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Die Störche auf dem Grebendorfer Rathaus sind von Nilgänsen vertrieben worden

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Von: Stefanie Salzmann

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Da war die Welt noch in Ordnung: Das brütende Storchenpaar auf dem dach des Grebendorfer Rathauses in der vorigen Woche.  Jetzt sind sie weg.
Da war die Welt noch in Ordnung: Das brütende Storchenpaar auf dem dach des Grebendorfer Rathauses in der vorigen Woche. Jetzt sind sie weg. © Urusula Strauß/nh

Das brütende Storchenpaar vom Grebendorfer Rathaus ist weg. Nilgänse haben die Weißstörche attackiert und das Nest besetzt.

Grebendorf – Das Storchenglück in Grebendorf hat am vergangenen Wochenende ein tragisches Ende genommen. Das Weißstorchenpaar, das Mitte März dort mit der Brut begonnen hat, ist seit vorigen Sonntag weg. Eine Schar Nilgänse hatte seit einigen Tagen immer wieder die Störche auf dem First des Rathauses attackiert – aus Sicht der Nilgänse mit Erfolg. Denn die Störche haben vermutlich ihre Eier zurückgelassen und das Weite gesucht. An ihrer Statt haben nun die Nilgänse den Horst bezogen.

„Die Störche saßen im Nest und die Nilgänse direkt davor und haben einen Wahnsinns-Radau veranstaltet“, beschreibt Ursula Strauß, die gegenüber dem Rathaus an der Sandstraße wohnt, die Szenen, die sich am Wochenende auf dem Rathausfirst abgespielt haben. Seit Montag nun haben sie und ihr Mann Reinhard Strauß das Storchenpaar nicht mehr gesehen. Am Abend des 27. Mai hatte Reinhard Strauß noch ein Foto gemacht, als der Storchenmann gerade das brütende Weibchen im Horst füttert. „Und auf einmal saßen die Nilgänse im Nest“, so Strauß. Der Landwirt geht davon aus, dass die Nilgänse auch die Eier der Störche zerstört und gefressen haben.

Das ist traurig für Grebendorf. Alle – Einheimische und Gäste – haben sich über die Störche gefreut.

Christian Menthe Ortsvorsteher Grebendorf

„Das ist traurig für Grebendorf. Alle – Einheimische und Gäste – haben sich über die Störche gefreut“, sagt Grebendorf Ortsvorsteher Christian Menthe, der bezweifelt, dass sich dort wieder Störche niederlassen.

Das Storchenpaar war überraschend Mitte März in Grebendorf aufgetaucht und hatte mit der Brut begonnen. Die Nisthilfe befindet sich erst seit August vorigen Jahres auf dem Rathausdach. „Es ist schon dramatisch, dass eine invasive Tierart wie die Nilgans einheimische Tiere verdrängt und vertreibt“, sagt Ortsvorsteher Menthe. Bei der Bestandsregulierung der aus Afrika eingewanderten Nilgans habe man zu lange gezögert.

Grebendorf nimmt am Gänsemonotoring teil

Auch Grebendorfs Jagdpächter Martin Kruck hat die Bedrohung des Weißstorchpaares kommen sehen. „Man hätte die Gänse dort sofort entfernen müssen.“ Ein Schritt, der zum einen mitten im Ort und zum anderen während der gerade aktuellen Schonzeit kaum umsetzbar gewesen wäre.

Grebendorf nimmt gemeinsam mit den Schwebdaer Revieren sowie Niederdünzebach seit einigen Jahren am sogenannten Gänse-Monitoring teil, ein von der Uni Gießen betreutes Projekt. Dabei geht es darum, bei revierübergreifenden Jagden Grau- und Nilgänse auf Flächen zu vergrämen, wo sie Schaden anrichten beziehungsweise an den Badestellen des Werratalsees. Vor allem die Nilgänse verkoten die Ufer und sorgen damit auch für schlechte Wasserqualität. (Stefanie Salzmann)

Die Nilgans verdrängt zunehmend heimische Arten.
Die Nilgans verdrängt zunehmend heimische Arten. © Andreas Arnold/dpa

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