Ambiente der 20er und 30er-Jahre

Zurück in die Jugendzeit im Pflegezentrum Fürstenhagen

Fürstenhagen. Das Pflegezentrum Fürstenhagen geht neue Wege in der Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen. Mit einer historischen Kneipe lässt es Menschen die Zeit ihrer Jugend und des jungen Erwachsenenseins wieder auferstehen.

Dahinter steckt ein Pflege- und Betreuungskonzept, das den Bewohnern jene Epoche wieder erschließt, in der sie am meisten geprägt wurden. Gerade für demenziell erkrankte Menschen öffne sich so eine neue Welt.

Aus einem normalen Begegnungsraum ist die Gaststätte der "Goldene Hirsch" entstanden. Original Stühle, Tische, Gläser und Accessoires stammen aus einer echten Kneipe. Wolfgang Rohrbach, der die Gaststätte "Zum Rohrbachtal" in Hirschhagen betreibt, hat das Inventar gespendet. An den Wänden hängen alte Bilder, und echte Schellackplatten gibt es auch. Jetzt suchen Susanne Appel-Grundmann, die Leiterin des zu Lichtenau e.V. gehörenden Pflegezentrums, und ihr Team noch einen original Tresen.

Wer das Pflegeheim betritt, sieht sich sofort in die Zeit der 20er, 30er und 40er Jahres des vergangenen Jahrhunderts versetzt. Bis ins Detail ist alles liebevoll gestaltet. Auch die Namensschilder sind in Sütterlinschrift, Möbelstücke erinnern an eine verloren geglaubte Zeit, und zahlreiche Dekorationen und Alltagsgegenstände lassen die ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts lebendig werden.

Viele der Bewohner im Pflegezentrum sind demenziell erkrankt. Gerade sie profitieren von den Veränderungen, sie erhalten eine Welt zurück, in der sie sich sicher und heimisch fühlen. "Menschen werden vor allem bis zum 20, 25 Lebensjahr stark geprägt", sagt Leiterin Susanne Appel-Grundmann. Demente Menschen könnten gut an Ereignisse, Erlebnisse und Erinnerungen aus frühen Lebensphasen anknüpfen.

Kein Selbstzweck

Die Veränderung des Wohnmilieus sei ein wichtiger Aspekt im Pflegekonzept nach Prof. Erwin Böhm, erklärt Rosi Schreck. Ein weiterer sei: Die Mitarbeiter beschäftigen sich intensiv mit der Biografie der Bewohner - mit ihrem individuellen Lebensweg, mit ihrer Herkunft, den wichtigen Prägungen, ihren Lebensthemen und Vorlieben. Die Gestaltung einer historischen Umwelt sei kein Selbstzweck. Sie habe positive Auswirkungen für die Bewohner. Demenziell erkrankte Menschen wiesen häufig Weglauftendenzen auf. "Das stellen wir bei uns gar nicht mehr fest", berichtet Appel-Grundmann, "denn unsere Bewohner sind hier in ihrem Zuhause und in ihrem Leben, an das sie ganz viele Erinnerungen knüpfen." Die Menschen seien außerdem viel ruhiger und entspannter.

Die Veränderungen im Pflegezentrum finden allmählich und über einen längeren Zeitraum statt. Die Umgestaltung sei noch nicht zu Ende. Deshalb freue sich das Pflegezentrum auch über weitere Möbel und Spenden anderer Gegenstände aus alter Zeit.

Wer etwas abgeben möchte, kann dies mit Susanne Appel-Grundmann unter der Tel. 0 56 02 / 83 17 12 besprechen.

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