Der Hallux Valgus entsteht vor allem durch zu enge Schuhe

OP am Zeh: Wenn Pumps und High Heels den Fuß verkrüppeln

Desinfektion. Viermal wird die Haut mit einer Lösung eingestrichen, die sie für die Operation keimfrei macht. 
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Desinfektion. Viermal wird die Haut mit einer Lösung eingestrichen, die sie für die Operation keimfrei macht. 

Hessisch Lichtenau. Hohe Hacken sind chic – kaum eine Frau hat sie nicht im Schrank, viele tragen sie täglich. Allerdings können die Pumps auch dafür sorgen, dass es schmerzhaft am Fuß wird. 

Oft verschieben sich durch den ständigen Druck auf den Vorderfuß und die enge Schuhspitze die Zehen. Mitunter mit der Diagnose Hallux Valgus: Knochen und Sehne der großen Zehe verschieben sich.

Ist eine Operation unumgänglich, greifen Chirurgen wie Dr. Franz-Josef Müller, Chefarzt für Orthopädie und Traumatologie an der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, zum Skalpell, um „die Anatomie zu rekonstruieren“, wie er sagt.

Franz-Josef Müller

Der Eingriff an sich ist vergleichsweise klein und unblutig – im Vorfeld wird eine Manschette um das Bein gewickelt, deren Druck höher als der arterielle Blutdruck ist und so kein Blut in das Bein fließen lässt. Für den Chirurgen hat das den Vorteil, dass er genauer sehen kann, erklärt Müller. Wobei nicht viel Platz zum Sehen bleibt – gerade einmal zwei Zentimeter lang ist der Schnitt zwischen großer und zweiter Zehe. Hier tastet sich der Chirurg bis zur abspreizenden Sehne der Großzehe, die er durchtrennt, um die schief stehende große Zehe in die richtige Position bringen zu können. Schon im Vorfeld wird mit Computerverfahren berechnet, in welchem Winkel die Zehe später korrekt stehen muss.

Es folgt ein rund fünf Zentimeter langer Schnitt an der Fußinnenseite. Die Knochenbeule und überschüssiges Gewebe werden entfernt und eine Titanschraube in den Knochen eingesetzt, damit dieser stabil in der nun wieder korrekten Position bleibt. Danach muss nur noch die Haut wieder über der Gelenkkapsel zusammengenäht werden.

Nach rund einer halben Stunde ist der Eingriff vorbei. In den meisten Fällen werden die Wunden nicht genäht, sondern geklebt. Wenn keine Komplikationen drohen oder Vorerkrankungen vorhanden sind, kann die Patientin am gleichen Tag die Klinik wieder verlassen und die Verbandswechsel vom Hausarzt machen lassen, erklärt Müller. Nach elf Tagen kann dieser die Fäden ziehen beziehungsweise die Klebestreifen entfernen. Insgesamt sechs Wochen muss die Patientin einen speziellen Schuh tragen, durch den der Vorderfuß entlastet wird. Danach wird der Fuß geröntgt. Nach drei Monaten können wieder engere Schuhe getragen werden und es ist alles an Sport möglich – „der operierte Knochen ist fest“, sagt Müller.

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Von Nicole Demmer

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