Biber baut Burg an der Werra: Erstmals wieder Aufzuchtbemühungen bei Frieda 

Deutliche Spuren bei Frieda: Biber können in einer Nacht einen ganzen Baum fällen. Von den Bäumen verzehrt er die Zweige, die Astrinde und die Blätter. Der Rest wird für den Burgbau verwendet.

Der Biber scheint entlang der Werra wieder heimisch zu werden. Nach verschiedenen Sichtungen und Bissspuren in den vergangenen Jahren konnte jetzt erstmals der Bau einer Burg nachgewiesen werden.

Bei Frieda hat der Wanfrieder Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden die Behausung einer Biberfamilie entdeckt. „Das bedeutet, dass ein Weibchen plant, Junge aufzuziehen“, sagt Kalden. Das bestätigt auch der Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Wolfram Brauneis, der gleichzeitig bemerkt, so etwas an der Werra bis jetzt noch nicht beobachtet zu haben.

Im Vorbeifahren hatte Kalden die Spuren der Biberarbeit an verschiedenen Bäumen bemerkt und sich daraufhin die Uferböschung genauer angeschaut. Biber nagen die Bäume an, um die Rinde zu fressen und Äste und Zweige zum Stauen von Bächen zu benutzen – oder zum Bau einer Burg. Weil das bislang noch nicht beobachtet wurde, wertet das Brauneis als Erfolg für die Wiederansiedlung des Bibers.

Brauneis vermutet, dass der Biber zu den Nachkommen des sogenannten Elbe-Bibers zählt. Noch vor der Wende hatte die HGON ein Ansiedlungsprojekt gestartet. Biber wurden Mitte der 1980er-Jahre von der Elbe an den Fuß des Spessarts versetzt. Etwa 30 Jahre später seien sie an der Werra angekommen. Im Mai wurde ein Biber in der Ortslage von Herleshausen fotografiert. Unser Leser Rico Nimmerjahn hat beim Sport gerade frische Bissspuren eines Bibers bei Albungen entdeckt.

Für Brauneis ist die Rückkehr des Bibers obendrein ein „gutes Signal für das gesamte Ökosystem“ vor Ort. Das Wasser der Werra sei besser geworden, weil durch K+S wesentlich weniger Salz eingeleitet werde. „Vor der Wende wäre eine Rückkehr des Bibers undenkbar gewesen“, sagt Brauneis.

Der Biber, zweitgrößtes Nagetier, war früher bereits an der Werra beheimatet. Weil er aber durch seine Stauungen große Schäden in der Landwirtschaft anrichtete, wurde er vertrieben. Und auch jetzt werden Stimmen laut, die Angst haben, dass der Biber die Obstbäume angeht, wie Kalden berichtet. Inzwischen steht der Nager mit dem auffälligen Schwanz aber unter Naturschutz.

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