Am 9. Februar wird gewählt

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Marodes Schloss, laute Alm und kleine Kinder

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Der Wahlkampf ist in vollem Gange: Plakate mit den Konterfeis der drei Kandidaten Michaela Pack, gerhold Brill und Guido Hasecke schmücken viele Pfähle und Laternen - hier zu sehen der Grebendorfer Anger.

Am 9. Februar wird in Meinhard der Bürgermeister gewählt. Gerhold Brill, Michael Pack und Guido Hasecke stellen sich zur Wahl. Dienstag organisiert die WR ein Aufeinandertreffen.

Bedingt durch ihre Lage am Werratalsee und in Nachbarschaft zur Kreisstadt Eschwege gehört die Gemeinde Meinhard zu den eher privilegierten im Kreis. Doch auch hier gibt es in den nächsten Jahren Baustellen zu bewältigen.

Wenig Gebäudeleerstand in fast allen sieben Ortsteilen, Zuzug junger Familien und ein vitales dörfliches Leben in Vereinen und privaten Initiativen. Das wertet die Gemeinde auf, erfordert aber zugleich ihr Handeln. Seit drei Jahren ist der Haushalt der Gemeinde ausgeglichen, 2013 musste auch sie unter den Schutzschirm des Landes zur Entschuldung. Richtig große Sprünge kann die Kommune nicht machen. Aber genug, um im vorigen Jahr die Straßengebühren abzuschaffen, knapp bevor der teure Ausbau der Durchgangsstraße im Ortsteil Neuerode anlag.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Kinderbetreuung ist ein Problem

Nicht rechtzeitig hat die Gemeinde reagiert auf die wachsende Zahl von Kindern im Ort. Aktuell reichen die Kitaplätze für Kinder ab drei Jahren gerade so aus, Eltern von Krippenkindern müssen mit langen Wartezeiten rechnen. Ab Sommer wird es eine Übergangslösung mit zwölf Plätzen geben und dann muss schnell ein tragfähiges Konzept für eine dauerhafte Lösung her.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Straßen sind marode

Viele Straßen und Gehwege in Meinhard sind sanierungsbedürftig. Abgearbeitet werden kann das in den nächsten Jahren nur Schritt für Schritt. Viele Arbeiten wie der Ausbau der Dorfstraße Neuerode oder die flächendeckende Ausrüstung der Straßenlaternen mit LED-Leuchten sind getan, vieles ist noch offen.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Südflügel des Schlosses wird zum Politikum

Der historische Südflügel des Grebendorfer Schlosses rottet weiter vor sich hin. Die Gemeindevertreter haben Ende vergangenen Jahres mehrheitlich dagegen gestimmt, dass die Gemeinde das Gebäude erwirbt, um in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen das Haus nicht nur zu retten, sondern auch wieder für die Gemeinschaft mit Leben zu erfüllen. Das Land hatte der Gemeinde für den denkmalgeschützen Bau eine Maximalförderung zugesagt – einzige Voraussetzung: Die Immobilie muss im Eigentum der Gemeinde sein.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Heimatalm spaltet Ortsbeirat von Schwebda

Heiß umstritten ist die vom Gemeindevorstand befürwortete dauerhafte Ansiedlung der Event-Gastronomie Heimatalm am Ostufer des Werratalsee in unmittelbarer Nachbarschaft des Werratalsee Naturcamp Meinhard, von dem unter anderem auch der Badestrand bei Schwebda gepflegt wird. Vor allem sind in Schwebda die Meinungen sehr gespalten. Der Ortsbeirat hat bisher noch kein Votum abgegeben, weil der Investor nicht kam.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Der Golfplatz unter Schloss Wolfsbrunnen bleibt der große Traum

Ein großer Traum mit wenig Aussicht auf Erfolg wird wohl das Projekt eines 18-Loch-Golfplatzes bei Schwebda unterhalb des Schlosshotels Wolfsbrunnen bleiben. Zwar gibt es ein Betreiberkonzept und relativ konkrete Pläne, auch wurde mit Grundstückseignern über Flächenankäufe verhandelt – was fehlt, sind Investoren, die bereits sind, 2,5 Millionen Euro in das Projekt zu investieren.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: So sieht es politisch momentan aus

Wie viele Gemeinden in Nordhessen befand auch Meinhard sich über viele Jahrzehnte politisch fest in sozialdemokratischer Hand. Mit Gerhold Brill ist aktuell ein parteiloser Mann Bürgermeister, aber auch er gehörte bis zu seiner Kandidatur der SPD an. Stark vertreten und in der Bürgerschaft als Alternative zu etablierten Parteien gilt die ÜWG, die aus der bürgerlichen Mitte kommt und sich vieler Themen annimmt und eher konservativ agiert. Sie stellt nach der SPD auch die zweitstärkste Fraktion in der Gemeindevertretung. Obwohl nur mit wenigen Abgeordneten im Parlament vertreten, sorgt die FDP in einigen Ortsteilen für Wind, ebenso wie die CDU.

Bürgermeisterwahl in Meinhard: Das sind die Kandidaten

Am 9. Februar wird der Bürgermeister gewählt. Zur Wahl stehen drei parteilose Kandidaten: Gerhold Brill (unterstützt von ÜWG), Guido Hasecke (unterstützt von der CDU) und Michael Pack (unterstützt von der SPD).

Gerhold Brill (von ÜWG unterstützt)

Nagende Selbstzweifel sind nicht unbedingt die Sache von Meinhards amtierenden parteilosen BürgermeisterGerhold Brill. Zumindest steht auf seinem Wahlplakat: „Sechs Jahre gute Entscheidungen für Meinhard“. Dabei kann der 63-Jährige tatsächlich auf eine Liste an Erfolgen blicken. Zwar gehört Meinhard neben Wanfried immer noch zu den Gemeinden mit den höchsten Grundsteuern, dafür aber inzwischen ohne die existenzbedrohenden Straßenbaugebühren. 

Der Schuldenstand ist von 26 auf zehn Millionen Euro reduziert, der Haushalt knapp im grünen Bereich. Unter seinen Bürgermeister-Amtskollegen im Landkreis gilt Brill, den die ÜWG Meinhard unterstützt, als eigensinnig. Vor allem in den nächsten jahren will Brill einen Fokus auf Unterstützung für die älteren Menschen legen und wichtige Investitionen für die Freiwilligen Feuerwehren zum Laufen bringen.

Michael Pack (von SPD unterstützt)

Bei Michael Pack ist der Name Programm. „Zukunft anpacken“ lautet sein Wahlmotto. Pack ist 45 Jahre alt, Vater dreier Kinder und Verkaufsleiter in einem Eschweger Autohaus. Er stellt sich den Bürgern gleich für drei Amtszeiten zu Verfügung. „So lange stehe ich zur Verfügung – das gibt eine konsequente und klare Linie für die Gemeinde.“

Seine Ziele formulierte der parteilose Kandidat, den die SPD Meinhard unterstützt, so: die Gemeinde weiter für Familien, alte und junge Menschen attraktiv machen, mehr Gewerbe in der Kommune ansiedeln und den Tourismus ausbauen.

„Wir unterstützen Michael Pack, damit es eine Alternative zu Gerhold Brill gibt, und weil er ein jüngerer Kandidat mit einer längeren beruflichen Perspektive ist“, so Karl Jeanrond, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands Meinhard. Pack sei eine Persönlichkeit, die es verstünde, Menschen mitzunehmen.

Guido Hasecke (unterstützt von der CDU)

52 Jahre alt, Vater dreier Kinder, Informatiker, Geschäftsführer und Erfinder - so stellt sich der Grebendorfer auf seiner eigens geschaffenen Website den Bürgern vor. Doch Hasecke ist in Meinhard alles andere als unbekannt. Zum einen kandidiert er bereits bei der letzten 

Bürgermeisterwahl, zum anderen hat er seit sechs Jahren den Vorsitz der Gemeindevertretung, die er moderierend und sachlich führt. Im Wahlkampf unterstützt wird er von der CDU. „Ich bin überzeugt, dass wir an der Spitze unserer Verwaltung einen Teamplayer brauchen, der Erfahrungen aus der Kommunalpolitik und der Privatwirtschaft mitbringt und den Kurs der Gemeinde Meinhard auf Zukunft setzt. Mit dieser Motivation trete ich für Sie an“, sagt Hasecke. Sein politischer Kompass war und bleibe für ihn der frühere sozialdemokratische Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Werra-Rundschau bringt die Kandidaten der Bürgermeisterwahl in Meinhard zusammen

Zum WR-Lesertreff mit den drei Bürgermeisterkandidaten sind am kommenden Dienstag, 4. Februar, um 19 Uhr, alle interessierten Bürger in das Bürgerhaus nach Grebendorf herzlich eingeladen. Wer konkrete Fragen an die kandidaten hat, möge diese bitte bis Dienstag, 12 Uhr, per E-Mail an redaktion@werra-rundschau.de schicken mit dem Betreff: Bürgermeisterwahl Meinhard. Im Anschluss an die Podiumsveranstaltung unter der Moderation von WR-Redaktionsleiter Tobias Stück werden die drei Kandidaten an eigenen Ständen den Bürgern noch mal gern Rede und Antwort stehen.

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