Tiere sind in der Paarungszeit

Liebestolle Luchse: Milder Winter sorgt schon jetzt für  Frühlingsgefühle

Hessisch Lichtenau. Nicht ungewöhnlich und vor langer Zeit nicht vorstellbar: Man geht im Wald spazieren und trifft dort auf einen Luchs, welcher den Weg quert oder sich im Unterholz von den ersten Sonnenstrahlen wärmen lässt.

Es ist Ranzzeit, wie die Paarungszeit bei den Luchsen heißt. Normalerweise ist diese im März, aufgrund der milden Witterung, geht es jetzt schon rund, berichtet Ralf Meusel, der für Naturschutzbelange zuständige Förster im Forstamt Hessisch Lichtenau.

Diese Zeit hat für alle Luchse eine besondere Bedeutung, sagt der Experte. Der Kuder, wie die Fach-Bezeichnung für einen männlichen Luchs lautet, wird für rund drei Wochen vom Einzelgänger zum Partner und erbitterten Gegner für Rivalen. Auf der Suche nach einem Weibchen durchstreift er sein bis zu 20 000 Hektar großes Revier. Er weiß, wo er suchen muss. Die Reviere von Kuder und Katzen überlappen sich und anhand ihrer unterschiedlichen Duft-Markierungen weiß er genau, wo er fündig wird. Die Katzen teilen sich den Lebensraum und damit die Nahrungsressourcen unter sich auf. Die Männchen richten sich danach. Die Katze ist alleinerziehend.

Der Kuder unterstützt sie nur dahingehend, dass er ihr den Lebensraum überlässt, den sie für sich und die Aufzucht der Jungen benötigt und dort nicht selbst auf Jagd geht. Mit Beginn der Ranzzeit verlässt die Katze die Jungen auf der Suche nach einem Partner. Für die Jungen, welche im Mai oder Juni des Vorjahres geboren wurden, heißt es nun auf eigenen Füßen zu stehen. Auf der Suche nach einem eigenen Revier begeben sie sich auf Wanderschaft. „Nesthocker“ bleiben länger in dem ihnen vertrauten Gebiet. Entfernungen von über 100 Kilometern an mehreren Tagen sind durch Abwanderungen aus dem Nationalpark Harz in den Werra-Meißner-Kreis nachgewiesen.

Keine Gefahr für Menschen Das Überleben ist davon abhängig, wie erfolgreich sie bei der Jagd sein werden. Rehwild steht ganz oben auf dem Speiseplan. Sind Jungtiere erst einmal geschwächt, werden sie oft von Krankheiten befallen. Nur eines von vier Jungtieren wird überleben. Der Luchs, besonders geschützte Art nach Bundesnaturschutzgesetz, ist nun viel in Bewegung – auch am Tage. Förster Meusel geht davon aus, dass sich zurzeit eine Katze mit drei fast erwachsenen Jungtieren sowie zwei weitere Luchse im Forstamtsbereich aufhalten.

 „Sollten Sie einen Luchs beobachten können, verhalten sie sich ruhig“, sagt er. Von dem Tier gehe keine Gefahr aus. Man soll ihm aber auch nicht nachgehen. Und sollte der Luchs auf einen zukommen, soll man sich langsam zurückziehen. Wichtig: Hunde sind unbedingt an der Leine zu führen.

Wer einen Luchs beobachtet oder sogar fotografiert hat, möge sich ans Forstamt Hessisch Lichtenau wenden unter Tel. 0 56 02 / 93 56 24. (sff)

Von Stefan Forbert

Archivfotos: Luchse bei Söhrewald-Wellerode gesichtet

Luchse bei Söhrewald-Wellerode gesichtet

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