Die Boyneburgs haben die Kirche in Jestädt geprägt

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Im Spiel mit dem Licht: Das Buntglasfenster im Altarraum zeigt den sinkenden Petrus. Gestaltet wurde das Fenster von dem Grafiker und heutigen Küster der Kirche Bernd Hampel. 

JESTÄDT - Die Tatsache, dass Walrab von Boyneburg der Stammvater der Patronatskirche im Meinharder Ortsteil Jestädt ist, scheint in jedem Stein des Gotteshauses zu schwingen.

Angefangen vom Kenotaph im Altarraum, über Grabplatten, Gruften und Grabgewölbe ist das Geschlecht der Boyneburg-Hohensteins ganz und gar präsent. Aber auch einige der von Eschweges, die dem ausgestorbenen Geschlecht der Boyneburg-Hohensteins folgen (nach 1792), haben in der Kirche zu Jestädt hier ihre letzte Ruhe gefunden.

Die Kirche dank ihres Turmes zu finden ist leicht, doch einen gesamtheitlichen Blick auf sie zu werfen recht schwierig – ist auf der Sichtachse betrachtet doch eingekeilt zwischen dem Gutshaus und einem anderen Gebäude am Ende der Straße. Ihren Ursprung hat die Jestädter Kircher vermutlich in einer Taufkapelle, der Ort Jestädt selbst wird 876 erstmals urkundlich erwähnt.

In ihrem Ursprung ist die Kirche dreiteilig und besteht aus dem jetzigen Schiff von 1588, dem Altarraum unter dem Turm und einem sehr alten Chorraum, der allerdings 1889 wegen Baufälligkeit abgerissen und durch den heute stehenden Kirchturm ersetzt wird. In die alte Apsis war unter anderem eine steinerne Elle eingelassen, „die den Bauern als Maß dienen sollte“, weiß der Ortshistoriker Heinrich Hogelucht. Ebenso sollen hier Schwert, Sporen und Orden von Walrab von Boyneburg aufbewahrt worden sein – die allerdings sind verschwunden, nachdem ein Bauer sie in Sicherheit vor Plünderern habe bringen wollen.

Den Altarraum der Jestädter Kirche prägen heute vor allem das überlebensgroße Kruzifix mittig hinter dem Altar sowie der steinerne Kenotaph und gegenüberliegend ein Buntglasfenster, das den sinkenden Petrus zeigt.

Im Spiel mit dem Licht: Das Buntglasfenster im Altarraum zeigt den sinkenden Petrus. Gestaltet wurde das Fenster von dem Grafiker und heutigen Küster der Kirche Bernd Hampel. 

„Das Kruzifix ist das Auffälligste und Wertvollste, was die Kirche zu bieten hat“, sagt Pfarrerin Jutta Groß. Der Taufstein aus dem Jahr 1564 ist mit großer Wahrscheinlichkeit von Walrab von Boyneburg-Hohenstein und seiner ersten Frau Judith von Hundelshausen an die Jestädter Gemeinde gestiftet worden. Die Wappen beider Familien sind auf dem Stein zu sehen, wurden aber leider vergoldet.

Der Altar selbst – zur Weihnachtszeit in roten Samt verhüllt und wie ein Geschenk verpackt – hat im Laufe der Zeit noch so manches Geheimnis preisgegeben. So wurden bei Arbeiten über dem Stein zwei Kreuze, ein Tatzenkreuz und ein griechisches, entdeckt, die in dem Stein zu sehen sind. „Vermutlich“, so Küster Bernd Hampel, „hatte die Altarplatte mal eine andere Verwendung. Wer weiß, wo Walrab von Boyneburg die Platte herhatte.“ Gegenüber dem Altarraum auf der barocken Empore befindet sich die Orgel, 1893 gestiftet vom damaligen Jestädter Bürgermeister Georg Hesse. 726 Pfeifen hat sie und 13 Register.

Noch eine verborgene Schönheit offenbarte die Kirche bei Restaurationsarbeiten zu Beginn der 1990er-Jahre. Von den Gefachen der Empore blätterte die Farbe ab und zum Vorschein kamen alte Ornamente, deren Bedeutung aber unklar ist. Ein Restaurator legte vier von ihnen in aufwendiger Arbeit frei. Es handelt sich dabei vermutlich um Weinranken. Man vermutet, dass unter den anderen Gefachen weitere gemalte Motive zu finden sind.

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