Sie wollten höchstens zwei Jahre bleiben, bis der Krieg vorbei ist - inzwischen sind es 14 Jahre und ein eigenes Geschäft geworden

„Die erste Pizzeria seit 750 Jahren“

Mahije Mecinaj floh vor 14 Jahren mit ihrem Mann und vier kleinen Kindern aus dem Kosovo, in dem damals Krieg herrschte. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Grebendorf und betreibt ihre eigene kleine Pizzeria. Sie hatte nie vor, solange in Deutschland zu bleiben. Doch inzwischen hat die Familie deutsche Pässe und ihre Heimat besucht sie nur in den Ferien.

Grebendorf. Mit vier kleinen Kindern und zwei Koffern flohen Mahije und ihr Mann Fatmir 1998 nach Deutschland. Zwei Jahre wollten sie höchstens bleiben - bis der Krieg im Kosovo vorbei ist. „Wir hatten nicht vor, unsere Heimat zu verlassen. Wir wollten dort immer bleiben und leben.“

Das ist jetzt 14 Jahre her. Die Familie hat inzwischen deutsche Pässe. Mahijes Kinder sind fast erwachsen, die beiden großen Töchter sind ausgezogen und gehen eigene Wege. Und auch Mahije hat sich selbstständig gemacht. Vor einigen Jahren kaufte die Familie ein Haus in Grebendorf. Mahije backte eines Tages Pizza für die Kinder und damit begann eine Idee Gestalt anzunehmen.

Im Erdgeschoss des Hauses stand ein ehemaliges Elektrogeschäft leer. Die Familie plante, rechnete und baute. Heute ist die 44-Jährige Inhaberin der Pizzeria „Classico“ an der Grebendorfer Kirchstraße. Wenn sie in ihrem Laden mit den orangen Wänden und dem bunten Ölgemälde steht, strahlt sie. „Das ist die erste Pizzeria in Grebendorf seit 750 Jahren,“ sagt ihr Mann Fatmir und blickt stolz auf seine Frau.

„Sie macht alles alleine und will sich nicht helfen lassen“, sagt er. Doch während seine Frau noch schnell Tee und Kuchen serviert, erzählt sie stolz, dass alle ihre Kinder, vor allem in der Anfangszeit, in der Pizzeria geholfen haben. Auch Fatmir, der eigentlich Busfahrer ist, packt mit an. Das Paar, dessen Wohnzimmer an Gediegenheit einem deutschen in nichts nachsteht, scheint angekommen zu sein und eine zweite und neue Heimat gefunden zu haben. „Wir sind zufrieden und die Kinder sind auch froh“, betont Fatmir.

Doch ganz will Mahije ihren Traum, doch eines Tages in den Kosovo zurückzukehren nicht aufgeben. „Irgendwann würde ich gern zurück, aber im Moment geht das wegen der Kinder sowieso nicht“, sagt sie lachend und wendet sich ihrem deutschen Alltag zu.

In den Sommerferien reist die Familie in den Kosovo. „Wir besuchen drei Tage die Familie und fahren dann weiter ans Meer, um Urlaub zu machen“, erzählt Fatmir, der gar nicht zurück auf den Balkan will. „Zwei bis drei Wochen im Jahr reichen vollkommen.“ Zu Hause spricht die Familie eine Gemisch aus Albanisch und deutsch. Wenn das Paar was zu bereden hat, verfallen sie beide ins Albanische. Auch die Kinder verstehen und sprechen ihre Muttersprache. „Aber gehen die Kinder in Albanien in ein Geschäft, sind die Preise gleich ein bisschen höher, weil die Leute merken, dass sie nicht von dort kommen“, sagt Fatmir. „Die Kinder wollen nicht zurück“.

Viel Zeit, Träumen nachzuhängen, hat Mahije auch nicht. Ihre Pizzeria ist täglich außer Montags geöffnet. Die beiden Söhne wohnen noch zu Hause und der deutsche Alltag hat seinen Rhythmus.

Von Stefanie Salzmann

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