Naturschützer im Werra-Meißner-Kreis wollen Amphibiensterben stoppen

Zaun bei Freudenthal soll Krötenleben retten

Krötenwanderung: Sobald die Temperaturen wieder ansteigen, beginnen Amphibien mit der Wanderung zu ihren Laichgebieten – wie hier auf der B 80 bei Freudenthal.
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Krötenwanderung: Sobald die Temperaturen wieder ansteigen, beginnen Amphibien mit der Wanderung zu ihren Laichgebieten – wie hier auf der B 80 bei Freudenthal.

Immer dann, wenn sich der Winter verabschiedet und die Temperaturen wieder steigen, sterben bei der Wanderung zu ihren Laichgebieten im Naturschutzgebiet Freudenthaler Kiesseen jedes Jahr hunderte von Erdkröten und zahlreiche weitere Amphibien bei der Überquerung der Bundesstraße 80. Um dem ein Ende zu setzen, hat die Obere Naturschutzbehörde des Werra-Meißner-Kreises jetzt die Aufstellung eines Amphibienschutzzauns angekündigt.

Freudenthal – „Die Amphibien haben ihre Sommer- und Winterquartiere auf den bewaldeten Hügeln nördlich der drei Kiesseen über der Siedlung Freudenthal“, sagt Andrea Emde. Zusammen mit einer kleinen Gruppe Freiwilliger kümmert sie sich seit Jahren während der Laichwanderung um das Einsammeln der lebenden Erdkröten, Bergmolche, Teichmolche, Fadenmolche und Grasfrösche, um sie sicher auf die andere Straßenseite zu bringen, sowie um das Zählen der totgefahrenen Tiere. „Allein im vergangenen Jahr haben wir 343 Erdkröten lebend eingesammelt und 290 tote gezählt“, sagt Emde.

Bei der Frühjahrswanderung zu den Laichgewässern müssen die Tiere von der Freudenthaler Talseite aus sowohl die Bahnlinie als auch die Bundesstraße 80 überqueren. Da das Gebiet um die drei Kiesseen seit 1980 Naturschutzgebiet und seit 2003 FFH-Gebiet sowie Teil des 1992 eingerichteten Landschaftsschutzgebietes „Auenverbund der Werra“ ist, forderten die Naturschützer zunächst den Bau einer stationären Leiteinrichtung mit Tunneln. Da diese Maßnahme jedoch mit großem Aufwand verbunden und zudem sehr kostspielig wäre, entschied die Obere Naturschutzbehörde, stattdessen an einem parallel zur Bundesstraße verlaufenden Feldweg einen rund 1,1 Kilometer langen Amphibienschutzzaun aufzustellen. Der soll die Amphibien aufhalten, sodass diese schon dort von den Freiwilligen um Andrea Emde eingesammelt und über die B80 gebracht werden können.

„Es handelt sich dabei um einen gebrauchten Zaun, der bislang an der Hausfürste bei Großalmerode stand“, berichtet Andrea Emde. Das Regierungspräsidium Kassel habe den dort nicht länger benötigten Zaun bereits abholen, reinigen und einlagern lassen. Aufgestellt werden soll er durch Mitarbeiter von Hessen Mobil. Wann das sein wird, steht noch nicht fest. „Das wird passieren, wenn die Temperaturen ansteigen – vermutlich Mitte oder Ende Februar“, so Emde.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir endlich einen Zaun zum Schutz der Amphibien bekommen und dass uns der Aufbau des Zauns abgenommen wird“, betont die Tierschützerin. Dazu hätte sie mit ihrem kleinen Team auch gar nicht die Möglichkeit. Aktuell stünden Emde gerade mal zwei feste Helfer zur Verfügung und drei weitere, die sich sporadisch an Aktionen beteiligen würden. „Daher würden wir uns sehr freuen, wenn sich noch weitere Menschen aus der Region finden, die sich mit uns zusammen um die Amphibien hier bei Freudenthal kümmern würden“, so Emde. Kontakt Tel. 0 55 42/50 72 97. (Per Schröter)

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