im Kreis dazu bringen, ihren Teil beizutragen?

Wallmann: Wir müssen unsere Vorbildfunktion wahrnehmen und durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, wie beispielsweise das Klimaschutzforum, deutlich machen, dass Klimaschutz auch Spaß machen und letztlich dabei auch Geld gespart werden kann. Der mittlerweile wieder leicht steigende Ölpreis kann diesen Effekt noch verstärken.

Welche Fortschritte in der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts sehen Sie bereits? Wo hakt es noch?

Wallmann: Im Bereich der erneuerbaren Stromerzeugung sind wir mit Windkraft und Sonnenenergie mittlerweile auf einem sehr guten Weg. Gleichzeitig nimmt der Einsatz energieeffizienter Techniken, wie zum Beispiel LED-Beleuchtung, ständig zu. Weniger schnell kommen wir deutschlandweit im Wärmebereich und mit der Mobilität voran. Deshalb haben wir die beiden Modellvorhaben zur Wärmewende (Holzige Biomasse und energetische Quartierssanierung) begonnen und entwickeln ein nordhessenweites Konzept zum Ausbau der Elektromobilität.

Wie gut ist das Förderungsnetzwerk in Sachen Klimaschutz im Kreis aufgebaut?

Wallmann: Wir arbeiten im Kreis und auch darüber hinaus mit sehr vielen relevanten Institutionen und engagierten Personen zusammen, denn Klimaschutz ist eine Querschnittsaufgabe, die in sehr viele Lebensbereiche hinein wirkt und deshalb auch sehr ganzheitlich bearbeitet werden muss. Wir sind ständig dabei, neue Ideen und Projekte zu entwickeln.

Wo sehen Sie die wirklichen Gefahren des Klimawandels für unsere geografische Lage?

Wallmann: Die uns betreffenden Gefahren des Klimawandels sind reduzierte Biodiversität durch Einflüsse auf das ökologische Gleichgewicht der Region sowie zunehmende Schäden durch Extremwetterereignisse. Darunter würden letztendlich auch die Landwirtschaft und der Tourismus leiden und die Lebensqualität der Menschen eingeschränkt werden. Verstärkt erforderliche Klimaanpassungsmaßnahmen können zukünftig auch zu erheblichen Kostenpositionen in der Region werden.

Von Robin Kemmsies

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